Von Andreas Zing­sheim, Betreiber von eifelforsten.de

Es gibt Som­mer, über die man sich noch Jahre später gerne unter­hält. „Weißt du noch, dieser tolle Som­mer damals?“ Man erin­nert sich an lange Abende auf der Ter­rasse, an Freibad, Grillen und vielle­icht an den einen oder anderen Son­nen­brand. Der Som­mer 2026 kön­nte eben­falls in Erin­nerung bleiben. Allerd­ings möglicher­weise aus einem anderen Grund.

Copy­right © 2026 Andreas Zing­sheim

Denn während wir Men­schen bei großer Hitze wenig­stens noch die Möglichkeit haben, uns ein schat­tiges Plätzchen zu suchen, ins Freibad zu gehen oder ein­fach die Dusche aufzu­drehen, ste­ht der Wald ziem­lich hil­f­los da. Ein Baum kann nicht ein­fach sagen: „So, mir reicht’s jet­zt. Ich ziehe für ein paar Wochen nach Nor­we­gen.“ Er muss dort bleiben, wo er ste­ht. Und genau das wird in diesem Som­mer auch in der Norde­ifel zum Prob­lem.

Wer derzeit mit offe­nen Augen durch die Wälder zwis­chen Net­ter­sheim, Blanken­heim, Kall, Schlei­den oder Mon­schau geht, ent­deckt vielerorts Verän­derun­gen. Manche Kro­nen wirken lichter, Blät­ter hän­gen schlapp herunter oder ver­fär­ben sich früher als erwartet. An anderen Stellen ste­hen Bäume noch erstaunlich grün da, während wenige Meter weit­er bere­its deut­liche Schä­den zu erken­nen sind. Der Wald sieht in diesem Som­mer vielerorts nicht unbe­d­ingt spek­takulär krank aus. Und ger­ade das macht die Sit­u­a­tion inter­es­sant. Denn ein Baum muss nicht schon braun sein, um unter der Hitze zu lei­den.

Bäume sind wahre Über­leben­skün­stler. Sie kön­nen ihren Wasserver­brauch reduzieren, ihre Spaltöff­nun­gen schließen und ihre Aktiv­ität herun­ter­fahren. Damit ver­suchen sie, mit dem vorhan­de­nen Wass­er möglichst lange auszukom­men. Das funk­tion­iert eine Weile. Aber irgend­wann ist der Tank leer. Und genau hier liegt das Prob­lem: Während wir Men­schen bei 30 Grad vielle­icht darüber disku­tieren, ob es noch vernün­ftig ist, den Rasen zu mähen, kämpfen Bäume im Boden um jeden Tropfen Wass­er.

Beson­ders schwierig wird es, wenn hohe Tem­per­a­turen und fehlen­der Nieder­schlag über län­gere Zeit zusam­men­tr­e­f­fen. Der Boden trock­net aus, die Wasser­re­ser­ven wer­den knap­per und die Ver­dun­stung steigt. Ein Baum benötigt aber ger­ade bei hohen Tem­per­a­turen Wass­er, um seinen Stof­fwech­sel aufrechtzuer­hal­ten und sich über Ver­dun­stung zu kühlen. Das klingt fast ein biss­chen unfair. Aus­gerech­net dann, wenn es am heißesten ist, wird das Wass­er knapp.

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Die Norde­ifel ist dabei ein beson­ders inter­es­santes Gebi­et. Wer glaubt, die Eifel sei über­all gle­ich, muss eigentlich nur ein­mal genauer hin­schauen. Höhen­la­gen, Böden, Hänge, Täler und unter­schiedliche Wasserver­sorgung sor­gen dafür, dass wenige Kilo­me­ter manch­mal einen erhe­blichen Unter­schied machen kön­nen. Ein Baum an einem feucht­en Stan­dort kann deshalb mit ein­er Hitzewelle wesentlich bess­er klarkom­men als ein Baum auf einem trock­e­nen, flach­gründi­gen und sonnen­ex­ponierten Hang. Das Ther­mome­ter mag für bei­de 30 Grad anzeigen. Der Baum bekommt die Rech­nung aber trotz­dem an seinem jew­eili­gen Stan­dort präsen­tiert.

Beson­ders bekan­nt ist inzwis­chen das Schick­sal der Fichte. Über Jahrzehnte prägte sie große Teile der Eifel. Sie wuchs schnell und war wirtschaftlich inter­es­sant. Doch die ver­gan­genen Jahre haben gezeigt, wie prob­lema­tisch die Kom­bi­na­tion aus Hitze, Trock­en­heit und Borkenkäfer für diese Bau­mart wer­den kann. Ein durch Wasser­man­gel geschwächter Baum hat weniger Möglichkeit­en, sich gegen Schädlinge zu wehren. Beim Buch­druck­er, einem Borkenkäfer, kann das fatale Fol­gen haben. Die großen braunen Ficht­en­flächen der ver­gan­genen Jahre sind deshalb inzwis­chen ein ver­trauter Anblick.

Aber wäre es zu ein­fach, daraus zu schließen, dass die Fichte das eigentliche Prob­lem ist. Denn auch andere Bau­marten kom­men an ihre Gren­zen. Die Buche beispiel­sweise gehört seit jeher zu den charak­ter­is­tis­chen Bau­marten viel­er Eifel­wälder. Doch auch eine heimis­che Bau­mart ist nicht automa­tisch gegen jede Form von Kli­mas­tress geschützt. Ger­ade ältere Bäume kön­nen unter lang anhal­tender Trock­en­heit erhe­blich lei­den. Auch Eichen, Ahorn, Eschen und andere Bau­marten müssen mit den verän­derten Bedin­gun­gen zurechtkom­men.

Damit wird eine Erken­nt­nis immer wichtiger: Es gibt ver­mut­lich nicht die eine per­fek­te Bau­mart für die Zukun­ft. Entschei­dend ist der Stan­dort. Und vielle­icht ist genau das eine der wichtig­sten Lehren aus den ver­gan­genen Jahren. Wir kön­nen den Wald nicht ein­fach nach einem Kochrezept neu bepflanzen. Ein biss­chen Buche, etwas Eiche, dazu Dou­glasie und fer­tig ist der kli­masta­bile Zukun­ftswald. So funk­tion­iert die Natur lei­der nicht. Und wahrschein­lich ist das auch gut so.

Denn der Wald kann etwas, was wir Men­schen manch­mal nur schw­er akzep­tieren: Er entwick­elt sich nicht nach einem Fün­f­jahre­s­plan. Wenn ein Baum stirbt, ist das zunächst ein­mal ein Ver­lust. Aber gle­ichzeit­ig entste­ht Raum für etwas Neues. Licht fällt auf den Wald­bo­den. Gräs­er und Kräuter wach­sen. Sträuch­er bre­it­en sich aus. Junge Bäume kom­men nach. Birken und Ebereschen gehören zu den Bau­marten, die solche offe­nen Flächen schnell besiedeln kön­nen.

Und irgend­wo sitzt wahrschein­lich ein Eichel­häher und ver­steckt ger­ade die näch­ste Eiche. Wenn man es pos­i­tiv sehen möchte, kön­nte man sagen: Der Vogel arbeit­et bere­its am Wal­dum­bau. Und das ganz ohne Sitzung, Förder­antrag und Pro­jek­t­gruppe.

Natür­lich darf man daraus keinen roman­tis­chen Schluss ziehen. Nicht jede Schad­fläche wird sich von alleine in einen per­fek­ten Mis­chwald ver­wan­deln. Manch­mal ist Unter­stützung notwendig. Manch­mal müssen junge Bäume geschützt wer­den. Manch­mal ist eine Pflanzung sin­nvoll. Aber manch­mal ist es eben auch sin­nvoll, zunächst ein­fach zuzuse­hen. Das fällt uns Men­schen erstaunlich schw­er. Wir sehen eine freie Fläche und denken: Da müssen Bäume hin. Der Wald sagt möglicher­weise: Keine Sorge, ich küm­mere mich. Vielle­icht soll­ten wir ihm zumin­d­est gele­gentlich zuhören.

Was wir derzeit erleben, ist deshalb nicht ein­fach nur eine Folge eines heißen Som­mers. Der Som­mer 2026 rei­ht sich in eine Entwick­lung ein, die sich bere­its seit mehreren Jahren beobacht­en lässt. Trock­en­heit, Hitze, Stürme und Schädlinge kön­nen sich gegen­seit­ig ver­stärken. Ein geschwächter Baum wird anfäl­liger. Ein geschädigter Bestand wird insta­bil­er. Und eine Fläche, auf der plöt­zlich viele Bäume fehlen, verän­dert ihr eigenes Klein­kli­ma. Aus einem einzel­nen Prob­lem kann so eine ganze Kette entste­hen.

Copy­right © 2026 Andreas Zing­sheim

Die span­nende Frage ist deshalb nicht nur, wie viele Bäume in diesem Som­mer ster­ben. Span­nen­der ist eigentlich, welche Bäume über­leben. Welche Bau­marten kom­men mit den neuen Bedin­gun­gen zurecht? Welche Stan­dorte erweisen sich als robust? Wo funk­tion­iert Naturver­jün­gung beson­ders gut? Und wo müssen wir möglicher­weise nach­helfen?

Genau deshalb lohnt es sich, in diesem Som­mer ein­mal anders durch die Norde­ifel zu gehen. Nicht nur mit dem Blick auf die Land­schaft, son­dern mit etwas mehr Aufmerk­samkeit für die Bäume. Welche Kro­nen sind dicht und grün? Wo ste­hen Bäume mit auf­fäl­lig dün­nen Kro­nen? Wo ist der Boden trock­en? Wo wach­sen bere­its junge Bäume nach? Und welche Arten scheinen mit der Hitze bess­er zurechtzukom­men als andere?

Natür­lich erset­zt das keine wis­senschaftliche Unter­suchung. Aber Beobach­tung ist ein guter Anfang.

Ich selb­st beschäftige mich als Betreiber von eifelforsten.de seit Jahren mit den Wäldern und der Entwick­lung der Norde­ifel. Ich bin kein Förster und auch kein Forstwissenschaftler. Deshalb möchte ich bei diesem The­ma auch nicht so tun, als hätte ich die eine große Antwort auf die Her­aus­forderun­gen des Kli­mawan­dels im Wald. Was ich kann, ist beobacht­en, recher­chieren, Fra­gen stellen und Infor­ma­tio­nen zusam­men­tra­gen.

Bei der Recherche zu diesem Beitrag habe ich dabei auch kün­stliche Intel­li­genz, kurz KI, einge­set­zt. Sie hat mir geholfen, Infor­ma­tio­nen zu struk­turi­eren, Zusam­men­hänge zu recher­chieren und unter­schiedliche Aspek­te des The­mas zusam­men­zu­tra­gen. Die KI erset­zt dabei wed­er wis­senschaftliche Unter­suchun­gen noch die Erfahrung von Men­schen, die täglich beru­flich im Wald arbeit­en. Sie ist für mich ein Werkzeug – nicht der Autor. Die Ver­ant­wor­tung für diesen Beitrag und seine Einord­nung liegt bei mir.

Und vielle­icht ist genau diese nüchterne Betra­ch­tung beim The­ma Wald ganz hil­fre­ich. Denn zwis­chen „Unser Wald stirbt!“ und „Der Wald wird das schon irgend­wie schaf­fen!“ liegt eine ziem­lich große Grau­zone. Die Wahrheit dürfte irgend­wo dazwis­chen liegen.

Der Wald ist wider­stands­fähig. Er kann sich anpassen, neue Gen­er­a­tio­nen her­vor­brin­gen und sich verän­dern. Gle­ichzeit­ig kön­nen wir nicht davon aus­ge­hen, dass jed­er Wald jede Entwick­lung prob­lem­los verkraftet. Ein alter Baum lässt sich schließlich nicht inner­halb eines Jahres erset­zen. Was heute stirbt, fehlt möglicher­weise für Jahrzehnte.

Deshalb soll­ten wir den Wald auch nicht auss­chließlich danach beurteilen, wie viele Bäume irgend­wo neu gepflanzt wur­den. Entschei­dend wird sein, ob diese Bäume mit den Bedin­gun­gen klarkom­men, die sie in den kom­menden Jahrzehn­ten vorfind­en.

Vielle­icht müssen wir uns deshalb auch von dem Gedanken ver­ab­schieden, dass der Wald von mor­gen genau­so ausse­hen muss wie der Wald von gestern. Der Wald der Norde­ifel wird sich verän­dern. Vielle­icht wird er vielfältiger. Vielle­icht wer­den manche Bau­marten sel­tener, während andere häu­figer wer­den. Vielle­icht entste­hen mehr offene Bere­iche, mehr unter­schiedliche Altersstruk­turen und mehr natür­liche Dynamik. Das muss nicht automa­tisch schlecht sein. Aber es wird anders sein.

Wenn ich derzeit durch die Norde­ifel fahre oder gehe, sehe ich deshalb neben den Schä­den auch etwas anderes: einen Wald, der ver­sucht, mit ein­er neuen Sit­u­a­tion zurechtzukom­men. Manche Bäume schaf­fen es. Manche nicht. Manche Flächen brauchen unsere Unter­stützung. Andere über­raschen uns vielle­icht ger­ade dadurch, dass sie ganz alleine wiederkom­men.

Und vielle­icht ist das die wichtig­ste Erken­nt­nis aus diesem außergewöhn­lichen Som­mer: Wir soll­ten den Wald nicht unter­schätzen. Aber wir soll­ten auch nicht glauben, dass er unver­wund­bar ist.

Der Wald kann sehr viel. Duschen kann er allerd­ings immer noch nicht.

Und wenn der Som­mer 2026 eines gezeigt hat, dann vielle­icht genau das: Wass­er ist für einen Wald keine Neben­sache. Es ist seine Lebensver­sicherung.

Hin­weis: Für die Recherche zu diesem Beitrag wur­den öffentlich zugängliche Fach­in­for­ma­tio­nen sowie KI-gestützte Recherchew­erkzeuge ver­wen­det. Die KI diente dabei auss­chließlich als Recherche- und Struk­turierung­shil­fe. Die redak­tionelle Auswahl, Einord­nung und Ver­ant­wor­tung für den Beitrag liegen beim Autor.