Der Schwarzwildbestand in der Nordeifel sorgt derzeit bei Jägern, Waldbesitzern und Landwirten für zunehmende Aufmerksamkeit. Immer häufiger werden große Rotten und zahlreiche Frischlinge beobachtet. Vieles deutet darauf hin, dass sich der Schwarzwildbestand in Teilen der Nordeifel in kurzer Zeit deutlich vergrößert hat. Von einem geradezu explosionsartigen Anwachsen des Bestandes ist regional bereits die Rede. Eine flächendeckende und exakt bezifferte Bestandszählung liegt zwar nicht vor, doch die Entwicklung ist vor dem Hintergrund der außergewöhnlich hohen Vermehrungsleistung des Schwarzwildes durchaus nachvollziehbar.

Schwarzwild, also das heimische Wildschwein, gehört zu den anpassungsfähigsten Wildarten Europas. Gerade die Nordeifel bietet hervorragende Lebensbedingungen: große zusammenhängende Waldgebiete, strukturreiche Waldränder, landwirtschaftliche Flächen und zahlreiche Rückzugsräume. Hinzu kommt ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Eicheln, Bucheckern, landwirtschaftliche Kulturen, Wurzeln und andere pflanzliche Nahrung ermöglichen es den Tieren, auch wechselnde Witterungsbedingungen erstaunlich gut zu überstehen. Fachinformationen von Waldwissen weisen darauf hin, dass Schwarzwild unter günstigen Bedingungen eine Zuwachsrate von bis zu 200 bis 300 Prozent erreichen kann. Bereits junge Bachen können sich unter bestimmten Voraussetzungen im Alter von weniger als einem Jahr fortpflanzen.
Bemerkenswert ist dabei die Frage, warum sich der Bestand trotz der teilweise extremen Hitze und Trockenheit der vergangenen Jahre so dynamisch entwickeln konnte. Hitze allein bedeutet für Schwarzwild keineswegs automatisch einen starken Bestandsrückgang. Wildschweine sind äußerst anpassungsfähig und können auf unterschiedliche Nahrungs- und Umweltbedingungen reagieren. Während hohe Temperaturen für viele Wildarten eine erhebliche Belastung darstellen können, finden Schwarzwildbestände in der Nordeifel weiterhin zahlreiche Möglichkeiten, sich zurückzuziehen und ausreichend Nahrung aufzunehmen. Dichter Wald, schattige Bereiche und feuchte Einstände bieten insbesondere während heißer Wetterperioden wichtige Rückzugsräume.
Entscheidend für die Bestandsentwicklung ist zudem nicht allein die Witterung während des Sommers. Die Fortpflanzung des Schwarzwildes hängt stark von der körperlichen Verfassung der Bachen und vom vorhandenen Nahrungsangebot ab. Bei günstigen Bedingungen können sich die Tiere früh fortpflanzen und große Würfe hervorbringen. Die Tragzeit beträgt etwa vier Monate, die meisten Frischlinge werden im Frühjahr geboren. Besonders problematisch für die Bestandsentwicklung kann eine hohe Reproduktionsleistung junger Bachen sein. Dadurch kann eine Population innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit erheblich anwachsen.
Auch die Entwicklung der Schwarzwildstrecke in Nordrhein-Westfalen verdeutlicht, dass es sich keineswegs um ein ausschließlich regionales Phänomen handelt. Nach Angaben von Wald und Holz NRW wurden im Jagdjahr 1980/81 in Nordrhein-Westfalen 5.175 Stück Schwarzwild erlegt. 2020/21 waren es bereits 34.224 und 2021/22 sogar 49.566 Stück. Die Landesforstverwaltung führt die langfristige Zunahme der Schalenwildbestände unter anderem auf verbesserte Ernährungs- und Lebensbedingungen zurück.
Für die Nordeifel kommt eine weitere Besonderheit hinzu: Die Region verfügt über große Waldgebiete mit unterschiedlichen Lebensräumen und einem hohen Anteil an Laubmischwäldern. Auch in den staatlichen Jagdflächen rund um die Rureifel wird Schwarzwild regelmäßig als vorkommende Wildart ausgewiesen. In zahlreichen Jagdbezirken zwischen Hürtgenwald, Gürzenich und weiteren Bereichen der Nordeifel ist Schwarzwild Bestandteil der jagdlichen Bewirtschaftung.
Für Waldbesitzer ist die Entwicklung aus einem weiteren Grund von Bedeutung. Schwarzwild kann durch seine intensive Nahrungssuche erhebliche Bodenbewegungen verursachen. Auf der Suche nach Wurzeln, Larven, Würmern und anderen Nahrungsquellen durchwühlen die Tiere den Waldboden. In landwirtschaftlichen Flächen können zudem erhebliche Schäden entstehen. Besonders Maisflächen sind attraktiv, gleichzeitig können Grünland und frisch angelegte Kulturen betroffen sein.
Auch für die natürliche Waldverjüngung spielt die Entwicklung des Schwarzwildbestandes eine Rolle. Nordrhein-Westfalen verfolgt aktuell das Ziel, klimastabile und vielfältige Mischwälder aufzubauen. Gerade in der Nordeifel ist der Waldumbau nach den vergangenen Dürre- und Schadensjahren von großer Bedeutung. Hohe Wildbestände können die Entwicklung junger Waldbäume beeinflussen und den Aufwand für Schutzmaßnahmen erhöhen. Wald und Holz NRW weist deshalb grundsätzlich darauf hin, dass angepasste Schalenwildbestände eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Waldumbau sind.
Die aktuelle Entwicklung beim Schwarzwild sollte deshalb aufmerksam beobachtet werden. Gerade weil Wildschweine ausgesprochen reproduktionsstark sind, kann eine hohe Zahl an Frischlingen im Frühjahr und Sommer schnell zu einer deutlich größeren Population im Herbst und Winter führen. Dabei darf die Zahl der beobachteten Tiere allerdings nicht eins zu eins mit der tatsächlichen Bestandsgröße gleichgesetzt werden. Schwarzwild lebt überwiegend in Rotten, bewegt sich über größere Flächen und kann je nach Nahrungsangebot seine Aufenthaltsorte verändern. Sichtungen können deshalb regional stark schwanken.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Afrikanische Schweinepest, kurz ASP. Die hochansteckende Tierseuche betrifft Haus- und Wildschweine und hat Deutschland bereits erreicht. Gerade bei größeren Schwarzwildbeständen kommt der Früherkennung und konsequenten Seuchenprävention eine besondere Bedeutung zu. Fachinformationen empfehlen deshalb, die Entwicklung der Schwarzwildpopulation aufmerksam zu verfolgen und mögliche Krankheitsfälle schnell zu melden.
Für Jäger und Waldbesitzer in der Nordeifel bedeutet die derzeitige Entwicklung vor allem eines: Schwarzwild wird auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil des Wildtiermanagements bleiben. Eine sachgerechte Beurteilung der Bestandsentwicklung sollte dabei nicht allein auf einzelnen Beobachtungen beruhen, sondern möglichst verschiedene Faktoren berücksichtigen – von der Schwarzwildstrecke über Wildschäden und Frischlingsanteile bis hin zu regionalen Beobachtungen und langfristigen Entwicklungen.
Wer sich mit dem Thema Wald, Wild und nachhaltige Forstwirtschaft in der Eifel beschäftigt, findet bei Eifelforsten weitere Informationen rund um den Wald in der Region. Gerade angesichts des Klimawandels, zunehmender Wetterextreme und des notwendigen Waldumbaus wird das Zusammenspiel von Wald, Wild und Jagd in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
Der deutlich wahrnehmbare Schwarzwildbestand in der Nordeifel ist deshalb mehr als nur eine Momentaufnahme. Die Kombination aus hoher Fortpflanzungsleistung, hervorragender Anpassungsfähigkeit und geeigneten Lebensräumen schafft für Wildschweine ausgesprochen günstige Voraussetzungen. Die kommenden Jagdjahre werden zeigen, wie sich die Population tatsächlich entwickelt. Schon heute spricht jedoch vieles dafür, dass Schwarzwild in der Nordeifel weiterhin eine der bedeutenden Wildarten bleiben wird – und dass eine kontinuierliche Beobachtung und fachgerechte Regulierung des Bestandes für Wald, Landwirtschaft und Wildtiermanagement zunehmend wichtig wird.
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