Kategorie: Jagd & Wild

Wärmebildtechnik bei der Jagd: Wenn das Wild plötzlich leuchtet – Fortschritt oder jagdlicher Turbo?

Es ist dunkel. Richtig dunkel. Im Wald sind nur die Umrisse der Bäume zu erken­nen, irgend­wo raschelt es im Laub und aus der Ferne ist vielle­icht noch ein Stück Rehwild zu hören. Für den men­schlichen Blick endet die Welt dort, wo das Licht aufhört. Für eine mod­erne Wärme­bild­kam­era begin­nt an dieser Stelle gewis­ser­maßen erst die inter­es­sante Arbeit. Ein Knopf­druck, ein Blick durchs Gerät – und plöt­zlich zeich­net sich vor dem dun­klen Hin­ter­grund eine warme Sil­hou­ette ab. Das Wild, das eben noch nahezu unsicht­bar war, wird auf dem Bild­schirm sicht­bar.

Copy­right © 2026 Andreas Zing­sheim

Die Entwick­lung der ver­gan­genen Jahre hat die Jagd damit ohne Zweifel verän­dert. Wärme­bildtech­nik ist längst kein exo­tis­ches Spielzeug mehr, das nur auf den Tis­chen von Tech­nikbegeis­terten liegt. Sie ist in vie­len Revieren angekom­men und wird ins­beson­dere bei der Schwarzwild­be­ja­gung einge­set­zt. Die Geräte sind leis­tungs­fähiger, klein­er und benutzer­fre­undlich­er gewor­den. Gle­ichzeit­ig sind die Preise für gute Wärme­bildtech­nik deut­lich gesunken. Was vor eini­gen Jahren noch nach High­tech aus dem mil­itärischen Bere­ich aus­sah, gehört heute für viele Jäger beina­he zur nor­malen Aus­rüs­tung.

Doch genau an diesem Punkt lohnt es sich, ein­mal einen Schritt zurück­zutreten. Denn die entschei­dende Frage lautet nicht, ob Wärme­bildtech­nik funk­tion­iert. Das tut sie. Die inter­es­san­tere Frage ist: Was macht diese Tech­nik mit der Jagd – und mit dem­jeni­gen, der hin­ter dem Gerät sitzt?

Für diesen Beitrag wurde bei der Recherche und Auf­bere­itung des The­mas übri­gens auch kün­stliche Intel­li­genz, kurz KI, einge­set­zt. Sie hat dabei geholfen, Infor­ma­tio­nen zu struk­turi­eren, tech­nis­che Aspek­te einzuord­nen und unter­schiedliche Per­spek­tiv­en auf das The­ma zusam­men­zuführen. Die fach­liche Betra­ch­tung, die jagdliche Einord­nung und die Ver­ant­wor­tung für den Inhalt dieses Beitrags liegen bei Andreas Zing­sheim und Eifelforsten.

Tech­nisch betra­chtet ist das Prinzip der Wärme­bild­kam­era schnell erk­lärt. Das Gerät macht nicht ein­fach die Dunkel­heit hell, son­dern nimmt Wärmes­trahlung wahr. Alles, was eine bes­timmte Tem­per­atur besitzt, gibt Wärmes­trahlung ab. Der Sen­sor der Kam­era erfasst diese Unter­schiede und set­zt sie in ein sicht­bares Bild um. Ein Stück Schwarzwild kann sich dadurch deut­lich von einem küh­leren Wald­bo­den oder ein­er Wiese abheben.

Für den Jäger ist das zunächst ein­mal eine enorme Hil­fe. Ger­ade bei der Schwarzwild­jagd kön­nen Sit­u­a­tio­nen entste­hen, in denen das Wild zwar vorhan­den ist, mit bloßem Auge aber kaum sich­er ange­sprochen wer­den kann. Zwis­chen Ästen, auf dun­klen Wiesen oder an einem Wal­drand reichen manch­mal schon wenige Meter Ent­fer­nung, um aus einem Tier nur noch eine schw­er erkennbare Bewe­gung wer­den zu lassen. Eine Wärme­bild­kam­era kann hier Infor­ma­tio­nen liefern, die dem men­schlichen Auge schlicht fehlen.

Und genau darin liegt eine der großen Stärken der Tech­nik: Sie kann das Ansprechen erle­ichtern.

Das ist nicht nur eine Frage des Kom­forts. Wer Wild sicher­er ansprechen kann, kann unter Umstän­den auch Fehlentschei­dun­gen ver­mei­den. Ger­ade nachts kann es einen erhe­blichen Unter­schied machen, ob man lediglich erken­nt, dass sich dort etwas bewegt, oder ob man tat­säch­lich Kör­per­form und Bewe­gungsmuster beurteilen kann.

Allerd­ings sollte man sich von dem gestochen schar­fen Bild auf dem Dis­play nicht täuschen lassen. Ein Wärme­bild sieht manch­mal ein­deutiger aus, als es die tat­säch­liche Sit­u­a­tion ist. Die Kam­era zeigt eine Wärmes­ig­natur – nicht die gesamte Real­ität. Ob ein Stück hin­ter einem Ast ste­ht, wie genau es zum Schützen ste­ht oder ob sich hin­ter dem Wild ein sicher­er Kugelfang befind­et, lässt sich nicht ein­fach aus einem schö­nen Bild­schirm­bild able­sen.

Das ist vielle­icht der wichtig­ste Punkt im Umgang mit Wärme­bildtech­nik: Sie erweit­ert die Wahrnehmung, aber sie erset­zt nicht das Denken.

Eine mod­erne Kam­era kann einen Jäger nicht von der Ver­ant­wor­tung ent­binden, die Sit­u­a­tion voll­ständig zu beurteilen. Sie kann nicht entschei­den, ob ein Schuss waidgerecht ist. Und sie kann schon gar nicht die Erfahrung erset­zen, die notwendig ist, um Wild richtig anzus­prechen und sein Ver­hal­ten zu beurteilen.

Ger­ade beim Schwarzwild wird das deut­lich. Eine Wärme­bild­kam­era kann mehrere Tiere auf ein­er Fläche sicht­bar machen. Sie kann Bewe­gung darstellen und Unter­schiede zwis­chen einzel­nen Tieren erkennbar machen. Aber die Frage, welch­es Stück tat­säch­lich bejagt wer­den soll, bleibt eine jagdliche Entschei­dung. Wer glaubt, mit dem Kauf ein­er hochw­er­ti­gen Wärme­bild­kam­era automa­tisch bess­er jagen zu kön­nen, macht es sich zu ein­fach.

Das teuer­ste Gerät erset­zt schließlich keine Revierken­nt­nis.

Wer regelmäßig im Revi­er unter­wegs ist, weiß, wie wichtig Kleinigkeit­en sein kön­nen. Wo ver­läuft der Wech­sel? Wie ste­ht der Wind? Wo zieht das Wild bei welch­er Wet­ter­lage? Welche Fläche wird bevorzugt angenom­men? Wie verän­dert sich das Ver­hal­ten bei Voll­mond, Regen oder nach ein­er Störung? Solche Erfahrun­gen entste­hen nicht durch einen Sen­sor, son­dern durch Zeit im Revi­er.

Auch die Tech­nik selb­st hat ihre Gren­zen. Das wird gerne vergessen, wenn Her­steller mit beein­druck­enden Reich­weit­en wer­ben. Eine Kam­era kann ein warmes Objekt auf große Ent­fer­nung erken­nen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man dieses Objekt auf dieselbe Ent­fer­nung sich­er als bes­timmte Wildart oder gar als bes­timmtes Stück ansprechen kann.

Erken­nen und Ansprechen sind zwei ver­schiedene Dinge.

Hinzu kom­men Wit­terung und Umge­bung. Nebel, Regen und hohe Luft­feuchtigkeit kön­nen das Wärme­bild bee­in­flussen. Auch die Tem­per­atur des Bodens und der Veg­e­ta­tion spielt eine Rolle. Nach einem war­men Som­mertag kön­nen sich die ther­mis­chen Ver­hält­nisse völ­lig anders darstellen als in ein­er kalten Win­ter­nacht. Wer seine Kam­era regelmäßig nutzt, sollte deshalb nicht nur ihre tech­nis­chen Dat­en ken­nen, son­dern auch ver­ste­hen, wie sich die Umwelt auf das Bild auswirkt.

Inter­es­sant wird die Sache dort, wo Tech­nik und Jagde­thik aufeinan­dertr­e­f­fen.

Früher gab es Nächte, in denen man schlicht nicht jagen kon­nte. Zu dunkel, zu schlechte Sicht, zu unsich­er. Heute kann dieselbe Nacht mit entsprechen­der Tech­nik plöt­zlich dur­chaus jagdlich nutzbar erscheinen. Das ist zunächst ein Fortschritt. Schließlich kann bessere Sicht auch mehr Sicher­heit bedeuten. Aber genau hier liegt eine kleine Falle.

Nur weil etwas tech­nisch möglich ist, muss es noch lange nicht sin­nvoll sein.

Diese Unter­schei­dung wird in der Diskus­sion um Wärme­bildtech­nik mein­er Mei­n­ung nach manch­mal zu wenig beachtet. Die Tech­nik ver­leit­et dazu, die eige­nen Möglichkeit­en ständig weit­er auszureizen. Man kann noch weit­er sehen, noch länger beobacht­en und unter Bedin­gun­gen jagen, bei denen man früher vielle­icht ein­fach im Auto geblieben wäre.

Die Frage sollte deshalb nicht laut­en: „Was kann mein Gerät?“, son­dern: „Was ist in dieser Sit­u­a­tion ver­ant­wort­bar?“

Das klingt banal, ist aber aus­ge­sprochen wichtig.

Waidgerechtigkeit begin­nt nicht erst in dem Moment, in dem der Fin­ger am Abzug liegt. Sie begin­nt bere­its bei der Entschei­dung, ob man über­haupt schießt. Eine Wärme­bild­kam­era kann die Wahrschein­lichkeit ein­er Fehlentschei­dung reduzieren, wenn sie richtig einge­set­zt wird. Sie kann aber eben­so dazu ver­leit­en, eine Sit­u­a­tion als sich­er einzuschätzen, nur weil das Bild auf dem Dis­play klar aussieht.

Auch deshalb gehört zur mod­er­nen Jagdtech­nik eine mod­erne Aus­bil­dung. Wer mit Wärme­bild- oder Nacht­sicht­tech­nik jagt, sollte nicht nur wis­sen, welche Taste welche Funk­tion aktiviert. Er sollte die Möglichkeit­en und Gren­zen des Sys­tems ken­nen und sich mit den Beson­der­heit­en der nächtlichen Jagd auseinan­der­set­zen.

Das gilt umso mehr, weil die rechtlichen Rah­menbe­din­gun­gen nicht ein­fach mit der tech­nis­chen Entwick­lung Schritt hal­ten. Was tech­nisch möglich ist, ist nicht automa­tisch auch über­all und für jeden Zweck erlaubt. Ger­ade in Nor­drhein-West­falen ist deshalb genau hinzuschauen, welche Regelun­gen für die jew­eilige Tech­nik, Wildart und Jagdsi­t­u­a­tion gel­ten. Zuständi­ge Behör­den und aktuelle jag­drechtliche Vor­gaben soll­ten vor der Nutzung berück­sichtigt wer­den. Wer mod­erne Tech­nik ein­set­zt, trägt schließlich nicht nur Ver­ant­wor­tung für einen sicheren Schuss, son­dern auch dafür, sich über die rechtlichen Voraus­set­zun­gen zu informieren.

Und dann ist da noch die Frage, ob Wärme­bildtech­nik eigentlich nur der Jagd dient.

Ganz ein­deutig: nein.

Ein gutes Beispiel ist die Rehk­itzret­tung. Wärme­bild­drohnen sind inzwis­chen ein wichtiges Hil­f­s­mit­tel, wenn Wiesen vor der Mahd abge­sucht wer­den. Ger­ade in den frühen Mor­gen­stun­den kön­nen sich die kleinen Kör­p­er der Kitze deut­lich von der Umge­bung abheben. Was vom Boden aus kaum zu erken­nen ist, wird aus der Luft mit ein­er Wärme­bild­kam­era plöt­zlich sicht­bar.

Hier zeigt sich sehr schön, dass dieselbe Tech­nik völ­lig unter­schiedliche Auswirkun­gen haben kann. Auf der einen Seite ermöglicht sie eine effek­ti­vere nächtliche Beobach­tung von Wild. Auf der anderen Seite hil­ft sie dabei, Tiere vor dem Mäh­tod zu bewahren.

Tech­nik ist also nicht automa­tisch gut oder schlecht. Entschei­dend ist, was wir daraus machen.

Für die Jagd in der Norde­ifel ist diese Frage beson­ders inter­es­sant. Die Region ist kein ster­il­er Schieß­s­tand, son­dern eine Land­schaft mit sehr unter­schiedlichen Leben­sräu­men, Wald­flächen, land­wirtschaftlich genutzten Bere­ichen und ein­er Vielzahl von Her­aus­forderun­gen. Der Wald befind­et sich im Wan­del. Kli­maverän­derun­gen, Trock­en­heit, Schä­den durch Sturm und Borkenkäfer und der notwendi­ge Umbau hin zu sta­bil­eren Mis­chwäldern stellen Forst und Jagd vor gemein­same Auf­gaben.

Wer in diesem Zusam­men­hang über Jagd spricht, muss deshalb größer denken als nur bis zum näch­sten Ansitz.

Die Frage lautet nicht auss­chließlich, wie viele Stück Wild erlegt wer­den kön­nen. Es geht vielmehr darum, welche Wildbestände mit den Zie­len des Waldes vere­in­bar sind, wie sich Wild bewegt, wo es Schä­den verur­sacht und wie eine nach­haltige Bewirtschaf­tung ausse­hen kann. Jagd ist Teil dieses Sys­tems – und mod­erne Tech­nik kann dabei ein Werkzeug sein.

Genau hier set­zt auch die Arbeit von Andreas Zing­sheim und Eifelforsten an. Die Plat­tform beschäftigt sich mit den The­men Forst, Walden­twick­lung, Jagd und Wild­man­age­ment in der Eifel und ver­sucht, diese Bere­iche nicht getren­nt voneinan­der zu betra­cht­en. Denn im Wald hängt vieles zusam­men. Was auf den ersten Blick nach ein­er reinen Jagdfrage aussieht, kann wenige Jahre später eine Frage des Wal­dum­baus sein. Und umgekehrt kön­nen Verän­derun­gen im Wald das Ver­hal­ten des Wildes deut­lich bee­in­flussen.

Wärme­bildtech­nik kann in diesem Zusam­men­hang inter­es­sante zusät­zliche Infor­ma­tio­nen liefern. Sie ermöglicht beispiel­sweise eine bessere Beobach­tung von Wild­be­we­gun­gen und kann dabei helfen, bes­timmte Sit­u­a­tio­nen im Revi­er bess­er einzuschätzen. Sie erset­zt aber keine Wildzäh­lung, keine forstliche Beurteilung und kein langfristiges Wildtier­man­age­ment.

Das ist vielle­icht die nüchtern­ste Betra­ch­tung der gesamten Diskus­sion.

Wärme­bildtech­nik ist ein Werkzeug.

Ein ziem­lich gutes sog­ar.

Aber eben nur ein Werkzeug.

Wer ein­mal mit ein­er guten Wärme­bild­kam­era unter­wegs war, wird die Fasz­i­na­tion der Tech­nik trotz­dem ver­ste­hen. Es ist beein­druck­end, wie sich eine Land­schaft verän­dert, wenn plöt­zlich Dinge sicht­bar wer­den, die das men­schliche Auge nicht wahrnehmen kann. Ein Fuchs zieht über die Wiese, ein Hase sitzt am Wal­drand, ein Stück Rehwild ste­ht im Bestand und irgend­wo weit­er ent­fer­nt bewegt sich Schwarzwild. Der Wald, der für das men­schliche Auge nahezu schwarz erscheint, ist auf dem Dis­play plöt­zlich voller Leben.

Ger­ade deshalb sollte man sich davor hüten, auss­chließlich auf den Bild­schirm zu schauen.

Jagd beste­ht aus weit mehr als dem Erken­nen von Wärme­quellen. Wer regelmäßig im Revi­er unter­wegs ist, ken­nt das beson­dere Gefühl, wenn man ein Geräusch hört, bevor man über­haupt weiß, woher es kommt. Man nimmt den Wind wahr, erken­nt Bewe­gun­gen im Augen­winkel und entwick­elt mit der Zeit ein Gespür für das Revi­er. Diese Fähigkeit­en sind nicht über­holt, nur weil die Tech­nik bess­er gewor­den ist.

Im Gegen­teil: Vielle­icht wer­den sie durch die Tech­nik sog­ar wichtiger.

Denn wer weiß, was er sieht, kann die Infor­ma­tio­nen ein­er Wärme­bild­kam­era sin­nvoll einord­nen. Wer nicht weiß, was er sieht, kann sich von einem hellen Fleck auf einem Dis­play genau­so täuschen lassen wie früher von einem Schat­ten im Mondlicht.

Die mod­erne Jagd braucht deshalb bei­des: Erfahrung und Tech­nik.

Sie braucht Jäger, die ihre Geräte bedi­enen kön­nen, aber genau­so wis­sen, wann sie bess­er auf einen Schuss verzicht­en. Sie braucht Men­schen, die tech­nis­che Möglichkeit­en nicht mit jagdlich­er Notwendigkeit ver­wech­seln. Und sie braucht eine Diskus­sion darüber, wo Fortschritt tat­säch­lich einen Gewinn bringt und wo vielle­icht die Ver­suchung entste­ht, ein­fach immer noch ein biss­chen mehr aus der Tech­nik her­auszu­holen.

Ger­ade die Wärme­bildtech­nik macht diese Diskus­sion sicht­bar wie kaum eine andere Entwick­lung der ver­gan­genen Jahre.

Sie kann das Ansprechen erle­ichtern. Sie kann bei der Beobach­tung helfen. Sie kann die Suche unter­stützen. Sie kann bei bes­timmten Anwen­dun­gen die Sicher­heit erhöhen und bei der Kitzret­tung sog­ar unmit­tel­bar Leben ret­ten. Gle­ichzeit­ig kann sie falsches Ver­trauen schaf­fen, wenn der Men­sch hin­ter dem Gerät seine eige­nen Gren­zen aus dem Blick ver­liert.

Am Ende entschei­det deshalb nicht die Auflö­sung des Sen­sors über die Qual­ität der Jagd. Es entschei­det der Men­sch.

Die beste Wärme­bild­kam­era macht aus einem uner­fahre­nen Jäger keinen erfahre­nen Jäger. Ein beson­ders leis­tungs­fähiges Gerät macht einen unsicheren Schuss nicht plöt­zlich zu einem sicheren Schuss. Und kein noch so mod­ernes Dis­play erset­zt die Ver­ant­wor­tung, die jed­er Jäger für sein Han­deln trägt.

Vielle­icht ist genau das der richtige Blick auf die tech­nis­che Entwick­lung: Wir soll­ten sie wed­er ver­teufeln noch blind feiern.

Wärme­bildtech­nik ist ein beein­druck­endes Werkzeug und kann die mod­erne Jagd sin­nvoll ergänzen. Sie sollte aber niemals zum jagdlichen Tur­bo wer­den, der jede Nacht automa­tisch zur Jagdnacht macht. Ger­ade in ein­er Kul­tur­land­schaft wie der Norde­ifel, in der Wal­dum­bau, Wild­man­age­ment, Land­wirtschaft und Naturschutz eng miteinan­der ver­bun­den sind, kommt es nicht darauf an, möglichst viel Tech­nik einzuset­zen. Es kommt darauf an, die richtige Tech­nik zum richti­gen Zeit­punkt sin­nvoll und ver­ant­wor­tungsvoll einzuset­zen.

Oder, um es etwas ein­fach­er zu sagen: Die Kam­era darf ruhig mehr sehen als der Jäger. Denken sollte aber weit­er­hin der Jäger.

Für Eifelforsten und Andreas Zing­sheim bleibt deshalb eine eher prag­ma­tis­che Sichtweise: Wärme­bildtech­nik gehört zweifel­los zur mod­er­nen Jagd und bietet viele Möglichkeit­en. Sie ist aber kein Freifahrtschein und schon gar kein Ersatz für Erfahrung, Aus­bil­dung und Waidgerechtigkeit. Wer sie beherrscht und ihre Gren­zen ken­nt, kann von ihr erhe­blich prof­i­tieren. Wer ihr blind ver­traut, macht aus einem guten Werkzeug schnell eine trügerische Sicher­heit.

Und vielle­icht liegt genau darin die eigentliche Kun­st mod­ern­er Jagd: nicht alles zu tun, was tech­nisch möglich ist, son­dern genau zu wis­sen, was man bess­er bleiben lässt.

Fortbildungen und Schulungen für Jagd und Waldbau – Wissen als Schlüssel für den Wald der Zukunft

Ein forstlich­er Fachar­tikel von Andreas Zing­sheim, erstellt im Rah­men von Eifelforsten.de

Der Wald in Nor­drhein-West­falen ste­ht vor tief­greifend­en Verän­derun­gen. Kli­mawan­del, zunehmende Trock­en­pe­ri­o­den, Stürme, Schädlings­be­fall und die damit ver­bun­de­nen Wald­schä­den stellen Waldbe­sitzer, Forstleute und Jäger vor immer neue Her­aus­forderun­gen. Gle­ichzeit­ig wächst die Bedeu­tung eines natur­na­hen und kli­maangepassten Wald­baus. Damit dieser Wal­dum­bau erfol­gre­ich gelin­gen kann, braucht es nicht nur geeignete Bau­marten, mod­erne wald­bauliche Konzepte und angepasste Wildbestände, son­dern vor allem Men­schen, die über aktuelles Fach­wis­sen ver­fü­gen und bere­it sind, dieses Wis­sen kon­tinuier­lich weit­erzuen­twick­eln. Fort­bil­dun­gen und Schu­lun­gen im jagdlichen und wald­baulichen Kon­text sind deshalb heute wichtiger denn je.

Fort­bil­dungsver­anstal­tung des ÖJV NRW / Regio-Gruppe Köln-Bonn-Eifel.

Ger­ade die Verbindung zwis­chen Jagd und Wald­bau wird in diesem Zusam­men­hang immer bedeu­ten­der. Ein Wald kann sich nur dann nach­haltig und möglichst natür­lich entwick­eln, wenn die vorhan­dene Naturver­jün­gung aus­re­ichend geschützt ist und sich unter­schiedliche Bau­marten etablieren kön­nen. Wo der Ver­biss­druck durch Schalen­wild zu hoch ist, kön­nen bes­timmte Bau­marten in ihrer Entwick­lung zurückge­drängt wer­den. Das bet­rifft ins­beson­dere jene Bau­marten, die für einen kli­mare­silien­ten Mis­chwald kün­ftig von großer Bedeu­tung sein kön­nen. Jagdliche Entschei­dun­gen haben damit unmit­tel­bare Auswirkun­gen auf die wald­bauliche Entwick­lung eines Bestandes. Umgekehrt muss eine mod­erne Jagd die Leben­sraum­si­t­u­a­tion, die Walden­twick­lung und die wald­baulichen Ziele ken­nen und berück­sichti­gen.

Genau an dieser Schnittstelle set­zen mod­erne Fort­bil­dun­gen an. Der Jagdschein oder eine forstliche Aus­bil­dung bilden zwar eine wichtige Grund­lage, doch die Anforderun­gen in der Prax­is verän­dern sich ständig. Neue wis­senschaftliche Erken­nt­nisse, verän­derte kli­ma­tis­che Bedin­gun­gen, tech­nis­che Entwick­lun­gen, rechtliche Vor­gaben und prak­tis­che Erfahrun­gen führen dazu, dass ein­mal erwor­benes Wis­sen regelmäßig über­prüft und erweit­ert wer­den sollte. Weit­er­bil­dung ist deshalb kein Zeichen man­gel­nder Erfahrung, son­dern Aus­druck pro­fes­sioneller Ver­ant­wor­tung.

Ein beson­ders gutes Beispiel dafür bietet der Ökol­o­gis­che Jagdvere­in Nor­drhein-West­falen (ÖJV NRW). Der Vere­in verbindet in seinem Ver­anstal­tung­spro­gramm jagdprak­tis­che Aus­bil­dung mit The­men aus den Bere­ichen Ökolo­gie, Wild­bi­olo­gie und Arten­vielfalt. Neben Fachvorträ­gen und Exkur­sio­nen wer­den zahlre­iche prak­tis­che Schu­lun­gen ange­boten. Dazu gehören beispiel­sweise Pirschwork­shops, Schieß­train­ings, Sem­i­nare zum Klet­ter­sitz oder Kurse im Umgang mit der Motorsäge. Der ÖJV NRW selb­st betont, dass neben ein­er tier­schutzgerecht­en und pro­fes­sion­al­isierten Jagd ins­beson­dere das regelmäßige Train­ing von sicherem Umgang mit der Waffe und Tre­ff­sicher­heit sowie die Ver­mit­tlung von Wis­sen zu Ökolo­gie und Wild­bi­olo­gie eine wichtige Rolle spie­len.

Auch die aktuellen Ter­mine für das Jahr 2026 zeigen, wie bre­it das Fort­bil­dungsange­bot aufgestellt ist. Am 6. Sep­tem­ber 2026 ste­ht beispiel­sweise ein Pirschwork­shop auf dem Pro­gramm, am 9. Sep­tem­ber ein Schieß­train­ing am Schießsim­u­la­tor in Schermbeck und am 17. Sep­tem­ber ein Drück­jagd- und Flinten­train­ing im Schießsim­u­la­tor Gelsenkirchen. Im Okto­ber fol­gen unter anderem ein Klet­ter­sitz-Sem­i­nar am 10. Okto­ber sowie ein Motorsä­genkurs am 23. Okto­ber 2026.

Ger­ade das regelmäßige Schieß­train­ing ver­di­ent beson­dere Beach­tung. Jagd ist mit ein­er hohen Ver­ant­wor­tung ver­bun­den. Ein sicher­er Umgang mit der Waffe und eine möglichst hohe Schießfer­tigkeit sind wesentliche Voraus­set­zun­gen für eine waidgerechte und tier­schutzgerechte Jag­dausübung. Im Schießsim­u­la­tor kön­nen unter­schiedliche Sit­u­a­tio­nen trainiert und typ­is­che Schützen­fehler erkan­nt wer­den. Der ÖJV NRW beschreibt seine Train­ings aus­drück­lich als Möglichkeit, die Schießtech­nik zu verbessern und die Tre­f­fer­quote zu erhöhen.

Fort­bil­dung endet allerd­ings nicht bei der Jagd mit der Schuss­waffe. Auch der sichere Umgang mit Werkzeu­gen und Maschi­nen gehört zur täglichen Prax­is viel­er Jäger und Waldbe­sitzer. Ein Motorsä­genkurs kann beispiel­sweise dazu beitra­gen, Gefahren bess­er einzuschätzen, Schnitt­tech­niken sich­er anzuwen­den und die Arbeit im Wald pro­fes­sioneller auszuführen. Ger­ade nach Sturmereignis­sen, Dür­repe­ri­o­den oder Kalamitäten entste­hen Sit­u­a­tio­nen, in denen Holz unter Span­nung ste­ht, Bäume insta­bil wer­den oder beson­dere Gefahren durch Totholz entste­hen. Eine gute Schu­lung ver­mit­telt nicht nur tech­nis­che Fer­tigkeit­en, son­dern schärft auch das Bewusst­sein für die Risiken bei der Wal­dar­beit. Der ÖJV NRW bietet hierzu unter anderem Motorsä­genkurse an, in denen The­o­rie und Prax­is miteinan­der ver­bun­den wer­den.

Genau­so wichtig wie die jagdliche Weit­er­bil­dung ist die kon­tinuier­liche Fort­bil­dung im Wald­bau. Hier bietet die Arbeits­ge­mein­schaft Naturgemäße Wald­wirtschaft Nor­drhein-West­falen (ANW NRW) eine wichtige Plat­tform für Waldbe­sitzer, Forstleute und Wald­in­ter­essierte. Die ANW NRW set­zt auf Exkur­sio­nen, Fach­ta­gun­gen, Work­shops, Prak­tik­ersem­inare und Schu­lung­spro­gramme zu aktuellen forstlichen Fragestel­lun­gen. Ziel ist dabei nicht nur die the­o­retis­che Wis­sensver­mit­tlung, son­dern vor allem die kri­tis­che Auseinan­der­set­zung mit den konkreten Fra­gen der forstlichen Prax­is.

Beson­ders wertvoll sind die Ver­anstal­tun­gen der ANW NRW deshalb, weil sie Wis­sen unmit­tel­bar im Wald ver­mit­teln. Die Teil­nehmerin­nen und Teil­nehmer kön­nen Bestände betra­cht­en, wald­bauliche Entschei­dun­gen disku­tieren und unter­schiedliche Lösungsan­sätze miteinan­der ver­gle­ichen. Der Wald wird dadurch selb­st zum Lehrbuch. Bau­marten­wahl, Naturver­jün­gung, Pflege, Bestandesen­twick­lung, Wild­ver­biss und die Auswirkun­gen des Kli­mawan­dels lassen sich vor Ort wesentlich bess­er beurteilen als auss­chließlich anhand the­o­retis­ch­er Darstel­lun­gen.

Das zeigt auch das aktuelle Ver­anstal­tung­spro­gramm der ANW NRW. Am 10. Sep­tem­ber 2026 beschäftigt sich eine gemein­same Ver­anstal­tung mit der Zit­ter­pap­pel und der Bedeu­tung von Pio­nier­bau­marten für eine sukzes­sion­s­gestützte Wieder­be­wal­dung. Nur wenige Tage später, am 15. Sep­tem­ber 2026, stellt die Ver­anstal­tung „Ein Pri­vat­wald stellt sich vor“ den Forst­be­trieb Ernich in den Mit­telpunkt. Dort geht es unter anderem um Bau­marten­vielfalt, die Pflege des Nach­wuch­ses und die Reg­ulierung des Wildbe­standes. Der Betrieb zeigt damit sehr anschaulich, wie sich langjährige wald­bauliche Entschei­dun­gen auf die Entwick­lung eines Waldes auswirken kön­nen.

Solche Ver­anstal­tun­gen machen einen entschei­den­den Unter­schied: The­o­rie wird mit prak­tis­ch­er Erfahrung ver­bun­den. Ger­ade beim Wal­dum­bau gibt es sel­ten eine einzige Lösung, die auf jedem Stan­dort funk­tion­iert. Boden, Nieder­schlag, Höhen­lage, Expo­si­tion, vorhan­dene Bau­marten, Wildbe­stand und bish­erige Bewirtschaf­tung bee­in­flussen die Entwick­lung eines Waldes. Wer unter­schiedliche Waldbestände ken­nen­lernt, entwick­elt mit der Zeit einen besseren Blick für diese Zusam­men­hänge und kann eigene Entschei­dun­gen fundiert­er tre­f­fen.

Die ANW NRW ver­ste­ht sich dabei aus­drück­lich als Plat­tform für den fach­lichen Aus­tausch. Ihre Ver­anstal­tun­gen sollen Erfahrun­gen weit­ergeben und aktuelle wald­bauliche Fra­gen disku­tieren. Das ist angesichts des Kli­mawan­dels von beson­der­er Bedeu­tung. So beschäftigte sich eine ANW-Ver­anstal­tung im Juli 2026 beispiel­sweise mit der Frage, ob Gast­bau­marten zusät­zliche Optio­nen für die Walden­twick­lung im Kli­mawan­del bieten kön­nen. Dabei wur­den wis­senschaftliche Erken­nt­nisse mit prak­tis­chen Erfahrun­gen ver­bun­den.

Der Wert solch­er Fort­bil­dun­gen liegt deshalb nicht auss­chließlich in der Wis­sensver­mit­tlung. Min­destens genau­so wichtig ist der Aus­tausch zwis­chen Men­schen mit unter­schiedlichen Erfahrun­gen. Ein Waldbe­sitzer betra­chtet seinen Bestand möglicher­weise aus ein­er anderen Per­spek­tive als ein Förster. Ein Jäger wiederum erken­nt bes­timmte Entwick­lun­gen im Revi­er, die bei ein­er rein wald­baulichen Betra­ch­tung möglicher­weise weniger offen­sichtlich sind. Wer­den diese unter­schiedlichen Sichtweisen zusam­menge­führt, entste­ht ein umfassenderes Bild des Ökosys­tems Wald.

Ger­ade in der Eifel ist dieser ganzheitliche Blick von großer Bedeu­tung. Die Region ist von umfan­gre­ichen Wald­flächen geprägt und hat in den ver­gan­genen Jahren die Auswirkun­gen von Sturm, Dürre und Borkenkäfer­be­fall beson­ders deut­lich erlebt. Gle­ichzeit­ig beste­ht die Her­aus­forderung darin, geschädigte Flächen so zu entwick­eln, dass daraus sta­bile und vielfältige Wälder der Zukun­ft entste­hen. Dabei spie­len Naturver­jün­gung, Bau­marten­wahl, Pflege und Wild­man­age­ment eine zen­trale Rolle.

Auch der ÖJV NRW hat sich in aktuellen Veröf­fentlichun­gen mit dem Zusam­men­hang zwis­chen Wildbestän­den und Walden­twick­lung beschäftigt. Eine im April 2026 veröf­fentlichte Mel­dung zur Drohnen­zäh­lung in der Eifel ver­weist auf die Bedeu­tung belast­bar­er Dat­en für ein wirk­sames Wild­man­age­ment und stellt den Zusam­men­hang zwis­chen Wildbe­stand, Ver­biss und der Entwick­lung kli­mare­silien­ter Mis­chwälder her­aus.

Damit wird deut­lich, warum Fort­bil­dun­gen nicht isoliert nach den Bere­ichen „Jagd“ und „Forst“ betra­chtet wer­den soll­ten. Die Zukun­ft des Waldes ist eine gemein­same Auf­gabe. Ein Jäger, der die Grund­la­gen des Wald­baus ver­ste­ht, kann seine jagdlichen Entschei­dun­gen bess­er in den Gesamtzusam­men­hang einord­nen. Ein Waldbe­sitzer, der sich mit Wild­bi­olo­gie und Jagdprax­is beschäftigt, kann die Auswirkun­gen unter­schiedlich­er Wildbestände bess­er beurteilen. Und ein Forstmann, der regelmäßig mit Jägern und Waldbe­sitzern im Aus­tausch ste­ht, kann unter­schiedliche Inter­essen und prak­tis­che Erfahrun­gen bess­er berück­sichti­gen.

Fort­bil­dung bedeutet dabei auch, sich mit den eige­nen bish­eri­gen Vorstel­lun­gen kri­tisch auseinan­derzuset­zen. Was gestern als sin­nvoll galt, muss unter verän­derten kli­ma­tis­chen Bedin­gun­gen nicht automa­tisch auch mor­gen die beste Lösung sein. Der Wald ist ein dynamis­ches Ökosys­tem. Wer ihn bewirtschaftet, muss beobacht­en, reagieren und gegebe­nen­falls auch bish­erige Entschei­dun­gen kor­rigieren. Genau deshalb sind Exkur­sio­nen, Fachvorträge, Praxis­sem­inare und Work­shops so wertvoll.

Ein weit­er­er wichtiger Aspekt ist die Ver­net­zung. Wer regelmäßig an Fort­bil­dun­gen teil­nimmt, lernt nicht nur neue Meth­o­d­en ken­nen, son­dern knüpft Kon­tak­te zu anderen Jägern, Forstleuten, Waldbe­sitzern und Fach­leuten. Dieser Erfahrungsaus­tausch kann langfristig min­destens eben­so wertvoll sein wie die eigentliche Ver­anstal­tung. Die ANW NRW beschreibt regionale und inter­na­tionale Fachexkur­sio­nen, Fach­ta­gun­gen, Work­shops und Prak­tik­ersem­inare aus­drück­lich als Teil ihres Ange­bots.

Auch der ÖJV NRW ver­fol­gt einen ver­gle­ich­baren Ansatz. Wis­sen soll nicht nur von Experten ver­mit­telt wer­den, son­dern inner­halb der Gemein­schaft weit­ergegeben wer­den. Die Kom­bi­na­tion aus Fach­wis­sen, prak­tis­ch­er Erfahrung und per­sön­lichem Aus­tausch schafft dadurch eine Grund­lage für eine Jagd, die sich an den Anforderun­gen des mod­er­nen Waldökosys­tems ori­en­tiert.

Fort­bil­dun­gen und Schu­lun­gen sind deshalb weit mehr als frei­willige Zusatzange­bote. Sie sind ein wichtiger Bestandteil pro­fes­sioneller Jagd und nach­haltiger Forstwirtschaft. Wer Ver­ant­wor­tung für Wald und Wild übern­immt, sollte bere­it sein, regelmäßig dazuzuler­nen. Das gilt für den erfahre­nen Jäger eben­so wie für den pri­vat­en Waldbe­sitzer, den Beruf­sjäger oder den Forstmann.

Die aktuellen Ver­anstal­tun­gen des ÖJV NRW und der ANW NRW zeigen, wie vielfältig die Möglichkeit­en dafür sind. Vom Schieß­train­ing über die Pirsch und jagdliche Spezialsem­inare bis hin zu wald­baulichen Exkur­sio­nen und Diskus­sio­nen über die zukün­ftige Entwick­lung unser­er Wälder reicht das Spek­trum. Die jew­eili­gen aktuellen Ter­mine und Anmeldemöglichkeit­en find­en sich direkt auf den Ver­anstal­tungs­seit­en des ÖJV NRW und der ANW NRW.

Let­ztlich geht es bei jed­er Fort­bil­dung um dieselbe zen­trale Frage: Wie kön­nen wir unsere Entschei­dun­gen so tre­f­fen, dass Wald und Wild auch langfristig miteinan­der funk­tion­ieren? Die Antwort darauf liegt nicht in einem einzel­nen Konzept und auch nicht in ein­er einzel­nen Maß­nahme. Sie entste­ht aus Beobach­tung, Erfahrung, wis­senschaftlichen Erken­nt­nis­sen, prak­tis­ch­er Aus­bil­dung und dem Aus­tausch mit anderen.

Ger­ade angesichts des Kli­mawan­dels wird dieses kon­tinuier­liche Ler­nen immer wichtiger. Der Wald der Zukun­ft wird andere Anforderun­gen stellen als der Wald ver­gan­gener Jahrzehnte. Wer ihn erfol­gre­ich entwick­eln möchte, muss deshalb nicht nur Bäume pflanzen oder Wildbestände reg­ulieren, son­dern Zusam­men­hänge ver­ste­hen und bere­it sein, sich fach­lich weit­erzuen­twick­eln.

Fort­bil­dung ist damit eine Investi­tion in Wis­sen, Sicher­heit und Ver­ant­wor­tung – und let­ztlich eine Investi­tion in den Wald der Zukun­ft.

Dieser forstliche Fachar­tikel stammt von Andreas Zing­sheim und wurde im Rah­men von Eifelforsten.de erstellt.

Unsichtbare Killer im Revier: Woran junges Schwarzwild wirklich stirbt

Schwarzwild gilt als aus­ge­sprochen anpas­sungs­fähig, repro­duk­tion­sstark und wider­stands­fähig. Den­noch ist die Sterblichkeit ger­ade bei Frischlin­gen und jun­gen Wild­schweinen deut­lich höher als bei aus­gewach­se­nen Stück­en. Für Jäger stellt sich deshalb regelmäßig die Frage: Woran stirbt Schwarzwild in den ersten Leben­s­jahren eigentlich am häu­fig­sten? Sind es Trock­en­heit und Nahrungs­man­gel, Viruserkrankun­gen wie die Afrikanis­che Schweinepest, Par­a­siten, Verkehrsun­fälle oder doch natür­liche Fak­toren wie Kälte und Prä­da­tion?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die Mor­tal­ität des Schwarzwildes ist stark von Alter, Leben­sraum, Wit­terung, Nahrungsange­bot, Pop­u­la­tions­dichte und regionalem Krankheits­geschehen abhängig. Unter­suchun­gen aus Mit­teleu­ropa zeigen allerd­ings, dass Krankheit­en unter nor­malen Bedin­gun­gen häu­fig eine gerin­gere Bedeu­tung für die Gesamt­mor­tal­ität haben als Ernährung, Jagd und andere äußere Fak­toren. Gle­ichzeit­ig kön­nen einzelne Seuchen­züge die Sit­u­a­tion inner­halb kurz­er Zeit grundle­gend verän­dern.

Frischlinge sind besonders gefährdet

Die ersten Lebens­monate sind für jedes Wild­schwein eine kri­tis­che Phase. Frischlinge ver­fü­gen zunächst nur über begren­zte Energiere­ser­ven und sind auf die Milchver­sorgung der Bache sowie später auf ein aus­re­ichen­des Nahrungsange­bot angewiesen. Hinzu kom­men die Her­aus­forderun­gen des Wet­ters und die hohe Anfäl­ligkeit junger Tiere gegenüber Infek­tio­nen und Par­a­siten.

Mit zunehmen­dem Alter verbessert sich die kör­per­liche Wider­stands­fähigkeit. Ein gut entwick­el­ter Über­läufer kann Nahrungsknap­pheit, Hitze oder Krankheit häu­fig bess­er kom­pen­sieren als ein wenige Wochen alter Frischling. Deshalb ist es sin­nvoll, bei der Frage nach der Mor­tal­ität immer zwis­chen Frischlin­gen, Über­läufern und adul­tem Schwarzwild zu unter­schei­den.

Ger­ade bei sehr jun­gen Tieren dürfte außer­dem ein erhe­blich­er Teil der natür­lichen Ver­luste im Revi­er kaum wahrgenom­men wer­den. Ein veren­de­ter Frischling wird nicht zwangsläu­fig gefun­den. Kadav­er ver­schwinden durch Aas­fress­er, Ver­wit­terung oder Zer­set­zung oft­mals inner­halb kurz­er Zeit. Die Zahl der tat­säch­lich veren­de­ten Stücke dürfte deshalb deut­lich höher sein als die Zahl der von Jägern aufge­fun­de­nen Fall­wild­stücke.

Trockenheit: selten die alleinige Todesursache

Die zunehmende Zahl trock­en­er und heißer Som­mer wirft die Frage auf, welche Auswirkun­gen der Kli­mawan­del auf das Schwarzwild hat. Trock­en­heit kann dur­chaus zur Mor­tal­ität beitra­gen – ins­beson­dere bei Jungtieren –, sie ist aber meist kein isoliert­er Todesmech­a­nis­mus.

Für Schwarzwild sind Wass­er und Nahrung eng miteinan­der ver­bun­den. Aus­bleibende Nieder­schläge kön­nen die Boden­feuchtigkeit reduzieren und damit die Ver­füg­barkeit von Regen­würmern, Lar­ven und anderen Boden­tieren bee­in­flussen. Auch pflan­zliche Nahrung kann unter anhal­tender Trock­en­heit zurück­ge­hen. Gle­ichzeit­ig steigen bei hohen Tem­per­a­turen die Anforderun­gen an die Ther­moreg­u­la­tion.

Beson­ders prob­lema­tisch wird eine Kom­bi­na­tion ver­schieden­er Stress­fak­toren: wenig Wass­er, schlechtere Nahrung, hohe Tem­per­a­turen und eine hohe Wild­dichte kön­nen sich gegen­seit­ig ver­stärken. Aktuelle Berichte aus trock­e­nen Regio­nen Deutsch­lands weisen darauf hin, dass ins­beson­dere Jungtiere unter Nahrungs­man­gel, Hitzestress und aus­trock­nen­den Wasser­stellen lei­den kön­nen. Gle­ichzeit­ig wird betont, dass Todes­fälle nicht allein der Trock­en­heit zugeschrieben wer­den soll­ten.

Anders gesagt: Trock­en­heit ist häu­fig eher ein Ver­stärk­er als die eigentliche Todesur­sache. Ein kräftiger Über­läufer kann einen trock­e­nen Som­mer unter Umstän­den prob­lem­los über­ste­hen. Ein schwach­er Frischling, der bere­its unter Par­a­siten­be­fall oder ein­er Infek­tion lei­det, kann durch zusät­zliche Hitze und Nahrungsen­g­pässe dage­gen erhe­blich geschwächt wer­den.

Nahrungsmangel und Kondition als Schlüsselfaktoren

Für die Über­leben­schan­cen von Schwarzwild spielt die kör­per­liche Kon­di­tion eine zen­trale Rolle. Beson­ders in Phasen mit geringem Energieange­bot kön­nen junge Stücke an ihre phys­i­ol­o­gis­chen Gren­zen ger­at­en.

Dabei ist zwis­chen kurzfristigem und länger­fristigem Nahrungs­man­gel zu unter­schei­den. Ein einzel­ner schlechter Tag bedeutet für ein Wild­schwein nor­maler­weise keine unmit­tel­bare Lebens­ge­fahr. Prob­lema­tisch wird eine neg­a­tive Energiebi­lanz über län­gere Zeit. Die Tiere ver­lieren Kör­per­re­ser­ven, wach­sen langsamer und kön­nen Krankheit­ser­regern weniger ent­ge­genset­zen.

Die hohe Repro­duk­tion­sleis­tung des Schwarzwildes ist in diesem Zusam­men­hang bemerkenswert. Stu­di­en aus Mit­teleu­ropa zeigen, dass die Pop­u­la­tion unter gün­sti­gen Bedin­gun­gen eine hohe Pro­duk­tiv­ität aufweisen kann und natür­liche Mor­tal­ität, Prä­da­tion und Straßen­verkehr im Ver­gle­ich zu Jagd und Ernährungs­be­din­gun­gen region­al eine gerin­gere Bedeu­tung besitzen kön­nen.

Für die jagdliche Prax­is bedeutet das: Ein Revi­er mit sehr guter Nahrungsver­sorgung kann eine hohe Zahl an Frischlin­gen pro­duzieren und gle­ichzeit­ig rel­a­tiv geringe natür­liche Ver­luste aufweisen. In einem nährstof­far­men Leben­sraum oder nach ein­er außergewöhn­lichen Wit­terungspe­ri­ode kann sich das Ver­hält­nis dage­gen deut­lich verän­dern.

Viruserkrankungen: Besonders die ASP ist eine Ausnahme

Bei der Frage nach Viruserkrankun­gen muss die Afrikanis­che Schweinepest (ASP) beson­ders her­vorge­hoben wer­den. Sie unter­schei­det sich hin­sichtlich ihrer Wirkung deut­lich von vie­len anderen Erkrankun­gen des Schwarzwildes.

Die ASP ist eine anzeigepflichtige Tierseuche und bet­rifft sowohl Haus- als auch Wild­schweine. Beim europäis­chen Schwarzwild kön­nen schwere All­ge­mein­symp­tome wie Fieber, Schwäche, Fres­sun­lust, Bewe­gungsstörun­gen und Atem­prob­leme auftreten. Die Erkrankung bet­rifft Tiere aller Alter­sklassen und kann in nahezu allen Fällen tödlich ver­laufen.

Damit ist die ASP grund­sät­zlich in der Lage, die natür­liche Sterblichkeit ein­er Schwarzwild­pop­u­la­tion mas­siv zu bee­in­flussen. Während einzelne Erkrankun­gen oder Par­a­siten­be­fälle häu­fig nur bei geschwächt­en Tieren zum Tod führen, kann ein hoch­patho­genes Virus wie das ASP-Virus auch anson­sten robuste Tiere töten.

Für Jäger ist deshalb Fall­wild von beson­der­er Bedeu­tung. Das Friedrich-Loef­fler-Insti­tut weist aus­drück­lich darauf hin, dass ver­mehrt aufge­fun­denes Fall­wild bei Schwarzwild der zuständi­gen Behörde gemeldet und entsprechend unter­sucht wer­den sollte.

Deutsch­land verze­ich­nete den ersten bestätigten ASP-Fall bei einem Wild­schwein am 10. Sep­tem­ber 2020 in Bran­den­burg. Seit­dem hat sich das Geschehen weit­er­en­twick­elt und wird vom Friedrich-Loef­fler-Insti­tut regelmäßig überwacht.

Für die Beurteilung eines einzel­nen veren­de­ten Stück­es gilt jedoch: Nicht jedes Fall­wild ist ASP. Ein tot­er Frischling kann eben­so an Unter­ernährung, Par­a­siten, bak­teriellen Infek­tio­nen, Ver­let­zun­gen oder anderen Ursachen veren­det sein. Die sichere Unter­schei­dung erfordert im Ver­dachts­fall eine diag­nos­tis­che Unter­suchung.

Klassische Schweinepest und andere Viren

Neben der ASP kön­nen weit­ere Viruserkrankun­gen bei Wild­schweinen eine Rolle spie­len. Beson­ders die Klas­sis­che Schweinepest ist aus vet­er­inärmedi­zinis­ch­er Sicht rel­e­vant. Unter­suchun­gen zeigen, dass junge Wild­schweine bei Aus­brüchen eine wichtige Rolle in der Dynamik dieser Infek­tion spie­len kön­nen.

Das Entschei­dende ist jedoch die regionale Sit­u­a­tion. Eine Viruserkrankung, die in einem bes­timmten Gebi­et kaum oder gar nicht vorkommt, kann dort auch keine nen­nenswerte Mor­tal­ität verur­sachen. Umgekehrt kann eine lokal auftre­tende Infek­tion erhe­bliche Auswirkun­gen haben.

Daher sollte die Frage „Ster­ben junge Wild­schweine häu­fig an Viren?“ nicht pauschal beant­wortet wer­den. Unter nor­malen Bedin­gun­gen sind Viruserkrankun­gen nicht zwangsläu­fig die wichtig­ste Ursache der natür­lichen Mor­tal­ität. Bei einem Seuchenaus­bruch kann sich das Bild jedoch inner­halb kürzester Zeit verän­dern.

Parasiten werden leicht unterschätzt

Eine weit­ere wichtige Gruppe sind Par­a­siten. Wild­schweine kön­nen von zahlre­ichen Endo- und Ektopar­a­siten befall­en sein. Beson­ders rel­e­vant sind Par­a­siten des Magen-Darm-Trak­tes und der Atemwege.

Nicht jed­er Par­a­siten­be­fall führt zur Erkrankung. Ein gesun­der, gut ernährter Über­läufer kann mit ein­er gewis­sen Par­a­siten­last dur­chaus zurechtkom­men. Bei jun­gen oder geschwächt­en Tieren kön­nen hohe Befallsstärken jedoch zum Prob­lem wer­den.

Unter­suchun­gen an europäis­chen Wild­schweinen zeigen beispiel­sweise das gle­ichzeit­ige Auftreten ver­schieden­er par­a­sitär­er Infek­tio­nen. Dabei kön­nen sich einzelne Infek­tio­nen gegen­seit­ig ver­stärken. In Unter­suchun­gen wurde unter anderem ein Zusam­men­hang zwis­chen bes­timmten Par­a­siten­be­fällen und höheren Belas­tun­gen mit weit­eren Par­a­siten beobachtet.

Damit entste­ht ein ähn­lich­er Effekt wie bei der Trock­en­heit: Nicht unbe­d­ingt ein einzel­ner Fak­tor entschei­det über Leben und Tod, son­dern die Summe der Belas­tun­gen.

Kälte, Nässe und die ersten Lebenswochen

Während in den ver­gan­genen Jahren häu­fig über Hitze und Trock­en­heit gesprochen wird, darf die Bedeu­tung ungün­stiger Bedin­gun­gen in der Set­zzeit nicht vergessen wer­den. Sehr junge Frischlinge sind gegenüber Kälte und Nässe wesentlich empfind­lich­er als erwach­sene Wild­schweine.

Entschei­dend ist dabei nicht allein die absolute Tem­per­atur. Auch die Kom­bi­na­tion aus Nässe, Wind, geringer Kör­per­masse und unzure­ichen­der Energiev­er­sorgung kann die Über­leben­schan­cen ver­schlechtern. Ein vitaler Frischling in ein­er geschützten Umge­bung hat deut­lich bessere Voraus­set­zun­gen als ein schwach­es Tier bei ungün­stiger Wit­terung.

Der­ar­tige Ver­luste sind im Revi­er allerd­ings nur sel­ten ein­deutig zuzuord­nen. Wird ein Frischling Wochen später gefun­den, lässt sich die ursprüngliche Todesur­sache häu­fig nicht mehr fest­stellen.

Verkehr, Verletzungen und menschliche Einflüsse

Neben natür­lichen Fak­toren darf die anthro­po­gene Mor­tal­ität nicht unter­schätzt wer­den. Straßen­verkehr stellt für Schwarzwild eine bedeu­tende Gefahren­quelle dar. Beson­ders junge Tiere kön­nen bei der Querung von Straßen gefährdet sein, wenn sie der Bache oder der Rotte fol­gen.

Hinzu kom­men Ver­let­zun­gen, die durch inner­artliche Auseinan­der­set­zun­gen, Zäune, land­wirtschaftliche Maschi­nen oder andere anthro­po­gene Ein­flüsse entste­hen kön­nen. Bei schw­eren Ver­let­zun­gen kann der Tod unmit­tel­bar ein­treten; kleinere Ver­let­zun­gen kön­nen dage­gen über Sekundärin­fek­tio­nen lebens­bedrohlich wer­den.

Für die Gesamt­pop­u­la­tion spielt außer­dem die Jagd eine zen­trale Rolle. Unter­suchun­gen aus Mit­teleu­ropa zeigen, dass der Abschuss bei den unter­sucht­en Pop­u­la­tio­nen einen erhe­blichen Anteil der fest­gestell­ten Mor­tal­ität aus­machte.

Das ist für die Inter­pre­ta­tion von Fall­wild­dat­en wichtig: Die Zahl der natür­lich veren­de­ten Tiere lässt sich nicht ein­fach aus der Zahl der ins­ge­samt ver­schwun­de­nen oder nicht mehr beobachteten Stücke ableit­en.

Was stirbt also am häufigsten?

Die Antwort lautet: Es gibt keine deutsch­landweit gültige Ran­gliste der natür­lichen Todesur­sachen beim jun­gen Schwarzwild. Zu unter­schiedlich sind Leben­sräume, Wit­terung, Pop­u­la­tions­dichte, Nahrungsange­bot und Krankheitssi­t­u­a­tion.

Für Frischlinge sind ins­beson­dere eine unzure­ichende kör­per­liche Entwick­lung, Nahrungs­man­gel, ungün­stige Wit­terung, Par­a­siten und Infek­tio­nen rel­e­vant. Bei älteren Jungtieren gewin­nen Krankheit­en, Ver­let­zun­gen, Verkehr und die all­ge­meine Kon­di­tion zunehmend an Bedeu­tung.

Trock­en­heit kann dabei ein wichtiger indi­rek­ter Fak­tor sein. Sie reduziert unter bes­timmten Bedin­gun­gen die Ver­füg­barkeit von Wass­er und Nahrung und erhöht den Hitzestress. Allein auf­grund eines trock­e­nen Som­mers sollte man jedoch nicht automa­tisch von ein­er erhöht­en Sterblichkeit aus­ge­hen.

Viruserkrankun­gen wie die ASP sind dage­gen anders zu bew­erten. Bei einem tat­säch­lichen Aus­bruch kann die Erkrankung eine sehr hohe Mor­tal­ität verur­sachen und damit wesentlich stärk­er in die Pop­u­la­tion ein­greifen als nor­male saisonale Wit­terungs­be­las­tun­gen.

Fazit für die jagdliche Praxis

Wer im Revi­er ver­ste­hen möchte, woran Schwarzwild stirbt, sollte nicht nur nach der einen Todesur­sache suchen. Mor­tal­ität ist beim Schwarzwild meist mul­ti­fak­to­riell. Ein schwach­er Frischling kann durch schlechte Ernährung geschwächt sein, zusät­zlich Par­a­siten tra­gen und schließlich ein­er Infek­tion erliegen. Trock­en­heit kann diesen Prozess beschle­u­ni­gen, ohne selb­st die unmit­tel­bare Todesur­sache zu sein.

Für Jäger ist deshalb die Beobach­tung des Wildbe­standes beson­ders wertvoll. Auf­fäl­lige Abmagerung, ungewöhn­lich­es Ver­hal­ten, ver­mehrtes Fall­wild oder mehrere veren­dete Stücke in kurz­er Zeit soll­ten ernst genom­men wer­den. Bei auf­fäl­ligem Schwarzwild und ins­beson­dere bei Fall­wild ist die zuständi­ge Vet­er­inär­be­hörde einzubeziehen, da die ASP-Früherken­nung eine wichtige Rolle bei der Seuchenüberwachung spielt.

Let­ztlich zeigt der Blick auf die frühen Leben­s­jahre des Schwarzwildes vor allem eines: Nicht Trock­en­heit oder Viruserkrankun­gen allein bes­tim­men die Über­leben­schan­cen, son­dern das Zusam­men­spiel von Ernährung, Wit­terung, Par­a­siten, Infek­tio­nen, kör­per­lich­er Kon­sti­tu­tion und men­schlichen Ein­flüssen. Ger­ade junge Wild­schweine reagieren auf solche Belas­tun­gen empfind­lich. Gle­ichzeit­ig besitzt die Art eine außergewöhn­lich hohe Repro­duk­tion­sleis­tung und kann natür­liche Ver­luste unter gün­sti­gen Bedin­gun­gen schnell kom­pen­sieren.

Für die jagdliche Prax­is ist deshalb weniger die Suche nach ein­er einzi­gen „Haupt­todesur­sache“ entschei­dend als die genaue Beobach­tung der regionalen Ver­hält­nisse. Wer Nahrungsange­bot, Wit­terung, Kon­di­tion, Frischlingszahlen, Fall­wild und Krankheits­geschehen über mehrere Jahre doku­men­tiert, erhält ein wesentlich real­is­tis­cheres Bild der Schwarzwild­pop­u­la­tion als durch die Betra­ch­tung einzel­ner veren­de­ter Stücke.

Dieser Fach­beitrag wurde von Andreas Zing­sheim für Eifelforsten.de erstellt und wid­met sich der Bedeu­tung der Wal­dameisen und ihrer Leben­sräume in der Norde­ifel. Weit­ere forstliche Fach­beiträge zur Waldökolo­gie, Forstwirtschaft und Nat­u­rausstat­tung der Eifel find­en sich auf Eifelforsten.de.

Wildmonitoring bei Luchsen und Wölfen – Warum moderne Wildtierüberwachung für den Naturschutz unverzichtbar ist

Die Rück­kehr von Luchs und Wolf nach Deutsch­land gehört zu den bedeu­tend­sten Entwick­lun­gen im europäis­chen Naturschutz der ver­gan­genen Jahrzehnte. Nach­dem bei­de Großraubtiere durch inten­sive Beja­gung, Leben­sraumver­lust und die Aus­bre­itung men­schlich­er Sied­lun­gen über viele Jahrzehnte aus weit­en Teilen Mit­teleu­ropas ver­schwun­den waren, kehren sie heute langsam in ihre ursprünglichen Leben­sräume zurück. Diese Entwick­lung ist ein großer Erfolg des inter­na­tionalen Arten­schutzes und zeigt, dass sich kon­se­quente Schutz­maß­nah­men langfristig auszahlen kön­nen. Gle­ichzeit­ig bringt die Rück­kehr dieser faszinieren­den Wildtiere neue Her­aus­forderun­gen für Forstwirtschaft, Land­wirtschaft, Behör­den und Naturschut­zor­gan­i­sa­tio­nen mit sich. Um ein kon­flik­tarmes Zusam­men­leben zwis­chen Men­sch und Wildti­er dauer­haft zu ermöglichen, gewin­nt das Wild­mon­i­tor­ing zunehmend an Bedeu­tung. Es liefert wis­senschaftlich fundierte Erken­nt­nisse über Pop­u­la­tio­nen, Wan­der­be­we­gun­gen und Leben­sräume und bildet damit die Grund­lage für ein mod­ernes Wildtier­man­age­ment.

Copy­right © 2026 Andreas Zing­sheim

Wild­mon­i­tor­ing umfasst die sys­tem­a­tis­che Beobach­tung, Erfas­sung und wis­senschaftliche Auswer­tung von Wildtierbestän­den. Ziel ist es, belast­bare Dat­en über Anzahl, Ver­bre­itung, Gesund­heit­szu­s­tand, Fortpflanzung und Ver­hal­ten ver­schieden­er Tier­arten zu gewin­nen. Ger­ade bei Luchsen und Wölfen ist dies von beson­der­er Bedeu­tung, da bei­de Arten äußerst scheu leben, über­wiegend nach­tak­tiv sind und sich in großen Revieren bewe­gen. Sicht­beobach­tun­gen reichen deshalb bei weit­em nicht aus, um ver­lässliche Aus­sagen über Pop­u­la­tio­nen tre­f­fen zu kön­nen. Erst mod­erne Mon­i­tor­ing­meth­o­d­en ermöglichen eine objek­tive Daten­grund­lage, auf deren Basis Schutz­maß­nah­men entwick­elt und poli­tis­che Entschei­dun­gen getrof­fen wer­den kön­nen.

Die Bedeu­tung eines pro­fes­sionellen Wild­mon­i­tor­ings zeigt sich ins­beson­dere bei der Bew­er­tung der Pop­u­la­tion­sen­twick­lung. Nur wenn bekan­nt ist, wie viele Tiere tat­säch­lich in ein­er Region leben, ob sie sich erfol­gre­ich fortpflanzen oder ob neue Indi­viduen zuwan­dern, lassen sich Entwick­lun­gen real­is­tisch ein­schätzen. Gle­ichzeit­ig kön­nen mögliche Gefährdun­gen frühzeit­ig erkan­nt wer­den. Sink­ende Bestand­szahlen weisen beispiel­sweise auf Prob­leme im Leben­sraum oder auf genetis­che Eng­pässe hin, während stark wach­sende Pop­u­la­tio­nen neue Anforderun­gen an das Wildtier­man­age­ment stellen kön­nen. Ohne ein kon­tinuier­lich­es Mon­i­tor­ing wür­den viele Entschei­dun­gen auf Ver­mu­tun­gen beruhen, anstatt auf wis­senschaftlich belegten Fak­ten.

Eine beson­ders wichtige Rolle spielt das Wild­mon­i­tor­ing beim genetis­chen Nach­weis einzel­ner Tiere. Kot, Haare, Spe­ichel­reste an Beutetieren oder Urin enthal­ten aus­re­ichend DNA, um indi­vidu­elle Tiere ein­deutig zu iden­ti­fizieren. Mith­il­fe mod­ern­er Labortech­nik lassen sich dadurch nicht nur einzelne Wölfe oder Luchse erken­nen, son­dern auch Ver­wandtschaftsver­hält­nisse nachvol­lziehen. Wis­senschaftler erhal­ten auf diese Weise wertvolle Infor­ma­tio­nen über Rudel­struk­turen, Fortpflanzung, Wan­der­be­we­gun­gen und die genetis­che Vielfalt ein­er Pop­u­la­tion. Ger­ade bei kleinen Bestän­den ist diese genetis­che Vielfalt entschei­dend, um Inzucht zu ver­mei­den und langfristig gesunde Pop­u­la­tio­nen zu erhal­ten.

Neben der DNA-Analyse zählen Foto­fall­en heute zu den wichtig­sten Werkzeu­gen des Wild­mon­i­tor­ings. Die wet­ter­festen Kam­eras wer­den an Wild­wech­seln, Wald­we­gen oder bekan­nten Wan­derko­r­ri­doren instal­liert und lösen automa­tisch aus, sobald sich ein Tier im Erfas­sungs­bere­ich bewegt. Beson­ders beim Luchs bietet diese Tech­nik enorme Vorteile, da jedes Tier auf­grund seines indi­vidu­ellen Fleck­en­musters ein­deutig iden­ti­fiziert wer­den kann. Auch Wölfe lassen sich häu­fig anhand äußer­er Merk­male, der Rudelzusam­menset­zung oder charak­ter­is­tis­ch­er Fel­lze­ich­nun­gen unter­schei­den. Gle­ichzeit­ig liefern Foto­fall­en wertvolle Infor­ma­tio­nen über Aktiv­ität­szeit­en, Sozialver­hal­ten, Nach­wuchs und die Nutzung ver­schieden­er Leben­sräume. Da die Tiere nicht gestört wer­den, entste­hen authen­tis­che Ein­blicke in ihr natür­lich­es Ver­hal­ten.

Einen weit­eren wichti­gen Baustein des mod­er­nen Wild­mon­i­tor­ings stellt die Teleme­trie dar. Dabei wer­den aus­gewählte Tiere im Rah­men wis­senschaftlich­er Pro­jek­te mit GPS-Hals­bän­dern aus­ges­tat­tet. Die Sender über­tra­gen in regelmäßi­gen Abstän­den Posi­tions­dat­en und ermöglichen dadurch detail­lierte Aus­sagen über Revier­größen, Wan­der­be­we­gun­gen, Jagdver­hal­ten und Ruhe­p­lätze. Beson­ders junge Wölfe leg­en bei der Suche nach einem eige­nen Ter­ri­to­ri­um oft mehrere hun­dert Kilo­me­ter zurück. Auch Luchse durch­streifen große Waldge­bi­ete und über­schre­it­en dabei regelmäßig Lan­des­gren­zen. Solche Erken­nt­nisse wären ohne satel­litengestützte Ortung kaum möglich und liefern wertvolle Grund­la­gen für den län­derüber­greifend­en Arten­schutz.

Mit der fortschre­i­t­en­den tech­nis­chen Entwick­lung gewin­nen auch Drohnen im Wild­mon­i­tor­ing zunehmend an Bedeu­tung. Aus­ges­tat­tet mit hochau­flösenden Wärme­bild­kam­eras kön­nen sie große Wald­flächen inner­halb kurz­er Zeit erfassen und selb­st in unüber­sichtlichem Gelände Tiere oder Kadav­er lokalisieren. Darüber hin­aus eignen sich Drohnen her­vor­ra­gend zur Kartierung von Leben­sräu­men, zur Erfas­sung schw­er zugänglich­er Bere­iche und zur Doku­men­ta­tion von Wildtierko­r­ri­doren. In Kom­bi­na­tion mit Foto­fall­en und genetis­chen Analy­sen entste­ht so ein beson­ders umfassendes Bild der Pop­u­la­tio­nen und ihrer Leben­sräume.

Auch kün­stliche Intel­li­genz verän­dert das Wild­mon­i­tor­ing grundle­gend. Mod­erne Bil­d­analy­se­pro­gramme kön­nen heute Mil­lio­nen von Auf­nah­men automa­tisch auswerten und Tiere zuver­läs­sig erken­nen. Statt jede einzelne Auf­nahme manuell zu kon­trol­lieren, iden­ti­fizieren intel­li­gente Algo­rith­men ver­schiedene Tier­arten inner­halb weniger Sekun­den und ord­nen sie den entsprechen­den Daten­sätzen zu. Teil­weise gelingt sog­ar die automa­tis­che Wieder­erken­nung einzel­ner Indi­viduen. Dadurch sinkt der per­son­elle Aufwand erhe­blich, während gle­ichzeit­ig die Qual­ität und Geschwindigkeit der Date­nauswer­tung steigen. Kün­stliche Intel­li­genz wird daher in den kom­menden Jahren eine immer größere Rolle im Wildtier­mon­i­tor­ing spie­len.

Ein pro­fes­sionelles Wild­mon­i­tor­ing leis­tet jedoch weit mehr als reine Bestand­ser­fas­sung. Es trägt entschei­dend dazu bei, Kon­flik­te zwis­chen Men­sch und Wildti­er zu entschär­fen. Ger­ade die Rück­kehr des Wolfs wird in Deutsch­land häu­fig kon­tro­vers disku­tiert. Nutztier­risse, Unsicher­heit­en in der Bevölkerung oder wider­sprüch­liche Medi­en­berichte führen nicht sel­ten zu emo­tionalen Debat­ten. Wis­senschaftlich erhobene Mon­i­tor­ing­dat­en schaf­fen hier Trans­parenz. Behör­den kön­nen nachvol­lziehbar bele­gen, wo tat­säch­lich Rudel leben, wie groß ihre Ter­ri­to­rien sind und welche Tiere für bes­timmte Ereignisse ver­ant­wortlich sein kön­nten. Dadurch wer­den Speku­la­tio­nen reduziert und Entschei­dun­gen nachvol­lziehbar­er. Auch beim Luchs hil­ft das Mon­i­tor­ing dabei, über­triebene Ein­schätzun­gen oder unbe­grün­dete Befürch­tun­gen durch belast­bare Fak­ten zu erset­zen.

Darüber hin­aus liefert Wild­mon­i­tor­ing wertvolle Erken­nt­nisse für die Forstwirtschaft. Große Beutegreifer bee­in­flussen das Ver­hal­ten ihrer Beutetiere erhe­blich. Rehe und Hirsche mei­den Bere­iche, in denen sie ver­stärkt mit Wölfen oder Luchsen rech­nen müssen. Dadurch verteilen sich die Tiere gle­ich­mäßiger im Wald und der Ver­biss an jun­gen Bäu­men kann in einzel­nen Regio­nen zurück­ge­hen. Für die natür­liche Wald­ver­jün­gung ist dies ein bedeu­ten­der Vorteil. Ger­ade im Zuge des Kli­mawan­dels gewin­nen sta­bile Mis­chwälder zunehmend an Bedeu­tung. Ein gesun­des Gle­ichgewicht zwis­chen Beutetieren und ihren natür­lichen Präda­toren trägt langfristig zur Sta­bil­ität ganz­er Waldökosys­teme bei.

Die Eifel besitzt auf­grund ihrer weitläu­fi­gen Wald­land­schaften, ihrer ver­gle­ich­sweise gerin­gen Besied­lungs­dichte und ihrer Lage zwis­chen Deutsch­land, Bel­gien und Lux­em­burg eine beson­dere Bedeu­tung für das Wild­mon­i­tor­ing großer Beutegreifer. Zahlre­iche Wildtierko­r­ri­dore ermöglichen Wan­der­be­we­gun­gen über Lan­des­gren­zen hin­weg und machen die Region zu einem wichti­gen Bindeglied zwis­chen ver­schiede­nen Pop­u­la­tio­nen. Um diese Bewe­gun­gen wis­senschaftlich zu doku­men­tieren, bedarf es mod­ern­er Tech­nik, langjähriger Erfahrung im Gelände und fundiert­er Ken­nt­nisse über das Ver­hal­ten heimis­ch­er Wildtiere. Unternehmen wie Eifelforsten leis­ten hier­bei einen wichti­gen Beitrag. Mit pro­fes­sionellen Mon­i­tor­inglö­sun­gen, mod­ern­er Kam­er­at­e­ch­nik, dig­i­taler Date­nauswer­tung und umfassen­dem Fach­wis­sen unter­stützen sie Pro­jek­te zur Beobach­tung und Doku­men­ta­tion von Wildtier­pop­u­la­tio­nen. Die Kom­bi­na­tion aus tech­nis­ch­er Inno­va­tion und prak­tis­ch­er Erfahrung ermöglicht eine zuver­läs­sige Daten­er­he­bung und trägt dazu bei, fundierte Entschei­dun­gen im Natur- und Arten­schutz zu tre­f­fen.

Da Luchse und Wölfe keine Lan­des­gren­zen ken­nen, ist auch die inter­na­tionale Zusam­me­nar­beit ein wesentlich­er Bestandteil des Wild­mon­i­tor­ings. Deutsch­land arbeit­et eng mit Nach­barstaat­en wie Bel­gien, Lux­em­burg, Frankre­ich, Polen, Öster­re­ich, Tschechien und der Schweiz zusam­men. Mon­i­tor­ing­dat­en wer­den gren­züber­schre­i­t­end aus­ge­tauscht, genetis­che Infor­ma­tio­nen gemein­sam aus­gew­ertet und Wan­der­be­we­gun­gen doku­men­tiert. Diese Zusam­me­nar­beit ist unverzicht­bar, um Pop­u­la­tio­nen langfristig zu schützen und europaweit ein­heitliche Schutzs­trate­gien zu entwick­eln.

Mit dem weit­eren Wach­s­tum der Pop­u­la­tio­nen steigen gle­ichzeit­ig die Anforderun­gen an das Wild­mon­i­tor­ing. Immer größere Daten­men­gen müssen ver­ar­beit­et, aus­gew­ertet und wis­senschaftlich inter­pretiert wer­den. Neue Tech­nolo­gien wie satel­litengestützte Fern­erkun­dung, cloud­basierte Daten­plat­tfor­men, automa­tisierte Bilderken­nung oder kün­stliche Intel­li­genz wer­den die Wildtier­forschung kün­ftig weit­er rev­o­lu­tion­ieren. Gle­ichzeit­ig gewin­nt auch die Beteili­gung der Bevölkerung zunehmend an Bedeu­tung. Naturbeobachter, Jäger oder Waldbe­such­er melden Sich­tun­gen oder Spuren, die anschließend von Fach­leuten über­prüft wer­den. Diese Form der Bürg­er­wis­senschaft ergänzt pro­fes­sionelle Mon­i­tor­ing­pro­gramme und trägt dazu bei, das Wis­sen über die Ver­bre­itung geschützter Arten kon­tinuier­lich zu erweit­ern.

Wild­mon­i­tor­ing ist damit weit mehr als das bloße Erfassen von Tierbestän­den. Es bildet die wis­senschaftliche Grund­lage für einen nach­halti­gen Naturschutz, ein ver­ant­wor­tungsvolles Wildtier­man­age­ment und den langfristi­gen Erhalt der biol­o­gis­chen Vielfalt. Die Kom­bi­na­tion aus Foto­fall­en, genetis­chen Analy­sen, GPS-Teleme­trie, Drohnen­tech­nik und kün­stlich­er Intel­li­genz ermöglicht heute Ein­blicke in das Leben von Luchsen und Wölfen, die noch vor weni­gen Jahren undenkbar gewe­sen wären. Die gewonnenen Dat­en helfen dabei, Kon­flik­te zu reduzieren, Schutz­maß­nah­men gezielt umzuset­zen und ökol­o­gis­che Zusam­men­hänge bess­er zu ver­ste­hen. Ger­ade Regio­nen wie die Eifel übernehmen dabei eine Schlüs­sel­rolle, da sie wichtige Leben­sräume und Wan­derko­r­ri­dore für diese beein­druck­enden Wildtiere darstellen. Unternehmen wie Eifelforsten zeigen, wie mod­erne Tech­nik und fundiertes Fach­wis­sen zusam­men­wirken kön­nen, um hochw­er­tige Mon­i­tor­ing­dat­en zu erheben und damit einen wichti­gen Beitrag zum Schutz unser­er heimis­chen Natur zu leis­ten. Angesichts des Kli­mawan­dels, sich verän­dern­der Leben­sräume und steigen­der Anforderun­gen an den Naturschutz wird pro­fes­sionelles Wild­mon­i­tor­ing in Zukun­ft weit­er an Bedeu­tung gewin­nen. Es schafft Trans­parenz, liefert wis­senschaftlich belast­bare Entschei­dungs­grund­la­gen und bildet die Basis dafür, dass Men­sch, Wald und Wildtiere langfristig in einem aus­ge­wo­ge­nen Gle­ichgewicht zusam­men­leben kön­nen.

Dieser Fach­beitrag wurde von Andreas Zing­sheim für Eifelforsten.de erstellt und wid­met sich der Bedeu­tung der Wal­dameisen und ihrer Leben­sräume in der Norde­ifel. Weit­ere forstliche Fach­beiträge zur Waldökolo­gie, Forstwirtschaft und Nat­u­rausstat­tung der Eifel find­en sich auf Eifelforsten.de.

Waschbär in der Eifel: Warum die invasive Art zu einer der größten Gefahren für den Artenschutz in Deutschland geworden ist

Der Waschbär in der Eifel ist längst mehr als nur eine inter­es­sante Wildtier­beobach­tung. Was viele Men­schen als niedlichen Wald­be­wohn­er wahrnehmen, entwick­elt sich zunehmend zu ein­er ern­sthaften Bedro­hung für den Arten­schutz in Deutsch­land. Als inva­sive Art bre­it­et sich der Waschbär seit Jahren ras­ant aus und stellt ins­beson­dere in ökol­o­gisch sen­si­blen Regio­nen wie der Eifel heimis­che Tier­arten vor enorme Her­aus­forderun­gen. Aus Sicht von Naturschutz, Jagd und Wis­senschaft beste­ht heute weit­ge­hend Einigkeit darüber, dass die Reg­u­la­tion des Waschbären ein wichtiger Bestandteil eines nach­halti­gen Arten- und Naturschutzes ist.

Der Waschbär (Pro­cy­on lotor) stammt ursprünglich aus Nor­dameri­ka und wurde im ver­gan­genen Jahrhun­dert in Deutsch­land aus­ge­set­zt beziehungsweise entkam aus Pelztier­hal­tun­gen. Heute gehört er zu den erfol­gre­ich­sten inva­siv­en Arten in Deutsch­land. Seine hohe Anpas­sungs­fähigkeit, seine Intel­li­genz und seine aus­geze­ich­neten Klet­ter­fähigkeit­en ermöglichen ihm eine nahezu unge­hin­derte Aus­bre­itung. Hinzu kommt eine hohe Fortpflanzungsrate sowie das weit­ge­hende Fehlen natür­lich­er Feinde. Diese Kom­bi­na­tion führt dazu, dass die Bestände vielerorts Jahr für Jahr weit­er anwach­sen.

Ger­ade die Eifel bietet dem Waschbären ide­ale Lebens­be­din­gun­gen. Aus­gedehnte Wälder, Bach­läufe, Seen, Feucht­ge­bi­ete und struk­tur­re­iche Kul­tur­land­schaften bieten reich­lich Nahrung und sichere Rück­zug­sorte. Gle­ichzeit­ig befind­en sich in der Region zahlre­iche Schutzge­bi­ete, darunter Natu­ra-2000-Flächen, Vogelschutzge­bi­ete und wertvolle Leben­sräume sel­tener Tier­arten. Genau hier entste­hen Kon­flik­te zwis­chen ein­er inva­siv­en Art und dem Schutz der heimis­chen Bio­di­ver­sität.

Das größte Prob­lem für den Waschbär-Arten­schutz liegt in seinem äußerst viel­seit­i­gen Nahrungsspek­trum. Waschbären sind oppor­tunis­tis­che Alles­fress­er und nutzen nahezu jede ver­füg­bare Nahrungsquelle. Sie plün­dern Nester boden­brü­ten­der Voge­larten, fressen Eier, Jungvögel, Amphi­bi­en, Rep­tilien, Klein­säuger, Insek­ten und sog­ar Fis­chlaich. Gle­ichzeit­ig erk­lim­men sie prob­lem­los Bäume und erre­ichen Baumhöhlen, Greifvo­gel­horste sowie Fle­d­er­mausquartiere. Dadurch ger­at­en nicht nur Boden­brüter, son­dern auch Höh­len­brüter und zahlre­iche geschützte Arten unter erhe­blichen Prä­da­tions­druck.

Beson­ders betrof­fen sind Tier­arten, deren Bestände ohne­hin seit Jahren rück­läu­fig sind. Boden­brü­tende Voge­larten, Amphi­bi­en und sel­tene Rep­tilien ver­lieren nicht nur Leben­sräume, son­dern sehen sich zusät­zlich einem neuen, äußerst effek­tiv­en Beutegreifer gegenüber. Ger­ade in der Eifel, wo der Schutz sel­tener Arten einen hohen Stel­len­wert besitzt, kann dies erhe­bliche Auswirkun­gen auf ganze Pop­u­la­tio­nen haben. Für viele Naturschutzpro­jek­te bedeutet der zunehmende Waschbärbe­stand einen zusät­zlichen Risiko­fak­tor, der den Erfolg aufwendi­ger Schutz­maß­nah­men gefährden kann.

Der Naturschutz in der Eifel ste­ht deshalb vor ein­er schwieri­gen Auf­gabe. Ein­er­seits sollen natür­liche Prozesse möglichst unbee­in­flusst ablaufen, ander­er­seits müssen inva­sive Arten gemäß europäis­chem und deutschem Naturschutzrecht aktiv gem­anagt wer­den. Der Waschbär zählt in der Europäis­chen Union offiziell zu den inva­siv­en gebi­ets­frem­den Arten. Ziel ist nicht die Aus­rot­tung der Art, son­dern die Begren­zung ihrer neg­a­tiv­en Auswirkun­gen auf heimis­che Ökosys­teme und gefährdete Arten.

Ein häu­figer Irrtum beste­ht darin, dass sich der Waschbärbe­stand von selb­st reg­ulieren werde. Tat­säch­lich fehlen dem Waschbären in Deutsch­land flächen­deck­end natür­liche Feinde, die seine Pop­u­la­tion wirk­sam begren­zen kön­nten. Einzelne Präda­toren wie Wolf oder Luchs spie­len für die Bestand­sen­twick­lung derzeit nur eine unter­ge­ord­nete Rolle. Ohne gezielte Maß­nah­men nimmt die Pop­u­la­tion deshalb kon­tinuier­lich zu und erschließt immer neue Leben­sräume.

Hier kommt die Waschbär-Jagd als Bestandteil eines mod­er­nen Wildtier­man­age­ments ins Spiel. Die Jagd dient nicht dem Selb­stzweck, son­dern ver­fol­gt das Ziel, die Bestände in einem ökol­o­gisch verträglichen Rah­men zu hal­ten. Ger­ade in sen­si­blen Bere­ichen wie Brut­ge­bi­eten, Amphi­bi­engewässern oder Schutzge­bi­eten kann eine kon­se­quente Reg­u­la­tion den Prä­da­tions­druck deut­lich reduzieren. Zahlre­iche Fach­leute aus Jagd, Forstwirtschaft und Naturschutz sehen deshalb in der Beja­gung und im tier­schutzgerecht­en Fang wichtige Instru­mente, um den Arten­schutz in der Eifel langfristig zu sich­ern.

Die Diskus­sion über den Waschbären wird häu­fig emo­tion­al geführt. Dabei darf nicht vergessen wer­den, dass es sich um eine inva­sive Art han­delt, deren Aus­bre­itung maßge­blich durch den Men­schen verur­sacht wurde. Ver­ant­wor­tungsvoller Waschbär-Naturschutz bedeutet deshalb nicht, den Waschbären zu ver­teufeln, son­dern seine Auswirkun­gen auf heimis­che Ökosys­teme wis­senschaftlich zu bew­erten und geeignete Man­age­ment­maß­nah­men umzuset­zen. Der Schutz bedro­hter Arten muss dabei stets Vor­rang haben.

Für die Zukun­ft wird entschei­dend sein, Jagd, Naturschutz, Wis­senschaft und Öffentlichkeit stärk­er miteinan­der zu ver­net­zen. Ein kon­tinuier­lich­es Mon­i­tor­ing der Bestände, gezielte Schutz­maß­nah­men in ökol­o­gisch sen­si­blen Bere­ichen sowie eine sach­liche Infor­ma­tion der Bevölkerung sind wesentliche Bausteine eines erfol­gre­ichen Man­age­ments inva­siv­er Arten.

Der Waschbär in der Eifel ist damit längst zu einem Sym­bol für die Her­aus­forderun­gen des mod­er­nen Arten­schutzes gewor­den. Wer den Erhalt der heimis­chen Tier­welt ernst nimmt, kommt an ein­er kon­se­quenten und fach­lich begrün­de­ten Reg­u­la­tion inva­siv­er Arten nicht vor­bei. Die Waschbär-Jagd ist daher kein Gegen­satz zum Naturschutz, son­dern ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Wildtier­man­age­ments. Nur wenn inva­sive Arten kon­trol­liert wer­den, kön­nen bedro­hte Tier­arten und wertvolle Leben­sräume in der Eifel sowie in ganz Deutsch­land dauer­haft erhal­ten wer­den.

Hautdasseln beim Reh – Was Jäger in der Nordeifel wissen sollten

Wer in der Norde­ifel auf die Jagd geht oder regelmäßig Wild­bret aus heimis­ch­er Jagd genießt, wird früher oder später mit dem The­ma Haut­das­seln beim Reh in Berührung kom­men. Beson­ders während der Win­ter­monate ent­deck­en Jäger beim Abschwarten immer wieder kleine, rundliche Beulen unter der Decke des Rehwildes. Der erste Ein­druck wirkt auf viele unge­wohnt und sorgt nicht sel­ten für Verun­sicherung. Schnell stellt sich die Frage, ob das Wild krank ist und ob das Fleisch über­haupt noch verzehrt wer­den darf.

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Die gute Nachricht vor­weg: Haut­das­seln sind zwar ein Par­a­siten­be­fall, stellen jedoch in den meis­ten Fällen kein Gesund­heit­srisiko für den Men­schen dar. Entschei­dend ist vielmehr, wie stark der Befall aus­geprägt ist und ob bei der Wild­ver­sorgung die Grund­sätze der Wild­brethy­giene kon­se­quent einge­hal­ten wer­den. Ger­ade in der Norde­ifel gehören Haut­das­seln seit Jahrzehn­ten zum natür­lichen Erschei­n­ungs­bild des Rehwildes und sind kein außergewöhn­lich­er Befund.

Ein natürlicher Parasit des Rehwildes

Verur­sacht wer­den Haut­das­seln durch die Lar­ven der Rehdas­selfliege (Hypo­der­ma diana). Diese Fliege­nart ist auf Schalen­wild spezial­isiert und befällt vor allem Rehe, sel­tener Rot- oder Damwild. Die erwach­se­nen Das­selfliegen sind nur wenige Wochen im Jahr aktiv. Ihre Flugzeit begin­nt meist im späten Früh­jahr und reicht bis in den Hochsom­mer. Während dieser Zeit leg­en die Weibchen ihre Eier an den Haaren des Rehwildes ab.

Nach weni­gen Tagen schlüpfen die winzi­gen Lar­ven und bohren sich durch die Haut in das darun­ter­liegende Gewebe. Von dort aus begin­nt eine mehrere Monate dauernde Wan­derung durch den Kör­p­er des Tieres. Erst im Spätherb­st oder Win­ter erre­ichen die Lar­ven den Rück­en- und Lenden­bere­ich. Hier entwick­eln sie sich in kleinen Hohlräu­men direkt unter der Haut weit­er. Von außen entste­hen die charak­ter­is­tis­chen Das­sel­beulen, die beim leben­den Tier häu­fig kaum auf­fall­en, beim Abschwarten jedoch sofort sicht­bar wer­den.

Jede Larve besitzt eine kleine Atemöff­nung, die durch die Haut nach außen führt. Über diese Öff­nung wird Sauer­stoff aufgenom­men. Im Früh­jahr ver­lassen die aus­gewach­se­nen Lar­ven schließlich das Reh, fall­en auf den Boden, ver­pup­pen sich und entwick­eln sich inner­halb weniger Wochen zur näch­sten Gen­er­a­tion von Das­selfliegen. Anschließend begin­nt der natür­liche Leben­szyk­lus erneut.

Warum treten Hautdasseln gerade in der Nordeifel regelmäßig auf?

Die Norde­ifel bietet mit ihren aus­gedehn­ten Mis­chwäldern, den struk­tur­re­ichen Offen­land­bere­ichen, Heck­en­land­schaften und einem sta­bilen Rehwildbe­stand ide­ale Voraus­set­zun­gen für den Leben­szyk­lus der Rehdas­selfliege. In den Revieren rund um Hel­len­thal, Schlei­den, Kall, Net­ter­sheim, Mech­er­nich oder Bad Mün­stereifel wer­den Haut­das­seln deshalb regelmäßig fest­gestellt.

Das Auftreten ist dabei keineswegs ein Zeichen für eine schlechte Wildge­sund­heit oder eine man­gel­hafte Hege. Vielmehr han­delt es sich um einen natür­lichen Par­a­siten, der seit Jahrhun­derten zum Ökosys­tem gehört. Ähn­lich wie Zeck­en oder Hirschlaus­fliegen treten Haut­das­seln region­al unter­schiedlich häu­fig auf. Warme Som­mer begün­sti­gen oft­mals eine höhere Aktiv­ität der Das­selfliegen, sodass im darauf­fol­gen­den Win­ter mehr befal­l­ene Stücke fest­gestellt wer­den kön­nen.

Wie erkennt man Hautdasseln?

Beim leben­den Reh sind Haut­das­seln meist nur schw­er zu erken­nen. Erst gegen Ende der Entwick­lung zeich­nen sich gele­gentlich kleine Erhe­bun­gen ent­lang des Rück­ens ab. Deut­lich sicht­bar wer­den sie jedoch während des Abschwartens.

Typ­isch sind mehrere rundliche Beulen unter der Decke, die je nach Entwick­lungssta­di­um zwis­chen einem und vier Zen­time­ter groß sein kön­nen. Ent­fer­nt man die Haut, erscheinen gel­bliche bis bräun­liche Lar­ven, die in ein­er kleinen Gewe­bekam­mer liegen. Charak­ter­is­tisch ist außer­dem die winzige Atemöff­nung in der Haut.

Das umliegende Gewebe zeigt häu­fig nur eine leichte Entzün­dungsreak­tion. Die Musku­latur selb­st bleibt in den meis­ten Fällen voll­ständig unversehrt. Genau deshalb hat ein leichter Haut­das­sel­be­fall nor­maler­weise keinen Ein­fluss auf die Qual­ität des eigentlichen Wild­brets.

Welche Auswirkungen haben Hautdasseln auf das Reh?

Ein geringer Befall verur­sacht dem Wild meist nur geringe Beein­träch­ti­gun­gen. Während der Som­mer­monate reagieren Rehe häu­fig sehr empfind­lich auf die anfliegen­den Das­selfliegen. Das hek­tis­che Fluchtver­hal­ten, das Jäger gele­gentlich beobacht­en, ist häu­fig auf den soge­nan­nten Das­selflug zurück­zuführen. Die Tiere ver­suchen den Fliegen durch plöt­zlich­es Sprin­gen oder schnelles Laufen zu entkom­men.

Ein stärk­er­er Befall kann hinge­gen zu Juck­reiz, Hautreizun­gen und einem erhöht­en Energie­ver­brauch führen. Ins­beson­dere Jungtiere oder geschwächte Stücke kön­nen dadurch zusät­zlich belastet wer­den. Den­noch ster­ben gesunde Rehe nur äußerst sel­ten allein an einem Haut­das­sel­be­fall.

Schematische Darstellung des Lebenszyklus der Rehdasselfliege (Hypoderma diana). Grafik erstellt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz (OpenAI ChatGPT/DALL·E) nach fachlichen Vorgaben von Andreas Zingsheim für Eifelforsten.de.
Schema­tis­che Darstel­lung des Leben­szyk­lus der Rehdas­selfliege (Hypo­der­ma diana). Grafik erstellt mit Unter­stützung kün­stlich­er Intel­li­genz (Ope­nAI ChatGPT/DALL·E) nach fach­lichen Vor­gaben von Andreas Zing­sheim für Eifelforsten.de.

Darf man ein Reh mit Hautdasseln essen?

Diese Frage wird wohl am häu­fig­sten gestellt. Die klare Antwort lautet: Ja – unter bes­timmten Voraus­set­zun­gen.

Ein leichter oder mäßiger Haut­das­sel­be­fall macht das Wild­bret nicht automa­tisch unge­nießbar. Die Lar­ven sitzen auss­chließlich im Unter­haut­gewebe und drin­gen nor­maler­weise nicht in die Musku­latur ein. Deshalb bleibt das eigentliche Fleisch qual­i­ta­tiv meist unbeein­trächtigt.

Bei der Ver­sorgung des Wildes müssen jedoch sämtliche Lar­ven voll­ständig ent­fer­nt wer­den. Eben­so soll­ten die betrof­fe­nen Gewe­be­bere­iche großzügig aus­geschnit­ten wer­den, um eventuell entzün­detes Gewebe sich­er zu beseit­i­gen. Anschließend gel­ten diesel­ben hygien­is­chen Anforderun­gen wie bei jedem anderen Stück Schalen­wild: sauberes Arbeit­en, schnelle Küh­lung und eine sorgfältige Lagerung.

Viele erfahrene Jäger in der Norde­ifel bericht­en, dass sie während der Win­ter­monate regelmäßig Rehe mit einzel­nen Haut­das­seln ver­sor­gen, ohne dass dadurch die Qual­ität des Wild­brets beein­trächtigt wird. Entschei­dend bleibt immer die sorgfältige Beurteilung jedes einzel­nen Wild­kör­pers.

Wann sollte auf den Verzehr verzichtet werden?

Es gibt jedoch Sit­u­a­tio­nen, in denen das Wild­bret nicht mehr ver­wen­det wer­den sollte. Dazu gehören ins­beson­dere stark befal­l­ene Tiere mit zahlre­ichen Das­sel­beulen und großflächi­gen Entzün­dun­gen. Sind die Gewebeschä­den deut­lich aus­geprägt, treten Vere­iterun­gen auf oder zeigt das Fleisch einen ungewöhn­lichen Geruch beziehungsweise auf­fäl­lige Ver­fär­bun­gen, ist von ein­er Ver­w­er­tung abzuse­hen.

Auch wenn zusät­zlich weit­ere krankhafte Verän­derun­gen fest­gestellt wer­den – etwa Abmagerung, Organ­verän­derun­gen oder andere Par­a­siten in ungewöhn­lich hoher Zahl – sollte der gesamte Wild­kör­p­er kri­tisch beurteilt wer­den. Im Zweifel entschei­det die kundi­ge Per­son oder gegebe­nen­falls die zuständi­ge Vet­er­inär­be­hörde über die Genusstauglichkeit.

Ger­ade bei Wild, das in den Verkauf gelangt oder an Dritte abgegeben wird, sollte die Beurteilung beson­ders sorgfältig erfol­gen. Qual­ität und Ver­brauch­er­schutz ste­hen stets an erster Stelle.

Sind Hautdasseln für Menschen gefährlich?

Diese Sorge ist ver­ständlich, aber unbe­grün­det. Die Rehdas­selfliege ist auf Schalen­wild spezial­isiert. Die Lar­ven entwick­eln sich auss­chließlich im Kör­p­er ihrer natür­lichen Wirte. Eine gesund­heitliche Gefährdung durch den Verzehr von fachgerecht ver­sorgtem Wild­bret ist nach heutigem Ken­nt­nis­stand nicht gegeben.

Wie bei allen Lebens­mit­teln tierisch­er Herkun­ft kommt es vielmehr auf eine ein­wand­freie Hygiene an. Wild­bret sollte sauber ver­ar­beit­et, aus­re­ichend gekühlt und fachgerecht zubere­it­et wer­den. Wer­den diese Grund­sätze einge­hal­ten, beste­ht durch Haut­das­seln kein zusät­zlich­es Risiko.

Die Bedeutung einer sorgfältigen Wildbrethygiene

Unab­hängig vom Haut­das­sel­be­fall entschei­det die Qual­ität der Wild­ver­sorgung über die spätere Fleis­chqual­ität. Bere­its unmit­tel­bar nach dem Erlegen begin­nt die Ver­ant­wor­tung des Jägers. Ein zügiges Auf­brechen, sauberes Arbeit­en ohne unnötige Ver­schmutzun­gen und eine schnelle Küh­lung sind wesentliche Voraus­set­zun­gen für hochw­er­tiges Wild­bret.

Beim Abschwarten soll­ten vorhan­dene Das­sel­lar­ven vor­sichtig ent­fer­nt wer­den, ohne sie zu zer­drück­en. Anschließend wird das umliegende Gewebe großzügig aus­geschnit­ten. Arbeits­geräte und Hände soll­ten regelmäßig gere­inigt wer­den, damit keine Keime auf das Fleisch über­tra­gen wer­den.

Diese Maß­nah­men dienen nicht speziell der Bekämp­fung der Haut­das­seln, son­dern gehören grund­sät­zlich zu ein­er pro­fes­sionellen Wild­brethy­giene.

Was geschieht mit der Decke?

Während das Wild­bret häu­fig ohne Ein­schränkun­gen genutzt wer­den kann, ver­liert die Decke durch einen stärk­eren Haut­das­sel­be­fall erhe­blich an Wert. Die zahlre­ichen Atem­löch­er der Lar­ven sowie die ent­stande­nen Gewe­bev­erän­derun­gen machen eine spätere Led­erver­ar­beitung meist unmöglich.

Aus diesem Grund wer­den stark befal­l­ene Deck­en in der Prax­is in der Regel entsorgt. Für die Fleis­chqual­ität spielt dies jedoch keine Rolle.

Fazit

Haut­das­seln beim Reh gehören in der Norde­ifel zum natür­lichen Erschei­n­ungs­bild des Rehwildes und sind für erfahrene Jäger kein ungewöhn­lich­er Befund. Auch wenn die unter der Decke sitzen­den Lar­ven zunächst unap­peti­tlich wirken, bedeuten sie keineswegs automa­tisch, dass das Wild­bret entsorgt wer­den muss. In den meis­ten Fällen bleibt die Musku­latur voll­ständig unversehrt, sodass das Fleisch nach dem Ent­fer­nen der Lar­ven und der betrof­fe­nen Gewe­be­bere­iche bedenken­los ver­wen­det wer­den kann.

Erst wenn ein außergewöhn­lich stark­er Befall mit erhe­blichen Entzün­dun­gen, Vere­iterun­gen oder weit­eren krankhaften Verän­derun­gen vor­liegt, sollte auf den Verzehr verzichtet wer­den. Eine sorgfältige Wild­kör­perbeschau, kon­se­quente Wild­brethy­giene und eine fachkundi­ge Beurteilung bleiben daher die wichtig­sten Voraus­set­zun­gen für hochw­er­tiges und sicheres Wild­bret.

Für Jägerin­nen und Jäger in der Norde­ifel gilt deshalb: Haut­das­seln sind kein Grund zur Panik, son­dern ein natür­lich­er Bestandteil des heimis­chen Wildtierbe­standes. Wer sein Wild sorgfältig ver­sorgt und ver­ant­wor­tungs­be­wusst beurteilt, kann auch bei einem leicht­en Haut­das­sel­be­fall hochw­er­tiges, regionales und nach­haltiges Wild­bret gewin­nen – ein Lebens­mit­tel, das für Qual­ität, Natür­lichkeit und kurze Trans­portwege ste­ht.

Dieser Fachar­tikel wurde von Andreas Zing­sheim für die Plat­tform Eifelforsten.de ver­fasst. Der Inhalt basiert auf jagdlich­er Prax­is, wild­bi­ol­o­gis­chen Erken­nt­nis­sen sowie den Grund­sätzen der Wild­brethy­giene und dient der fach­lichen Infor­ma­tion von Jägern, Wild­bretver­mark­tern und inter­essierten Leserin­nen und Lesern.

Afrikanische Schweinepest: Warum hält die ASP an – und warum die Nordeifel trotzdem aufmerksam bleibt

Die Afrikanis­che Schweinepest (ASP) beschäftigt Jäger, Förster, Land­wirte und Behör­den in ganz Deutsch­land weit­er­hin. Wichtig ist jedoch eine klare Einord­nung:

In der Norde­ifel gibt es derzeit kein bestätigtes ASP-Geschehen. Die Region gehört nicht zu den betrof­fe­nen Schw­er­punk­t­ge­bi­eten der Afrikanis­chen Schweinepest.

Copyright © 2026 Andreas Zingsheim
Copy­right © 2026 Andreas Zing­sheim

Trotz­dem bleibt die Aufmerk­samkeit hoch. Denn die Erfahrun­gen aus anderen Regio­nen Deutsch­lands zeigen: Eine frühzeit­ige Überwachung, kon­se­quentes Wildtier­man­age­ment und die Zusam­me­nar­beit zwis­chen Jagd, Forst und Land­wirtschaft sind entschei­dend, um eine Ein­schlep­pung zu ver­hin­dern.

Die Norde­ifel mit ihren großen Wald­flächen, vielfälti­gen Leben­sräu­men und sta­bilen Schwarzwildbestän­den ist deshalb nicht wegen eines aktuellen Aus­bruchs im Fokus, son­dern auf­grund ihrer natür­lichen Gegeben­heit­en ein Gebi­et, in dem Präven­tion eine wichtige Rolle spielt.

Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Die Afrikanis­che Schweinepest ist eine Viruserkrankung, die auss­chließlich Haus- und Wild­schweine bet­rifft. Für Men­schen ist das Virus unge­fährlich.

Für Schweine­hal­ter kann die ASP jedoch erhe­bliche Fol­gen haben. Eine Infek­tion in einem Hauss­chweinebe­stand kann zu großen wirtschaftlichen Schä­den führen und umfan­gre­iche Schutz­maß­nah­men aus­lösen.

Beson­ders schwierig ist die Bekämp­fung, weil das Virus sehr wider­stands­fähig ist. Es kann in Blut, Kadav­ern und kon­t­a­minierten Mate­ri­alien lange über­leben.

Wo liegen die ASP-Hotspots in Deutschland?

Die bish­eri­gen ASP-Schw­er­punk­te in Deutsch­land liegen vor allem in eini­gen Regio­nen im Osten und Süd­west­en Deutsch­lands.

Zu den wichti­gen betrof­fe­nen Gebi­eten gehören:

Brandenburg und Sachsen

Die ersten deutschen ASP-Fälle wur­den 2020 in Bran­den­burg fest­gestellt. Seit­dem waren ins­beson­dere Regio­nen ent­lang der deutsch-pol­nis­chen Gren­ze betrof­fen. Auch Sach­sen meldete Fälle bei Wild­schweinen.

Hessen

Ein weit­er­er großer Schw­er­punkt ent­stand in Süd­hessen. Beson­ders betrof­fen waren unter anderem der Land­kreis Groß-Ger­au sowie angren­zende Regio­nen. Dort wur­den zahlre­iche ASP-pos­i­tive Wild­schweine fest­gestellt und umfan­gre­iche Maß­nah­men ein­geleit­et.

Rheinland-Pfalz

Auch Rhein­land-Pfalz war vom ASP-Geschehen betrof­fen. Die Aus­bre­itung stand in Verbindung mit den Entwick­lun­gen in Hes­sen und führte zu Sper­rzo­nen und ver­stärk­ten Überwachungs­maß­nah­men.

Nordrhein-Westfalen

In Nor­drhein-West­falen wurde die ASP erst­mals 2025 bei Wild­schweinen im Kreis Olpe nachgewiesen. Die betrof­fe­nen Regio­nen liegen im Sauer­land und damit deut­lich außer­halb der Norde­ifel.

Warum hält sich die ASP so lange?

Die Afrikanis­che Schweinepest ver­schwindet nicht ein­fach wieder, weil mehrere Fak­toren zusam­men­wirken.

1. Das Virus bleibt lange infektiös

Ein infiziert­er Wild­schweinka­dav­er kann über län­gere Zeit eine Ansteck­ungsquelle darstellen. Deshalb ist die schnelle Suche und Bergung von Fall­wild eine der wichtig­sten Maß­nah­men.

2. Wildschweine leben in sozialen Gruppen

Wild­schweine leben in Rot­ten und haben enge Kon­tak­te untere­inan­der. Dadurch kann sich ein Virus inner­halb ein­er Pop­u­la­tion effek­tiv ver­bre­it­en.

3. Der Mensch kann das Virus verschleppen

Nicht nur Wildtiere spie­len eine Rolle. Auch Men­schen kön­nen das Virus unbe­ab­sichtigt weit­er­tra­gen, beispiel­sweise durch:

  • kon­t­a­minierte Klei­dung,
  • Jag­daus­rüs­tung,
  • Fahrzeuge,
  • Lebens­mit­tel­reste mit Schweine­fleisch.

Warum bleibt die Nordeifel trotzdem wachsam?

Die Norde­ifel ist geprägt durch große zusam­men­hän­gende Waldge­bi­ete, land­wirtschaftliche Flächen und eine vielfältige Wildtier­pop­u­la­tion.

Diese Bedin­gun­gen machen die Region zu einem wertvollen Leben­sraum für Schwarzwild. Gle­ichzeit­ig bedeutet eine hohe Wild­dichte, dass ein kon­se­quentes Mon­i­tor­ing sin­nvoll bleibt.

Für die Jagd bedeutet das:

  • regelmäßige Beobach­tung der Wildbestände,
  • Mel­dung von auf­fäl­ligem oder veren­de­tem Wild,
  • Beach­tung von Hygien­eregeln,
  • ver­ant­wor­tungsvolles Schwarzwild­man­age­ment.

Die Auf­gabe der Jägerin­nen und Jäger beste­ht dabei nicht darin, eine aktuelle ASP-Lage in der Norde­ifel zu bekämpfen, son­dern durch Vor­sorge einen möglichen Ein­trag frühzeit­ig zu erken­nen.

Schwarzwildmanagement in der Nordeifel: Prävention statt Krisenreaktion

Eine mod­erne Jagd übern­immt heute wichtige Auf­gaben im Bere­ich Tierge­sund­heit und Naturschutz.

Dazu gehören:

  • die Erfas­sung von Wildbestän­den,
  • die Unter­stützung von Mon­i­tor­ing­pro­gram­men,
  • die Zusam­me­nar­beit mit Behör­den,
  • der Schutz von Land­wirtschaft und Nutztier­hal­tung.

Ger­ade weil die Norde­ifel aktuell nicht von der ASP betrof­fen ist, bleibt Präven­tion der wichtig­ste Baustein.

Fazit: Keine ASP in der Nordeifel – aber Aufmerksamkeit bleibt wichtig

Die Afrikanis­che Schweinepest ist in Deutsch­land weit­er­hin eine ernst zu nehmende Tierseuche. Die bish­eri­gen Hotspots zeigen, dass sich das Virus über große Ent­fer­nun­gen aus­bre­it­en kann.

Die Norde­ifel ist aktuell kein ASP-Gebi­et.

Den­noch ist die Region gut berat­en, aufmerk­sam zu bleiben. Die Kom­bi­na­tion aus gesun­den Wildbestän­den, pro­fes­sioneller Jagd, mod­ern­er Forstwirtschaft und guter Zusam­me­nar­beit zwis­chen allen Beteiligten ist der beste Schutz.

Die ASP zeigt: Wildtier­man­age­ment ist heute mehr denn je ein wichtiger Bestandteil von Jagd und Naturschutz.

Der Jagdhund – Garant für Waidgerechtigkeit bei Schweißarbeit und Drückjagd

Der Ein­satz brauch­bar­er Jagdhunde ist ein ele­mentar­er Bestandteil ein­er waidgerecht­en Jag­dausübung und im Bun­des­jagdge­setz sowie in den Jagdge­set­zen der Län­der fest ver­ankert. Ins­beson­dere bei Bewe­gungs­jag­den auf Schalen­wild und bei der Nach­suche auf krankgeschossenes Wild übern­immt der Jagdhund Auf­gaben, die wed­er durch mod­erne Optik noch durch tech­nis­che Hil­f­s­mit­tel erset­zt wer­den kön­nen. Seine außergewöhn­liche olfak­torische Leis­tungs­fähigkeit, gepaart mit aus­geprägtem Spur- und Fährten­willen, hoher Arbeitspas­sion und ein­er kon­se­quenten Aus­bil­dung, macht ihn zum wichtig­sten Jagdge­hil­fen des Hun­de­führers.

Wachtelhund Wilma bei einer Drückjagd in Brandenburg
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Mit zunehmenden Schwarzwildbestän­den, den Her­aus­forderun­gen der Afrikanis­chen Schweinepest, den Anforderun­gen eines mod­er­nen Wildtier­man­age­ments sowie der Notwendigkeit ein­er effek­tiv­en Wald­ver­jün­gung haben Bewe­gungs­jag­den in den ver­gan­genen Jahren erhe­blich an Bedeu­tung gewon­nen. Gle­ichzeit­ig steigen die Anforderun­gen an die einge­set­zten Jagdhunde und ihre Führer. Gefordert wer­den leis­tungsstarke, ner­ven­feste und gehor­same Hunde, die Wild ziel­gerichtet aus den Ein­stän­den brin­gen, dabei jedoch keinen über­mäßi­gen Jagddruck erzeu­gen. Ziel ein­er pro­fes­sionell organ­isierten Drück­jagd ist es nicht, Wild über weite Dis­tanzen zu het­zen, son­dern es in ruhiger Flucht vor die Schützen zu brin­gen, um tier­schutzgerechte und sichere Schüsse zu ermöglichen.

Von her­aus­ra­gen­der Bedeu­tung ist darüber hin­aus die Nach­suche auf Schalen­wild. Jed­er nicht augen­blick­lich tödliche Schuss verpflichtet den Erleger zu ein­er sorgfälti­gen Nach­suche. Diese zählt zu den anspruchsvoll­sten Diszi­plinen des Jagdge­brauchs­hun­dewe­sens und stellt höch­ste Anforderun­gen an Hund und Führer. Bere­its am Anschuss entschei­det die sorgfältige Inter­pre­ta­tion der Pirschze­ichen über das weit­ere Vorge­hen. Schweiß, Schnit­thaar, Knochen­split­ter, Lun­gen­schweiß, Pans­en­in­halt oder Schalen­ab­drücke liefern wichtige Hin­weise auf Tre­f­fer­lage, Fluchtrich­tung und das zu erwartende Ver­hal­ten des beschosse­nen Stück­es. Den­noch erset­zt keine Anschuss­be­w­er­tung die Arbeit eines leis­tungs­fähi­gen Nach­suchenges­panns.

Während der Ausar­beitung der Wund­fährte nutzt der Hund nicht auss­chließlich den Schweißgeruch. Vielmehr arbeit­et er ein kom­plex­es Gemisch ver­schieden­ster Wit­terungskom­po­nen­ten aus. Dazu zählen die Indi­vid­u­al­wit­terung des Stück­es, Boden­ver­wun­dun­gen, Ver­let­zun­gen der Veg­e­ta­tion, Drüsensekrete aus den Zwis­chen­klauen, Schalenabrieb sowie fein­ste Aerosole, die ent­lang der Flucht­fährte zurück­bleiben. Selb­st bei ger­ing­stem Schweißver­lust oder soge­nan­nten “trock­e­nen Fährten” ist ein entsprechend ver­an­lagter und sorgfältig eingear­beit­eter Hund in der Lage, diese Geruch­skom­po­nen­ten sich­er zu dif­feren­zieren und über große Dis­tanzen auszuar­beit­en.

Copyright © 2026 Andreas Zingsheim
Copy­right © 2026 Andreas Zing­sheim

Erschw­ert wird die Nach­suche durch Ver­leit­fährten, Fährten­schnei­dun­gen, wech­sel­nde Wit­terungsver­hält­nisse, Nieder­schläge oder starke Sonnene­in­strahlung. Auch krankes Wild zeigt häu­fig ein atyp­is­ches Fluchtver­hal­ten, sucht Dick­un­gen, Ein­stände oder Gewäss­er auf und legt Hak­en oder Wund­bet­ten an. Ger­ade in solchen Sit­u­a­tio­nen zeigt sich die Qual­ität eines eingear­beit­eten Nach­suchenges­panns. Der erfahrene Hun­de­führer erken­nt anhand fein­ster Verän­derun­gen im Ver­hal­ten seines Hun­des, ob dieser sich­er auf der Wund­fährte arbeit­et, eine Ver­leitung annimmt oder unmit­tel­bar vor dem Wund­bett ste­ht.

Eben­so anspruchsvoll gestal­tet sich der Ein­satz von Jagdhun­den während der Drück­jagd. Hier kom­men über­wiegend spurlaute oder sicht­laute Stöber­hunde zum Ein­satz, deren Auf­gabe darin beste­ht, Dick­un­gen, Naturver­jün­gun­gen, Brombeerver­haue oder Kalamitäts­flächen sys­tem­a­tisch nach Wild abzusuchen und dieses kon­trol­liert in Bewe­gung zu brin­gen. Beson­ders spurlaute Hunde liefern den Schützen wertvolle Infor­ma­tio­nen über die Bewe­gungsrich­tung des Wildes und erhöhen damit sowohl die Sicher­heit als auch die Effek­tiv­ität der Jagd. Gle­ichzeit­ig ermöglichen sie den Hun­de­führern eine per­ma­nente Kon­trolle über das Arbeitsver­hal­ten ihrer Hunde.

Die Leis­tungs­fähigkeit eines Jagdhun­des basiert jedoch nicht allein auf seinen genetis­chen Anla­gen. Erst eine kon­se­quente Aus­bil­dung, regelmäßige Übung auf kün­stlichen und natür­lichen Wund­fährten sowie der prak­tis­che Jagdein­satz for­men einen zuver­läs­si­gen Jagdge­brauchs­hund. Prü­fun­gen nach den Prü­fung­sor­d­nun­gen der Jagdge­brauchs­hund­ver­bände bilden hier­für die Grund­lage und gewährleis­ten, dass auss­chließlich leis­tungs­fähige und wesens­feste Hunde im Jagdbe­trieb einge­set­zt wer­den.

Vor dem Hin­ter­grund steigen­der Anforderun­gen an den Natur- und Tier­schutz kommt der Arbeit brauch­bar­er Jagdhunde heute eine größere Bedeu­tung zu denn je. Sie gewährleis­ten eine tier­schutzgerechte Nach­suche, min­imieren unnötiges Wildleid und tra­gen maßge­blich zu ein­er effizien­ten und sicheren Durch­führung von Bewe­gungs­jag­den bei. Damit sind sie nicht nur unverzicht­bare Jagdhelfer, son­dern wesentliche Garan­ten ein­er mod­er­nen, ver­ant­wor­tungsvollen und waidgerecht­en Jag­dausübung.

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Autor: Andreas Zing­sheim – Grün­der von Eifelforsten, Fachau­tor für Jagd, Forstwirtschaft und Wildtier­man­age­ment.

Verfahren zur Bewertung von Wildschäden in Rheinland-Pfalz

Die Forschungsanstalt für Waldökolo­gie und Forstwirtschaft Rhein­land-Pfalz hat bere­its im Jahr 2006 ein prax­isori­en­tiertes Ver­fahren zur Bew­er­tung von Wild­schä­den im Wald entwick­elt. Ziel dieses Ansatzes ist es, Schä­den durch Reh‑, Rot- und anderes Schalen­wild objek­tiv, nachvol­lziehbar und lan­desweit ein­heitlich zu erfassen und zu bew­erten. Das Ver­fahren wurde ins­beson­dere für Verbiss‑, Fege- und Schälschä­den konzip­iert und dient sowohl der forstlichen Prax­is als auch der rechtssicheren Schaden­sreg­ulierung zwis­chen Waldbe­sitzen­den und Jag­dausübungs­berechtigten.

Wild­schä­den besitzen im Wald eine beson­dere Bedeu­tung, da ihre Auswirkun­gen häu­fig erst nach Jahren sicht­bar wer­den. Während Schä­den in der Land­wirtschaft meist unmit­tel­bar bez­if­fer­bar sind, führen Ver­biss und Schäle im Wald oft­mals zu langfristi­gen Wach­s­tumsver­lus­ten, Qual­itäts­min­derun­gen oder Folgeschä­den durch Pilz- und Insek­ten­be­fall. Beson­ders betrof­fen sind junge Tan­nen, Eichen oder andere kli­mare­siliente Bau­marten, deren natür­liche Ver­jün­gung durch hohen Wild­druck erhe­blich beein­trächtigt wer­den kann.

Vor diesem Hin­ter­grund entwick­elte die Forschungsanstalt zwei unter­schiedliche Bew­er­tungsan­sätze. Für Verbiss‑, Fege- und Schlagschä­den ori­en­tiert sich die Schadens­be­w­er­tung am Grund­satz der soge­nan­nten Nat­u­ral­resti­tu­tion. Dabei wird berech­net, welche Kosten entste­hen wür­den, um den ursprünglichen Zus­tand der Kul­tur wieder­herzustellen. Grund­lage hier­für sind unter anderem aktuelle Baum­schul­preise sowie Hil­f­sta­bellen, die eine ein­heitliche Anwen­dung durch forstliche Wild­schadenss­chätzer ermöglichen.

Für Schälschä­den, die vor allem durch Rotwild verur­sacht wer­den, greift das Ver­fahren auf ertragskundliche Mod­elle zurück. Hier­bei wer­den Zuwachsver­luste, Qual­itäts­min­derun­gen des Holzes sowie langfristige wirtschaftliche Ein­bußen berück­sichtigt. Das ursprünglich von Kroth, Sin­ner und Bartel­heimer entwick­elte Ver­fahren wurde durch die Forschungsanstalt aktu­al­isiert und für die prak­tis­che Anwen­dung vere­in­facht. Dadurch ent­stand ein Instru­ment, das sowohl wis­senschaftlichen Anforderun­gen als auch den Bedürfnis­sen der forstlichen Prax­is gerecht wird.

Die Ergeb­nisse der Wild­schadens­be­w­er­tung fließen in Rhein­land-Pfalz in soge­nan­nte „Forst­be­hördliche Stel­lung­nah­men“ ein. Diese Gutacht­en bew­erten die aktuelle Wild­schadenssi­t­u­a­tion inner­halb einzel­ner Jagdbezirke und dienen unter anderem als Grund­lage für die Fest­set­zung von Abschuss­plä­nen. Auf diese Weise verbindet das Ver­fahren forstwissenschaftliche Erken­nt­nisse mit dem prak­tis­chen Wildtier­man­age­ment und trägt dazu bei, wald­bauliche Ziele langfristig zu sich­ern.

Das Ver­fahren der Forschungsanstalt gilt heute als wichtiger Baustein eines mod­er­nen Wild­schadens­man­age­ments. Es schafft Trans­parenz zwis­chen Forstwirtschaft und Jagd, erle­ichtert die objek­tive Schadens­be­w­er­tung und unter­stützt eine nach­haltige Walden­twick­lung. Auf­grund sein­er Prax­is­tauglichkeit wur­den die entwick­el­ten Hil­f­sta­bellen und Bew­er­tungs­grund­la­gen auch über Rhein­land-Pfalz hin­aus beachtet und weit­er­en­twick­elt.

Weit­ere Infor­ma­tio­nen bietet die offizielle Web­site der Forschungsanstalt für Waldökolo­gie und Forstwirtschaft Rhein­land-Pfalz.

© 2026 Andreas Zing­sheim / Eifelforsten · Alle Rechte vor­be­hal­ten.
Autor: Andreas Zing­sheim

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