Die Infor­ma­tionsver­anstal­tung der Rotwild­hegege­mein­schaft Net­ter­sheim e.V. zum The­ma „Rotwildbestände“, die am 17. Juni 2026 im Holzkom­pe­tenzzen­trum Rhein­land in Net­ter­sheim stat­tfand, erwies sich als her­aus­ra­gen­der Erfolg und als bedeu­ten­der Meilen­stein für die zukün­ftige Aus­rich­tung des Rotwild­man­age­ments in der NRW-Eifel. Mit rund 80 Teil­nehmern war die Ver­anstal­tung außeror­dentlich gut besucht und verdeut­lichte ein­drucksvoll das große Inter­esse von Jäger­schaft, Forst, Waldbe­sitzern und Fachöf­fentlichkeit an einem fak­ten­basierten und zukun­fts­fähi­gen Umgang mit den Rotwildbestän­den.

Copyright © 2026 Andreas Zingsheim
Copy­right © 2026 Andreas Zing­sheim

Bere­its in sein­er Begrüßung machte der Vor­sitzende Wolf­gang Schmieder deut­lich, dass die Rotwild­hegege­mein­schaft vor großen Her­aus­forderun­gen ste­ht. Sein Appell zu mehr Zusam­me­nar­beit, Trans­parenz und gemein­samer Ver­ant­wor­tung set­zte den inhaltlichen Rah­men für einen Abend, der von hoher Fach­lichkeit, Offen­heit und kon­struk­tivem Dia­log geprägt war. Auch das Gruß­wort von Bürg­er­meis­ter Nor­bert Crump unter­strich die Bedeu­tung eines aus­ge­wo­ge­nen Ver­hält­niss­es zwis­chen Wildbe­stand, Walden­twick­lung und den berechtigten Inter­essen aller Beteiligten.

Ein beson­der­er Höhep­unkt des Abends war der Vor­trag von Alexan­der Mohr von Copter­Pro zur Rotwildbe­stand­ser­fas­sung mit­tels Drohnen­tech­nolo­gie. Seine Aus­führun­gen zeigten ein­drucksvoll, welche Möglichkeit­en mod­erne tech­nis­che Ver­fahren heute bieten, um Wildbestände wesentlich exak­ter und objek­tiv­er zu erfassen als mit herkömm­lichen Meth­o­d­en allein. Der Ein­satz von Wärme­bild­drohnen mit bis zu 10 Piloten stellte sich als äußerst präzis­es Instru­ment zur Bestand­ser­mit­tlung dar.

Beson­ders bemerkenswert war die Erken­nt­nis, dass diese mod­erne Methodik eine bish­er nicht erre­ichte Genauigkeit in der Erfas­sung ermöglicht. Dadurch kon­nte der Rotwildbe­stand erst­mals belast­bar quan­tifiziert wer­den. Die gewonnenen Dat­en liefer­ten ein klares und unmissver­ständlich­es Bild: Der aktuelle Rotwildbe­stand liegt deut­lich über einem ökol­o­gisch trag­baren Maß. Die erhobe­nen Zahlen macht­en sicht­bar, was vielerorts bere­its ver­mutet wurde – der Bestand ist exor­bi­tant zu hoch und über­steigt die Belas­tungs­gren­zen des Leben­sraumes in erhe­blichem Maße.

Diese exak­te Bestand­ser­he­bung stellt einen enor­men Fortschritt dar. Sie been­det Speku­la­tio­nen und sub­jek­tive Ein­schätzun­gen und erset­zt sie durch belast­bare Fak­ten. Ger­ade diese wis­senschaftlich fundierte Daten­grund­lage wurde von den Teil­nehmern als außeror­dentlich wertvoll bew­ertet, da sie die Voraus­set­zung für sachgerechte Entschei­dun­gen schafft.

Im Anschluss stellte der Rotwild­sachver­ständi­ge Michael Lange die Ergeb­nisse der Bestand­ser­fas­sung detail­liert vor und leit­ete daraus klare Schlussfol­gerun­gen für die Prax­is ab. Mit großer fach­lich­er Kom­pe­tenz arbeit­ete er her­aus, dass die aktuellen Bestand­szahlen unmissver­ständlich zeigen, dass jagdlich gehan­delt wer­den muss. Ein Fes­thal­ten an bish­eri­gen Abschussstrate­gien wird langfristig wed­er dem Wald noch dem Wild gerecht. Vielmehr bedarf es ein­er kon­se­quenten Anpas­sung der jagdlichen Maß­nah­men, um mit­tel­fristig wieder ein aus­ge­wo­genes Ver­hält­nis zwis­chen Wildbe­stand und Leben­sraum zu erre­ichen.

Beson­ders ein­drucksvoll war, wie sach­lich und fak­tenori­en­tiert diese Erken­nt­nisse präsen­tiert wur­den. Es ging nicht um Schuldzuweisun­gen, son­dern um Ver­ant­wor­tung und zukun­ft­sori­en­tiertes Han­deln.

Einen wis­senschaftlich hochin­ter­es­san­ten Beitrag lieferte Marc Vel­ling von der Forschungsstelle für Jagd­kunde und Wildtier­man­age­ment. Er erläuterte die kom­plex­en Wech­sel­wirkun­gen zwis­chen Wild und Veg­e­ta­tion und machte nachvol­lziehbar, welche Auswirkun­gen dauer­haft über­höhte Wildbestände auf natür­liche Ver­jün­gung­sprozesse im Wald haben. Seine Aus­führun­gen verdeut­licht­en, dass Ver­bisss­chä­den und aus­bleibende Naturver­jün­gung direk­te Fol­gen eines nicht angepassten Wildbe­standes sein kön­nen.

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Anschließend beleuchtete Christof Riedesel, lei­t­en­der Audi­tor in Nor­drhein-West­falen, die Anforderun­gen an Wildbestände aus Sicht der PEFC-Stan­dards. Seine Aus­führun­gen macht­en deut­lich, dass nach­haltige Wald­be­wirtschaf­tung nur dann dauer­haft möglich ist, wenn Wild­dicht­en im Ein­klang mit den ökol­o­gis­chen Anforderun­gen des Waldes ste­hen.

Ein weit­er­er prax­is­na­her Höhep­unkt war der Vor­trag „Wald­baulich jagen“, präsen­tiert von Wolf­gang Schmieder, Dr. Andreas Hei­d­büchel und Hans-Joachim Baum. Mit großer Erfahrung und hohem Prax­is­bezug zeigten sie auf, wie mod­ernes Jagdman­age­ment aktiv zur Sta­bil­isierung und Entwick­lung gesun­der Waldökosys­teme beitra­gen kann. Dabei wurde klar: Zukun­fts­fähige Jagd bedeutet heute weit mehr als reine Bestand­sreg­ulierung – sie ist ein zen­trales Instru­ment aktiv­er Land­schafts- und Walden­twick­lung.

Die abschließende Podi­ums­diskus­sion mit Christoph Böltz vom Lan­des­be­trieb Wald und Holz NRW sowie den Ref­er­enten entwick­elte sich zu einem lebendi­gen, respek­tvollen und lösung­sori­en­tierten Aus­tausch. Unter der pro­fes­sionellen Mod­er­a­tion von Wal­ter Schmitz wur­den unter­schiedliche Sichtweisen zusam­menge­führt und kon­struk­tive Per­spek­tiv­en für die Zukun­ft entwick­elt.

Das Faz­it dieser Ver­anstal­tung fällt außeror­dentlich pos­i­tiv aus.
Die Rotwild­hegege­mein­schaft Net­ter­sheim e.V. hat mit dieser Ver­anstal­tung Maßstäbe geset­zt. Her­vor­ra­gend organ­isierte Abläufe, exzel­lente Ref­er­enten und vor allem die wis­senschaftlich fundierte Darstel­lung der Rotwildbestände macht­en den Abend zu ein­er äußerst wertvollen Fachver­anstal­tung.

Beson­ders her­vorzuheben ist die enorme Bedeu­tung der mod­er­nen Bestand­ser­fas­sung: Die nun vor­liegen­den exak­ten Zahlen schaf­fen Klarheit und bilden die unverzicht­bare Grund­lage für zukün­ftige Entschei­dun­gen. Sie machen unmissver­ständlich deut­lich, dass der Rotwildbe­stand derzeit deut­lich zu hoch ist und jagdliche Anpas­sun­gen zwin­gend erforder­lich sind.

Die Ver­anstal­tung hat ein­drucksvoll gezeigt, dass ein nach­haltiges Rotwild­man­age­ment nur auf Basis valid­er Dat­en, fach­lich­er Exper­tise und gemein­samer Ver­ant­wor­tung gelin­gen kann. Die durch­weg pos­i­tive Res­o­nanz der Teil­nehmer bestätigt, dass die Rotwild­hegege­mein­schaft Net­ter­sheim mit diesem For­mat einen wichti­gen und zukun­ftsweisenden Beitrag für Wald, Wild und Region geleis­tet hat.

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Autor: Andreas Zing­sheim