Die Waldameise als wichtiger Bestandteil des Eifelwaldes

Wer aufmerk­sam durch die Wälder der Norde­ifel geht, ent­deckt an son­ni­gen Wal­drän­dern, licht­en Bestän­den und geschützten Wald­stan­dorten gele­gentlich die charak­ter­is­tis­chen, oft beein­druck­enden Ameisen­hügel der Wal­dameisen. Was auf den ersten Blick wie ein klein­er Erd­hügel mit zahlre­ichen Nadeln und Zweigen erscheint, ist in Wirk­lichkeit ein hochkom­plex­es Sozial­ge­füge. Tausende bis teil­weise sehr viele Arbei­t­erin­nen organ­isieren gemein­sam den Nest­bau, die Nahrungssuche, die Brutpflege und die Vertei­di­gung ihres Leben­sraumes.

Die Wal­dameise ist damit weit mehr als ein auf­fäl­liges Insekt am Weges­rand. Sie erfüllt wichtige Funk­tio­nen im Waldökosys­tem und ste­ht beispiel­haft für die enge Verbindung zwis­chen Boden, Veg­e­ta­tion, Insek­ten­welt und den zahlre­ichen Wech­sel­wirkun­gen inner­halb eines natur­na­hen Waldes.

Dieser forstliche Fach­beitrag von Andreas Zing­sheim, veröf­fentlicht auf Eifelforsten.de, wid­met sich der Bedeu­tung der Wal­dameisen mit beson­derem Schw­er­punkt auf der Norde­ifel. Dabei geht es um ihre Lebensweise, ihre ökol­o­gis­che Funk­tion, geeignete Leben­sräume und die Anforderun­gen an ihren Schutz im forstlichen All­t­ag.

Was sind Waldameisen?

Der Begriff Wal­dameise beze­ich­net nicht nur eine einzige Art. Zu den bekan­nten Wal­dameisen gehören ver­schiedene Arten der Gat­tung Formi­ca. In Nor­drhein-West­falen kom­men unter anderem die Rote Wal­dameise, Formi­ca rufa, die Kahlrück­ige Wal­dameise, Formi­ca polycte­na, sowie weit­ere Arten vor.

Die Rote Wal­dameise und die Kahlrück­ige Wal­dameise sind in der Öffentlichkeit beson­ders bekan­nt, weil sie auf­fäl­lige Nesthügel aus Nadeln, kleinen Zweigen und anderem Pflanzen­ma­te­r­i­al erricht­en. Die genaue Bes­tim­mung einzel­ner Arten ist jedoch nicht immer ein­fach. Das äußere Erschei­n­ungs­bild kann sich ähneln, und eine sichere Artbes­tim­mung sollte im Zweifels­fall durch fachkundi­ge Per­so­n­en erfol­gen.

In Nor­drhein-West­falen sind mehrere Wal­dameise­narten naturschutzrechtlich beson­ders geschützt. Für die Rote Wal­dameise und weit­ere Arten beste­hen beson­dere Schutzbes­tim­mungen. Der Lan­des­be­trieb Wald und Holz Nor­drhein-West­falen weist deshalb darauf hin, dass Ameisen­hügel und Wal­dameisenkolonien nicht ohne Weit­eres beein­trächtigt, beschädigt oder umge­set­zt wer­den dür­fen.

Die Waldameise in der Nordeifel

Die Norde­ifel bietet mit ihren aus­gedehn­ten Waldge­bi­eten, zahlre­ichen Wal­drän­dern und unter­schiedlichen Wald­struk­turen grund­sät­zlich geeignete Leben­sräume für Wal­dameisen. Beson­ders inter­es­sant sind lichte und struk­tur­re­iche Wald­bere­iche, in denen aus­re­ichend Son­nen­licht den Boden erre­icht.

Viele Wal­dameise­narten prof­i­tieren von ein­er Kom­bi­na­tion aus Wald und offe­nen Struk­turen. Wal­drän­der, Lich­tun­gen, junge Bestände und lichte Nadel- und Mis­chwälder kön­nen wichtige Bedin­gun­gen für die Entwick­lung von Kolonien bieten. Ein Ameisen­hügel benötigt dabei nicht nur geeignetes Bau­ma­te­r­i­al, son­dern auch ein gün­stiges Mikrokli­ma.

In der Norde­ifel kön­nen sich die Stan­dortbe­din­gun­gen klein­räu­mig deut­lich unter­schei­den. Höhen­lage, Expo­si­tion, Wald­struk­tur und Boden­ver­hält­nisse bee­in­flussen, ob ein Stan­dort für eine Wal­dameisenkolonie geeignet ist. Ein son­niger Süd­hang bietet beispiel­sweise andere Bedin­gun­gen als ein dauer­haft schat­tiger und feuchter Bestand.

Der Nation­al­park Eifel und andere Schutzge­bi­ete der Region doku­men­tieren die Bedeu­tung ver­schieden­er Ameise­narten für die heimis­che Arten­vielfalt. Für die Rote Wal­dameise wird im Nation­al­park Eifel ein Vorkom­men in Wäldern angegeben; zugle­ich wird sie dort als beson­ders geschützte Art geführt.

Der Ameisenhügel ist ein hochkomplexes Bauwerk

Der typ­is­che Ameisen­hügel beste­ht aus ein­er oberirdis­chen und ein­er unterirdis­chen Struk­tur. Das oberirdis­che Nest wird häu­fig aus Nadeln, kleinen Zweigen und anderen pflan­zlichen Mate­ri­alien aufge­baut. Unter der Ober­fläche kann sich ein weit verzweigtes Gang- und Kam­mer­sys­tem befind­en.

Der Nesthügel erfüllt mehrere Funk­tio­nen. Er schützt die Kolonie und trägt zur Reg­ulierung des Nestk­li­mas bei. Die Arbei­t­erin­nen verän­dern laufend die Struk­tur des Hügels, tra­gen Mate­r­i­al her­an und passen die Nest­bere­iche an die jew­eili­gen Bedin­gun­gen an.

An war­men Tagen kann die Aktiv­ität im Nest deut­lich zunehmen. Die Tiere nutzen die Sonnenen­ergie und reg­ulieren durch ihr Ver­hal­ten die Bedin­gun­gen inner­halb des Nestes. Dadurch entste­ht ein bemerkenswertes Zusam­men­spiel zwis­chen Tierver­hal­ten, Nestar­chitek­tur und den physikalis­chen Bedin­gun­gen am Stan­dort.

Die Waldameise als Regulator im Waldökosystem

Wal­dameisen sind wichtige Räu­ber zahlre­ich­er klein­er Wirbel­los­er. Sie sam­meln unter anderem Insek­ten und andere Glieder­füßer und tra­gen dadurch zur Reg­ulierung von Pop­u­la­tio­nen bei. Beson­ders in Waldökosys­te­men mit großen Kolonien kön­nen sie eine wichtige Funk­tion inner­halb der Nahrungs­ket­ten übernehmen.

Die Wal­dameise ist dabei jedoch nicht isoliert zu betra­cht­en. Sie ist selb­st Bestandteil eines kom­plex­en Beziehungs­ge­füges. Sie ste­ht in Wech­sel­wirkung mit Pflanzen, anderen Insek­ten, Vögeln und zahlre­ichen weit­eren Organ­is­men.

Die Tiere trans­portieren außer­dem organ­is­ches Mate­r­i­al und bewe­gen Sub­strat. Durch ihre Aktiv­itäten kön­nen sie zur Durch­mis­chung des Bodens und zur Verteilung organ­is­ch­er Stoffe beitra­gen. Die tat­säch­liche Bedeu­tung einzel­ner Kolonien hängt dabei immer von der jew­eili­gen Art, der Koloniegröße und den Stan­dortbe­din­gun­gen ab.

Aus forstlich­er Sicht sind Wal­dameisen deshalb inter­es­sante Zeiger für struk­tur­re­iche Leben­sräume. Das Vorkom­men ein­er Kolonie ist zwar kein alleiniger Beweis für einen beson­ders natur­na­hen Wald, kann aber ein wichtiger Bestandteil der ökol­o­gis­chen Bew­er­tung eines Stan­dortes sein.

Warum Waldränder für Waldameisen besonders wichtig sind

Viele Wal­dameisenkolonien befind­en sich in Bere­ichen, die durch eine gute Sonnene­in­strahlung geprägt sind. Dazu gehören Wal­drän­der, Lich­tun­gen und lichte Bestände.

Ein voll­ständig geschlossenes Kro­nen­dach kann zu ein­er stärk­eren Beschat­tung des Bodens führen. Für manche Wal­dameise­narten kann dies die Stan­dortbe­din­gun­gen ver­schlechtern. Gle­ichzeit­ig darf daraus nicht abgeleit­et wer­den, dass jed­er Wald automa­tisch aufgelichtet wer­den sollte. Entschei­dend ist vielmehr eine stan­dort­gerechte und fach­lich geplante Walden­twick­lung.

Struk­tur­re­iche Wal­drän­der kön­nen dabei eine beson­dere Bedeu­tung besitzen. Übergänge zwis­chen Wald und Offen­land schaf­fen unter­schiedliche Licht‑, Tem­per­atur- und Veg­e­ta­tions­be­din­gun­gen auf engem Raum. Sie gehören deshalb zu den ökol­o­gisch beson­ders inter­es­san­ten Bere­ichen viel­er Land­schaften der Norde­ifel.

Waldameisen und forstliche Arbeiten

Bei forstlichen Maß­nah­men müssen bekan­nte Ameisen­hügel berück­sichtigt wer­den. Das gilt ins­beson­dere bei Holz­ernte, Rück­ung, Wege­bau, Verkehrssicherungs­maß­nah­men und der Anlage oder Pflege von Rück­egassen.

Eine direk­te Beschädi­gung des Nestes kann für eine Kolonie erhe­bliche Fol­gen haben. Auch indi­rek­te Beein­träch­ti­gun­gen kön­nen prob­lema­tisch sein. Dazu zählen beispiel­sweise die Ablagerung von Holz oder Reisig auf dem Nest, das Befahren des unmit­tel­baren Nest­bere­ich­es oder die Verän­derung der Stan­dortbe­din­gun­gen.

Eine sorgfältige Arbeitsvor­bere­itung ist deshalb beson­ders wichtig. Bekan­nte Ameisen­hügel soll­ten vor Beginn forstlich­er Arbeit­en im Gelände lokalisiert und bei der Pla­nung berück­sichtigt wer­den. In Zweifels­fällen emp­fiehlt sich die Ein­bindung fachkundi­ger Ansprech­part­ner aus dem Bere­ich Wald­naturschutz oder der Ameisen­schutzwarte.

Die Arbeit­shil­fe des Lan­des­be­triebs Wald und Holz Nor­drhein-West­falen behan­delt den Schutz der Wal­dameisen und gibt Hin­weise zum Umgang mit Ameisen­hügeln. Bei schwieri­gen Sit­u­a­tio­nen oder möglichen Kon­flik­ten mit geplanten Maß­nah­men sollte eine fachkundi­ge Abstim­mung erfol­gen.

Waldameisen sind besonders geschützt

Für die Prax­is ist der rechtliche Schutz der Wal­dameisen von großer Bedeu­tung. Mehrere Wal­dameise­narten gel­ten als beson­ders geschützt. Für die Rote Wal­dameise wird dies sowohl in den ein­schlägi­gen Arten­in­for­ma­tio­nen als auch in den Infor­ma­tio­nen zum Nation­al­park Eifel aus­gewiesen.

Der Schutz bedeutet in der Prax­is, dass die Tiere und ihre Entwick­lungs­for­men nicht ohne rechtliche Grund­lage gefan­gen, ver­let­zt oder getötet wer­den dür­fen. Auch die Beschädi­gung oder Zer­störung ihrer Fortpflanzungs- und Ruh­estät­ten kann rechtlich rel­e­vant sein.

Bei forstlichen Maß­nah­men ist deshalb grund­sät­zlich Vor­sicht geboten, wenn sich ein Ameisen­hügel im Arbeits­bere­ich befind­et. Die konkrete rechtliche Bew­er­tung kann von der jew­eili­gen Maß­nahme und den örtlichen Umstän­den abhän­gen. Eine all­ge­meine Veröf­fentlichung erset­zt daher keine fach­liche oder behördliche Prü­fung im Einzelfall.

Die Nordeifel als Lebensraum zwischen Waldwirtschaft und Naturschutz

Die Norde­ifel ste­ht beispiel­haft für eine Land­schaft, in der unter­schiedliche Ansprüche an den Wald zusam­men­tr­e­f­fen. Die Wälder sollen Holz liefern, Kohlen­stoff spe­ich­ern, Wass­er- und Boden­schutz leis­ten, Leben­sraum für Tiere und Pflanzen bieten und zugle­ich der Bevölkerung als Erhol­ungsraum dienen.

Wal­dameisen prof­i­tieren beson­ders dort, wo diese Funk­tio­nen miteinan­der ver­bun­den wer­den. Struk­tur­re­iche Wälder, gut entwick­elte Wal­drän­der und ein ver­ant­wor­tungsvoller Umgang mit beson­deren Lebensstät­ten kön­nen dazu beitra­gen, die Lebens­be­din­gun­gen der Tiere zu erhal­ten.

Dabei ist auch die Dynamik des Waldes zu berück­sichti­gen. Stürme, Trock­en­pe­ri­o­den und Kalamitäten kön­nen Wald­struk­turen inner­halb kurz­er Zeit verän­dern. Eine offene Fläche kann vorüberge­hend gün­stige Bedin­gun­gen für bes­timmte Arten bieten, während eine spätere Ver­buschung oder Wieder­be­wal­dung den Leben­sraum wieder verän­dert.

Für die Wal­dameise bedeutet dies, dass ihr Leben­sraum nicht sta­tisch ist. Ein geeigneter Stan­dort kann sich im Laufe der Zeit verän­dern. Eine erfol­gre­iche Schutzs­trate­gie muss deshalb nicht nur einzelne Ameisen­hügel schützen, son­dern auch die langfristige Entwick­lung des Umfeldes berück­sichti­gen.

Was Spaziergängerinnen und Spaziergänger beachten sollten

Ein Ameisen­hügel sollte grund­sät­zlich nicht betreten oder beschädigt wer­den. Auch das Aufnehmen von Tieren oder Nest­ma­te­r­i­al kann prob­lema­tisch sein. Besucherin­nen und Besuch­er soll­ten Abstand hal­ten und die Tiere in Ruhe beobacht­en.

Beson­ders im Früh­jahr und Som­mer kann die Aktiv­ität an einem Ameisen­hügel sehr hoch sein. Das ist ein faszinieren­des Natur­erleb­nis, sollte aber mit dem notwendi­gen Respekt gegenüber den geschützten Tieren ver­bun­den wer­den.

Wer einen beschädigten Ameisen­hügel ent­deckt, sollte nicht eigen­ständig ver­suchen, die Kolonie umzuset­zen oder das Nest umfassend zu repari­eren. Je nach Sit­u­a­tion kann eine fachkundi­ge Ein­schätzung erforder­lich sein.

Fazit: Die Waldameise verdient besondere Aufmerksamkeit

Wal­dameisen sind kleine, aber ökol­o­gisch bedeu­tende Bewohn­er unser­er Wälder. In der Norde­ifel find­en sich zahlre­iche Waldleben­sräume, in denen die Tiere Teil kom­plex­er ökol­o­gis­ch­er Zusam­men­hänge sind. Ihre Kolonien reg­ulieren Insek­tenbestände, bee­in­flussen den Stoffhaushalt des Bodens und ste­hen für die hohe biol­o­gis­che Ver­net­zung natur­na­her Wald­struk­turen.

Für die Forstwirtschaft bedeutet der Schutz der Wal­dameisen vor allem, bekan­nte Kolonien bei der Pla­nung und Durch­führung von Maß­nah­men zu berück­sichti­gen. Ein sorgfältiger Umgang mit Ameisen­hügeln ist dabei nicht nur eine rechtliche Verpflich­tung, son­dern auch ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der biol­o­gis­chen Vielfalt im Wald.

Die Norde­ifel zeigt ein­drucksvoll, wie eng forstliche Nutzung, Naturschutz und die Dynamik von Waldökosys­te­men miteinan­der ver­bun­den sind. Die Wal­dameise ist dabei ein beson­ders anschaulich­es Beispiel für die vie­len oft überse­henen Organ­is­men, die für die Funk­tions­fähigkeit des Waldes von Bedeu­tung sind.

Dieser Fach­beitrag wurde von Andreas Zing­sheim für Eifelforsten.de erstellt und wid­met sich der Bedeu­tung der Wal­dameisen und ihrer Leben­sräume in der Norde­ifel. Weit­ere forstliche Fach­beiträge zur Waldökolo­gie, Forstwirtschaft und Nat­u­rausstat­tung der Eifel find­en sich auf Eifelforsten.de.