Ein forstlicher Fachartikel von Andreas Zingsheim, erstellt im Rahmen von Eifelforsten.de
Der Wald in Nordrhein-Westfalen steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Klimawandel, zunehmende Trockenperioden, Stürme, Schädlingsbefall und die damit verbundenen Waldschäden stellen Waldbesitzer, Forstleute und Jäger vor immer neue Herausforderungen. Gleichzeitig wächst die Bedeutung eines naturnahen und klimaangepassten Waldbaus. Damit dieser Waldumbau erfolgreich gelingen kann, braucht es nicht nur geeignete Baumarten, moderne waldbauliche Konzepte und angepasste Wildbestände, sondern vor allem Menschen, die über aktuelles Fachwissen verfügen und bereit sind, dieses Wissen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Fortbildungen und Schulungen im jagdlichen und waldbaulichen Kontext sind deshalb heute wichtiger denn je.

Gerade die Verbindung zwischen Jagd und Waldbau wird in diesem Zusammenhang immer bedeutender. Ein Wald kann sich nur dann nachhaltig und möglichst natürlich entwickeln, wenn die vorhandene Naturverjüngung ausreichend geschützt ist und sich unterschiedliche Baumarten etablieren können. Wo der Verbissdruck durch Schalenwild zu hoch ist, können bestimmte Baumarten in ihrer Entwicklung zurückgedrängt werden. Das betrifft insbesondere jene Baumarten, die für einen klimaresilienten Mischwald künftig von großer Bedeutung sein können. Jagdliche Entscheidungen haben damit unmittelbare Auswirkungen auf die waldbauliche Entwicklung eines Bestandes. Umgekehrt muss eine moderne Jagd die Lebensraumsituation, die Waldentwicklung und die waldbaulichen Ziele kennen und berücksichtigen.
Genau an dieser Schnittstelle setzen moderne Fortbildungen an. Der Jagdschein oder eine forstliche Ausbildung bilden zwar eine wichtige Grundlage, doch die Anforderungen in der Praxis verändern sich ständig. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, veränderte klimatische Bedingungen, technische Entwicklungen, rechtliche Vorgaben und praktische Erfahrungen führen dazu, dass einmal erworbenes Wissen regelmäßig überprüft und erweitert werden sollte. Weiterbildung ist deshalb kein Zeichen mangelnder Erfahrung, sondern Ausdruck professioneller Verantwortung.
Ein besonders gutes Beispiel dafür bietet der Ökologische Jagdverein Nordrhein-Westfalen (ÖJV NRW). Der Verein verbindet in seinem Veranstaltungsprogramm jagdpraktische Ausbildung mit Themen aus den Bereichen Ökologie, Wildbiologie und Artenvielfalt. Neben Fachvorträgen und Exkursionen werden zahlreiche praktische Schulungen angeboten. Dazu gehören beispielsweise Pirschworkshops, Schießtrainings, Seminare zum Klettersitz oder Kurse im Umgang mit der Motorsäge. Der ÖJV NRW selbst betont, dass neben einer tierschutzgerechten und professionalisierten Jagd insbesondere das regelmäßige Training von sicherem Umgang mit der Waffe und Treffsicherheit sowie die Vermittlung von Wissen zu Ökologie und Wildbiologie eine wichtige Rolle spielen.
Auch die aktuellen Termine für das Jahr 2026 zeigen, wie breit das Fortbildungsangebot aufgestellt ist. Am 6. September 2026 steht beispielsweise ein Pirschworkshop auf dem Programm, am 9. September ein Schießtraining am Schießsimulator in Schermbeck und am 17. September ein Drückjagd- und Flintentraining im Schießsimulator Gelsenkirchen. Im Oktober folgen unter anderem ein Klettersitz-Seminar am 10. Oktober sowie ein Motorsägenkurs am 23. Oktober 2026.
Gerade das regelmäßige Schießtraining verdient besondere Beachtung. Jagd ist mit einer hohen Verantwortung verbunden. Ein sicherer Umgang mit der Waffe und eine möglichst hohe Schießfertigkeit sind wesentliche Voraussetzungen für eine waidgerechte und tierschutzgerechte Jagdausübung. Im Schießsimulator können unterschiedliche Situationen trainiert und typische Schützenfehler erkannt werden. Der ÖJV NRW beschreibt seine Trainings ausdrücklich als Möglichkeit, die Schießtechnik zu verbessern und die Trefferquote zu erhöhen.
Fortbildung endet allerdings nicht bei der Jagd mit der Schusswaffe. Auch der sichere Umgang mit Werkzeugen und Maschinen gehört zur täglichen Praxis vieler Jäger und Waldbesitzer. Ein Motorsägenkurs kann beispielsweise dazu beitragen, Gefahren besser einzuschätzen, Schnitttechniken sicher anzuwenden und die Arbeit im Wald professioneller auszuführen. Gerade nach Sturmereignissen, Dürreperioden oder Kalamitäten entstehen Situationen, in denen Holz unter Spannung steht, Bäume instabil werden oder besondere Gefahren durch Totholz entstehen. Eine gute Schulung vermittelt nicht nur technische Fertigkeiten, sondern schärft auch das Bewusstsein für die Risiken bei der Waldarbeit. Der ÖJV NRW bietet hierzu unter anderem Motorsägenkurse an, in denen Theorie und Praxis miteinander verbunden werden.
Genauso wichtig wie die jagdliche Weiterbildung ist die kontinuierliche Fortbildung im Waldbau. Hier bietet die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Nordrhein-Westfalen (ANW NRW) eine wichtige Plattform für Waldbesitzer, Forstleute und Waldinteressierte. Die ANW NRW setzt auf Exkursionen, Fachtagungen, Workshops, Praktikerseminare und Schulungsprogramme zu aktuellen forstlichen Fragestellungen. Ziel ist dabei nicht nur die theoretische Wissensvermittlung, sondern vor allem die kritische Auseinandersetzung mit den konkreten Fragen der forstlichen Praxis.
Besonders wertvoll sind die Veranstaltungen der ANW NRW deshalb, weil sie Wissen unmittelbar im Wald vermitteln. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können Bestände betrachten, waldbauliche Entscheidungen diskutieren und unterschiedliche Lösungsansätze miteinander vergleichen. Der Wald wird dadurch selbst zum Lehrbuch. Baumartenwahl, Naturverjüngung, Pflege, Bestandesentwicklung, Wildverbiss und die Auswirkungen des Klimawandels lassen sich vor Ort wesentlich besser beurteilen als ausschließlich anhand theoretischer Darstellungen.
Das zeigt auch das aktuelle Veranstaltungsprogramm der ANW NRW. Am 10. September 2026 beschäftigt sich eine gemeinsame Veranstaltung mit der Zitterpappel und der Bedeutung von Pionierbaumarten für eine sukzessionsgestützte Wiederbewaldung. Nur wenige Tage später, am 15. September 2026, stellt die Veranstaltung „Ein Privatwald stellt sich vor“ den Forstbetrieb Ernich in den Mittelpunkt. Dort geht es unter anderem um Baumartenvielfalt, die Pflege des Nachwuchses und die Regulierung des Wildbestandes. Der Betrieb zeigt damit sehr anschaulich, wie sich langjährige waldbauliche Entscheidungen auf die Entwicklung eines Waldes auswirken können.
Solche Veranstaltungen machen einen entscheidenden Unterschied: Theorie wird mit praktischer Erfahrung verbunden. Gerade beim Waldumbau gibt es selten eine einzige Lösung, die auf jedem Standort funktioniert. Boden, Niederschlag, Höhenlage, Exposition, vorhandene Baumarten, Wildbestand und bisherige Bewirtschaftung beeinflussen die Entwicklung eines Waldes. Wer unterschiedliche Waldbestände kennenlernt, entwickelt mit der Zeit einen besseren Blick für diese Zusammenhänge und kann eigene Entscheidungen fundierter treffen.
Die ANW NRW versteht sich dabei ausdrücklich als Plattform für den fachlichen Austausch. Ihre Veranstaltungen sollen Erfahrungen weitergeben und aktuelle waldbauliche Fragen diskutieren. Das ist angesichts des Klimawandels von besonderer Bedeutung. So beschäftigte sich eine ANW-Veranstaltung im Juli 2026 beispielsweise mit der Frage, ob Gastbaumarten zusätzliche Optionen für die Waldentwicklung im Klimawandel bieten können. Dabei wurden wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Erfahrungen verbunden.
Der Wert solcher Fortbildungen liegt deshalb nicht ausschließlich in der Wissensvermittlung. Mindestens genauso wichtig ist der Austausch zwischen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen. Ein Waldbesitzer betrachtet seinen Bestand möglicherweise aus einer anderen Perspektive als ein Förster. Ein Jäger wiederum erkennt bestimmte Entwicklungen im Revier, die bei einer rein waldbaulichen Betrachtung möglicherweise weniger offensichtlich sind. Werden diese unterschiedlichen Sichtweisen zusammengeführt, entsteht ein umfassenderes Bild des Ökosystems Wald.
Gerade in der Eifel ist dieser ganzheitliche Blick von großer Bedeutung. Die Region ist von umfangreichen Waldflächen geprägt und hat in den vergangenen Jahren die Auswirkungen von Sturm, Dürre und Borkenkäferbefall besonders deutlich erlebt. Gleichzeitig besteht die Herausforderung darin, geschädigte Flächen so zu entwickeln, dass daraus stabile und vielfältige Wälder der Zukunft entstehen. Dabei spielen Naturverjüngung, Baumartenwahl, Pflege und Wildmanagement eine zentrale Rolle.
Auch der ÖJV NRW hat sich in aktuellen Veröffentlichungen mit dem Zusammenhang zwischen Wildbeständen und Waldentwicklung beschäftigt. Eine im April 2026 veröffentlichte Meldung zur Drohnenzählung in der Eifel verweist auf die Bedeutung belastbarer Daten für ein wirksames Wildmanagement und stellt den Zusammenhang zwischen Wildbestand, Verbiss und der Entwicklung klimaresilienter Mischwälder heraus.
Damit wird deutlich, warum Fortbildungen nicht isoliert nach den Bereichen „Jagd“ und „Forst“ betrachtet werden sollten. Die Zukunft des Waldes ist eine gemeinsame Aufgabe. Ein Jäger, der die Grundlagen des Waldbaus versteht, kann seine jagdlichen Entscheidungen besser in den Gesamtzusammenhang einordnen. Ein Waldbesitzer, der sich mit Wildbiologie und Jagdpraxis beschäftigt, kann die Auswirkungen unterschiedlicher Wildbestände besser beurteilen. Und ein Forstmann, der regelmäßig mit Jägern und Waldbesitzern im Austausch steht, kann unterschiedliche Interessen und praktische Erfahrungen besser berücksichtigen.
Fortbildung bedeutet dabei auch, sich mit den eigenen bisherigen Vorstellungen kritisch auseinanderzusetzen. Was gestern als sinnvoll galt, muss unter veränderten klimatischen Bedingungen nicht automatisch auch morgen die beste Lösung sein. Der Wald ist ein dynamisches Ökosystem. Wer ihn bewirtschaftet, muss beobachten, reagieren und gegebenenfalls auch bisherige Entscheidungen korrigieren. Genau deshalb sind Exkursionen, Fachvorträge, Praxisseminare und Workshops so wertvoll.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vernetzung. Wer regelmäßig an Fortbildungen teilnimmt, lernt nicht nur neue Methoden kennen, sondern knüpft Kontakte zu anderen Jägern, Forstleuten, Waldbesitzern und Fachleuten. Dieser Erfahrungsaustausch kann langfristig mindestens ebenso wertvoll sein wie die eigentliche Veranstaltung. Die ANW NRW beschreibt regionale und internationale Fachexkursionen, Fachtagungen, Workshops und Praktikerseminare ausdrücklich als Teil ihres Angebots.
Auch der ÖJV NRW verfolgt einen vergleichbaren Ansatz. Wissen soll nicht nur von Experten vermittelt werden, sondern innerhalb der Gemeinschaft weitergegeben werden. Die Kombination aus Fachwissen, praktischer Erfahrung und persönlichem Austausch schafft dadurch eine Grundlage für eine Jagd, die sich an den Anforderungen des modernen Waldökosystems orientiert.
Fortbildungen und Schulungen sind deshalb weit mehr als freiwillige Zusatzangebote. Sie sind ein wichtiger Bestandteil professioneller Jagd und nachhaltiger Forstwirtschaft. Wer Verantwortung für Wald und Wild übernimmt, sollte bereit sein, regelmäßig dazuzulernen. Das gilt für den erfahrenen Jäger ebenso wie für den privaten Waldbesitzer, den Berufsjäger oder den Forstmann.
Die aktuellen Veranstaltungen des ÖJV NRW und der ANW NRW zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten dafür sind. Vom Schießtraining über die Pirsch und jagdliche Spezialseminare bis hin zu waldbaulichen Exkursionen und Diskussionen über die zukünftige Entwicklung unserer Wälder reicht das Spektrum. Die jeweiligen aktuellen Termine und Anmeldemöglichkeiten finden sich direkt auf den Veranstaltungsseiten des ÖJV NRW und der ANW NRW.
Letztlich geht es bei jeder Fortbildung um dieselbe zentrale Frage: Wie können wir unsere Entscheidungen so treffen, dass Wald und Wild auch langfristig miteinander funktionieren? Die Antwort darauf liegt nicht in einem einzelnen Konzept und auch nicht in einer einzelnen Maßnahme. Sie entsteht aus Beobachtung, Erfahrung, wissenschaftlichen Erkenntnissen, praktischer Ausbildung und dem Austausch mit anderen.
Gerade angesichts des Klimawandels wird dieses kontinuierliche Lernen immer wichtiger. Der Wald der Zukunft wird andere Anforderungen stellen als der Wald vergangener Jahrzehnte. Wer ihn erfolgreich entwickeln möchte, muss deshalb nicht nur Bäume pflanzen oder Wildbestände regulieren, sondern Zusammenhänge verstehen und bereit sein, sich fachlich weiterzuentwickeln.
Fortbildung ist damit eine Investition in Wissen, Sicherheit und Verantwortung – und letztlich eine Investition in den Wald der Zukunft.
Dieser forstliche Fachartikel stammt von Andreas Zingsheim und wurde im Rahmen von Eifelforsten.de erstellt.







