Der Einsatz brauchbarer Jagdhunde ist ein elementarer Bestandteil einer waidgerechten Jagdausübung und im Bundesjagdgesetz sowie in den Jagdgesetzen der Länder fest verankert. Insbesondere bei Bewegungsjagden auf Schalenwild und bei der Nachsuche auf krankgeschossenes Wild übernimmt der Jagdhund Aufgaben, die weder durch moderne Optik noch durch technische Hilfsmittel ersetzt werden können. Seine außergewöhnliche olfaktorische Leistungsfähigkeit, gepaart mit ausgeprägtem Spur- und Fährtenwillen, hoher Arbeitspassion und einer konsequenten Ausbildung, macht ihn zum wichtigsten Jagdgehilfen des Hundeführers.

Mit zunehmenden Schwarzwildbeständen, den Herausforderungen der Afrikanischen Schweinepest, den Anforderungen eines modernen Wildtiermanagements sowie der Notwendigkeit einer effektiven Waldverjüngung haben Bewegungsjagden in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die eingesetzten Jagdhunde und ihre Führer. Gefordert werden leistungsstarke, nervenfeste und gehorsame Hunde, die Wild zielgerichtet aus den Einständen bringen, dabei jedoch keinen übermäßigen Jagddruck erzeugen. Ziel einer professionell organisierten Drückjagd ist es nicht, Wild über weite Distanzen zu hetzen, sondern es in ruhiger Flucht vor die Schützen zu bringen, um tierschutzgerechte und sichere Schüsse zu ermöglichen.
Von herausragender Bedeutung ist darüber hinaus die Nachsuche auf Schalenwild. Jeder nicht augenblicklich tödliche Schuss verpflichtet den Erleger zu einer sorgfältigen Nachsuche. Diese zählt zu den anspruchsvollsten Disziplinen des Jagdgebrauchshundewesens und stellt höchste Anforderungen an Hund und Führer. Bereits am Anschuss entscheidet die sorgfältige Interpretation der Pirschzeichen über das weitere Vorgehen. Schweiß, Schnitthaar, Knochensplitter, Lungenschweiß, Panseninhalt oder Schalenabdrücke liefern wichtige Hinweise auf Trefferlage, Fluchtrichtung und das zu erwartende Verhalten des beschossenen Stückes. Dennoch ersetzt keine Anschussbewertung die Arbeit eines leistungsfähigen Nachsuchengespanns.
Während der Ausarbeitung der Wundfährte nutzt der Hund nicht ausschließlich den Schweißgeruch. Vielmehr arbeitet er ein komplexes Gemisch verschiedenster Witterungskomponenten aus. Dazu zählen die Individualwitterung des Stückes, Bodenverwundungen, Verletzungen der Vegetation, Drüsensekrete aus den Zwischenklauen, Schalenabrieb sowie feinste Aerosole, die entlang der Fluchtfährte zurückbleiben. Selbst bei geringstem Schweißverlust oder sogenannten “trockenen Fährten” ist ein entsprechend veranlagter und sorgfältig eingearbeiteter Hund in der Lage, diese Geruchskomponenten sicher zu differenzieren und über große Distanzen auszuarbeiten.

Erschwert wird die Nachsuche durch Verleitfährten, Fährtenschneidungen, wechselnde Witterungsverhältnisse, Niederschläge oder starke Sonneneinstrahlung. Auch krankes Wild zeigt häufig ein atypisches Fluchtverhalten, sucht Dickungen, Einstände oder Gewässer auf und legt Haken oder Wundbetten an. Gerade in solchen Situationen zeigt sich die Qualität eines eingearbeiteten Nachsuchengespanns. Der erfahrene Hundeführer erkennt anhand feinster Veränderungen im Verhalten seines Hundes, ob dieser sicher auf der Wundfährte arbeitet, eine Verleitung annimmt oder unmittelbar vor dem Wundbett steht.
Ebenso anspruchsvoll gestaltet sich der Einsatz von Jagdhunden während der Drückjagd. Hier kommen überwiegend spurlaute oder sichtlaute Stöberhunde zum Einsatz, deren Aufgabe darin besteht, Dickungen, Naturverjüngungen, Brombeerverhaue oder Kalamitätsflächen systematisch nach Wild abzusuchen und dieses kontrolliert in Bewegung zu bringen. Besonders spurlaute Hunde liefern den Schützen wertvolle Informationen über die Bewegungsrichtung des Wildes und erhöhen damit sowohl die Sicherheit als auch die Effektivität der Jagd. Gleichzeitig ermöglichen sie den Hundeführern eine permanente Kontrolle über das Arbeitsverhalten ihrer Hunde.
Die Leistungsfähigkeit eines Jagdhundes basiert jedoch nicht allein auf seinen genetischen Anlagen. Erst eine konsequente Ausbildung, regelmäßige Übung auf künstlichen und natürlichen Wundfährten sowie der praktische Jagdeinsatz formen einen zuverlässigen Jagdgebrauchshund. Prüfungen nach den Prüfungsordnungen der Jagdgebrauchshundverbände bilden hierfür die Grundlage und gewährleisten, dass ausschließlich leistungsfähige und wesensfeste Hunde im Jagdbetrieb eingesetzt werden.
Vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an den Natur- und Tierschutz kommt der Arbeit brauchbarer Jagdhunde heute eine größere Bedeutung zu denn je. Sie gewährleisten eine tierschutzgerechte Nachsuche, minimieren unnötiges Wildleid und tragen maßgeblich zu einer effizienten und sicheren Durchführung von Bewegungsjagden bei. Damit sind sie nicht nur unverzichtbare Jagdhelfer, sondern wesentliche Garanten einer modernen, verantwortungsvollen und waidgerechten Jagdausübung.
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Autor: Andreas Zingsheim – Gründer von Eifelforsten, Fachautor für Jagd, Forstwirtschaft und Wildtiermanagement.