Die Informationsveranstaltung der Rotwildhegegemeinschaft Nettersheim e.V. zum Thema „Rotwildbestände“, die am 17. Juni 2026 im Holzkompetenzzentrum Rheinland in Nettersheim stattfand, erwies sich als herausragender Erfolg und als bedeutender Meilenstein für die zukünftige Ausrichtung des Rotwildmanagements in der NRW-Eifel. Mit rund 80 Teilnehmern war die Veranstaltung außerordentlich gut besucht und verdeutlichte eindrucksvoll das große Interesse von Jägerschaft, Forst, Waldbesitzern und Fachöffentlichkeit an einem faktenbasierten und zukunftsfähigen Umgang mit den Rotwildbeständen.

Bereits in seiner Begrüßung machte der Vorsitzende Wolfgang Schmieder deutlich, dass die Rotwildhegegemeinschaft vor großen Herausforderungen steht. Sein Appell zu mehr Zusammenarbeit, Transparenz und gemeinsamer Verantwortung setzte den inhaltlichen Rahmen für einen Abend, der von hoher Fachlichkeit, Offenheit und konstruktivem Dialog geprägt war. Auch das Grußwort von Bürgermeister Norbert Crump unterstrich die Bedeutung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Wildbestand, Waldentwicklung und den berechtigten Interessen aller Beteiligten.
Ein besonderer Höhepunkt des Abends war der Vortrag von Alexander Mohr von CopterPro zur Rotwildbestandserfassung mittels Drohnentechnologie. Seine Ausführungen zeigten eindrucksvoll, welche Möglichkeiten moderne technische Verfahren heute bieten, um Wildbestände wesentlich exakter und objektiver zu erfassen als mit herkömmlichen Methoden allein. Der Einsatz von Wärmebilddrohnen mit bis zu 10 Piloten stellte sich als äußerst präzises Instrument zur Bestandsermittlung dar.
Besonders bemerkenswert war die Erkenntnis, dass diese moderne Methodik eine bisher nicht erreichte Genauigkeit in der Erfassung ermöglicht. Dadurch konnte der Rotwildbestand erstmals belastbar quantifiziert werden. Die gewonnenen Daten lieferten ein klares und unmissverständliches Bild: Der aktuelle Rotwildbestand liegt deutlich über einem ökologisch tragbaren Maß. Die erhobenen Zahlen machten sichtbar, was vielerorts bereits vermutet wurde – der Bestand ist exorbitant zu hoch und übersteigt die Belastungsgrenzen des Lebensraumes in erheblichem Maße.
Diese exakte Bestandserhebung stellt einen enormen Fortschritt dar. Sie beendet Spekulationen und subjektive Einschätzungen und ersetzt sie durch belastbare Fakten. Gerade diese wissenschaftlich fundierte Datengrundlage wurde von den Teilnehmern als außerordentlich wertvoll bewertet, da sie die Voraussetzung für sachgerechte Entscheidungen schafft.
Im Anschluss stellte der Rotwildsachverständige Michael Lange die Ergebnisse der Bestandserfassung detailliert vor und leitete daraus klare Schlussfolgerungen für die Praxis ab. Mit großer fachlicher Kompetenz arbeitete er heraus, dass die aktuellen Bestandszahlen unmissverständlich zeigen, dass jagdlich gehandelt werden muss. Ein Festhalten an bisherigen Abschussstrategien wird langfristig weder dem Wald noch dem Wild gerecht. Vielmehr bedarf es einer konsequenten Anpassung der jagdlichen Maßnahmen, um mittelfristig wieder ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wildbestand und Lebensraum zu erreichen.
Besonders eindrucksvoll war, wie sachlich und faktenorientiert diese Erkenntnisse präsentiert wurden. Es ging nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Verantwortung und zukunftsorientiertes Handeln.
Einen wissenschaftlich hochinteressanten Beitrag lieferte Marc Velling von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildtiermanagement. Er erläuterte die komplexen Wechselwirkungen zwischen Wild und Vegetation und machte nachvollziehbar, welche Auswirkungen dauerhaft überhöhte Wildbestände auf natürliche Verjüngungsprozesse im Wald haben. Seine Ausführungen verdeutlichten, dass Verbissschäden und ausbleibende Naturverjüngung direkte Folgen eines nicht angepassten Wildbestandes sein können.

Anschließend beleuchtete Christof Riedesel, leitender Auditor in Nordrhein-Westfalen, die Anforderungen an Wildbestände aus Sicht der PEFC-Standards. Seine Ausführungen machten deutlich, dass nachhaltige Waldbewirtschaftung nur dann dauerhaft möglich ist, wenn Wilddichten im Einklang mit den ökologischen Anforderungen des Waldes stehen.
Ein weiterer praxisnaher Höhepunkt war der Vortrag „Waldbaulich jagen“, präsentiert von Wolfgang Schmieder, Dr. Andreas Heidbüchel und Hans-Joachim Baum. Mit großer Erfahrung und hohem Praxisbezug zeigten sie auf, wie modernes Jagdmanagement aktiv zur Stabilisierung und Entwicklung gesunder Waldökosysteme beitragen kann. Dabei wurde klar: Zukunftsfähige Jagd bedeutet heute weit mehr als reine Bestandsregulierung – sie ist ein zentrales Instrument aktiver Landschafts- und Waldentwicklung.
Die abschließende Podiumsdiskussion mit Christoph Böltz vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW sowie den Referenten entwickelte sich zu einem lebendigen, respektvollen und lösungsorientierten Austausch. Unter der professionellen Moderation von Walter Schmitz wurden unterschiedliche Sichtweisen zusammengeführt und konstruktive Perspektiven für die Zukunft entwickelt.
Das Fazit dieser Veranstaltung fällt außerordentlich positiv aus.
Die Rotwildhegegemeinschaft Nettersheim e.V. hat mit dieser Veranstaltung Maßstäbe gesetzt. Hervorragend organisierte Abläufe, exzellente Referenten und vor allem die wissenschaftlich fundierte Darstellung der Rotwildbestände machten den Abend zu einer äußerst wertvollen Fachveranstaltung.
Besonders hervorzuheben ist die enorme Bedeutung der modernen Bestandserfassung: Die nun vorliegenden exakten Zahlen schaffen Klarheit und bilden die unverzichtbare Grundlage für zukünftige Entscheidungen. Sie machen unmissverständlich deutlich, dass der Rotwildbestand derzeit deutlich zu hoch ist und jagdliche Anpassungen zwingend erforderlich sind.
Die Veranstaltung hat eindrucksvoll gezeigt, dass ein nachhaltiges Rotwildmanagement nur auf Basis valider Daten, fachlicher Expertise und gemeinsamer Verantwortung gelingen kann. Die durchweg positive Resonanz der Teilnehmer bestätigt, dass die Rotwildhegegemeinschaft Nettersheim mit diesem Format einen wichtigen und zukunftsweisenden Beitrag für Wald, Wild und Region geleistet hat.
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Autor: Andreas Zingsheim


