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Wem gehört der Wald in NRW? Eigentumsstrukturen zwischen Privatwald, Staatswald und Körperschaftswald

Nor­drhein-West­falen gehört zu den wal­dre­ich­sten Bun­deslän­dern Deutsch­lands. Rund ein Drit­tel der Lan­des­fläche ist mit Wald bedeckt. Dabei ist die Eigen­tumsstruk­tur des nor­drhein-west­fälis­chen Waldes beson­ders vielfältig: Der größte Anteil ent­fällt auf pri­vate Waldbe­sitzerin­nen und Waldbe­sitzer, gefol­gt vom Kör­per­schaftswald sowie dem lan­de­seige­nen Staatswald. Beson­ders deut­lich wird diese Vielfalt in der Norde­ifel, wo große zusam­men­hän­gende Waldge­bi­ete, kom­mu­nale Forst­be­triebe, Pri­vat­wald und staatliche Wald­flächen unmit­tel­bar nebeneinan­der­liegen.

Dieser forstliche Überblick von Andreas Zing­sheim, veröf­fentlicht auf Eifelforsten.de, betra­chtet die wichtig­sten Eigen­tümerkat­e­gorien und ihre Bedeu­tung für die Wald­be­wirtschaf­tung in Nor­drhein-West­falen. Ein beson­der­er Schw­er­punkt liegt auf der Norde­ifel und der Frage, warum sich aus der Größe ein­er Wald­fläche allein nicht immer ableit­en lässt, wem ein konkreter Wald gehört.

Privatwaldbesitz ist die größte Eigentümerkategorie in NRW

Die größte Waldeigen­tümer­gruppe in Nor­drhein-West­falen ist nicht ein einzel­ner Großbe­sitzer, son­dern die Gesamtheit der pri­vat­en Waldbe­sitzerin­nen und Waldbe­sitzer. Nach Angaben des nor­drhein-west­fälis­chen Land­wirtschaftsmin­is­teri­ums wer­den rund 63 Prozent der Wald­fläche des Lan­des von mehr als 150.000 pri­vat­en Waldbe­sitzerin­nen und Waldbe­sitzern bewirtschaftet. Das entspricht unge­fähr 600.000 Hek­tar Wald.

© Land NRW (2021), © BKG (2021) OSM FireMap

Damit nimmt Nor­drhein-West­falen beim Pri­vat­wald bun­desweit eine beson­dere Stel­lung ein. Die Besitzstruk­tur ist allerd­ings stark zer­split­tert. Neben größeren pri­vat­en Forst­be­trieben existieren zahlre­iche kleinere Wald­flächen, Fam­i­lien­wälder, Erbenge­mein­schaften und land- oder forstwirtschaftliche Betriebe mit Waldbe­sitz.

Ger­ade in der Norde­ifel ist diese klein­teilige Struk­tur von großer Bedeu­tung. Viele Wald­flächen sind his­torisch gewach­sen und über Gen­er­a­tio­nen weit­ergegeben wor­den. Dadurch kann ein zusam­men­hän­gend wirk­ender Wald aus zahlre­ichen unter­schiedlichen Flurstück­en und Eigen­tumsver­hält­nis­sen beste­hen. Für die forstliche Prax­is bedeutet dies, dass Bewirtschaf­tung, Holz­ernte, Wieder­be­wal­dung und Waldpflege häu­fig eine enge Zusam­me­nar­beit mehrerer Waldbe­sitzer erfordern.

Die große Zahl pri­vater Eigen­tümer macht den Pri­vat­wald in Nor­drhein-West­falen zu einem zen­tralen Bestandteil der regionalen Forstwirtschaft. Zugle­ich ist es aus Daten­schutz­grün­den nicht sachgerecht, pri­vate Eigen­tümer ohne konkreten Anlass oder öffentlich zugängliche und belast­bare Quellen namentlich zu erfassen oder einzelne Ver­mö­gens- und Besitzver­hält­nisse zu veröf­fentlichen.

Das Land Nordrhein-Westfalen als bedeutender staatlicher Waldeigentümer

Der zweitwichtig­ste Blick auf die Eigen­tumsstruk­tur führt zum Staatswald des Lan­des Nor­drhein-West­falen. Das Land besitzt nach den aktuellen Angaben des nor­drhein-west­fälis­chen Land­wirtschaftsmin­is­teri­ums rund 128.000 Hek­tar Wald. Damit ent­fall­en unge­fähr 13 Prozent der gesamten Wald­fläche Nor­drhein-West­falens auf den lan­de­seige­nen Staatswald.

Bewirtschaftet wird dieser Wald durch den Lan­des­be­trieb Wald und Holz Nor­drhein-West­falen. Der Staatswald erfüllt dabei mehrere Funk­tio­nen gle­ichzeit­ig. Neben der nach­halti­gen Pro­duk­tion des Rohstoffs Holz spie­len der Schutz von Boden, Wass­er und Bio­di­ver­sität sowie die Erhol­ungs­funk­tion eine wichtige Rolle.

Auch in der Eifel besitzt der Staatswald eine beson­dere Bedeu­tung. Staatliche Wald­flächen liegen in ver­schiede­nen Teilen der Region und ste­hen teil­weise in engem Zusam­men­hang mit naturschutz­fach­lich beson­ders wertvollen Gebi­eten. Der nor­drhein-west­fälis­che Staatswald umfasst unter anderem natur­na­he Laub- und Mis­chwälder sowie Flächen mit beson­deren Schutz- und Erhol­ungs­funk­tio­nen.

Eine Beson­der­heit beste­ht darin, dass der Staatswald nicht auss­chließlich unter dem Gesicht­spunkt der Holzpro­duk­tion bewirtschaftet wird. Das Leit­bild ein­er mul­ti­funk­tionalen und natur­na­hen Forstwirtschaft verbindet wirtschaftliche, ökol­o­gis­che und gesellschaftliche Ansprüche. In bes­timmten Schutzge­bi­eten, Natur­waldzellen und Wild­nis­bere­ichen ste­ht dage­gen der Schutz natür­lich­er Prozesse stärk­er im Vorder­grund.

Kommunen und andere Körperschaften als wichtige Waldeigentümer

Die dritte große Eigen­tümerkat­e­gorie ist der Kör­per­schaftswald. Dazu zählen ins­beson­dere Städte und Gemein­den, aber auch weit­ere Kör­per­schaften des öffentlichen Rechts.

In Nor­drhein-West­falen bewirtschaften Kör­per­schaften rund 21 Prozent der Wald­fläche. Beson­ders in wal­dre­ichen Regio­nen kann der Kom­mu­nal­wald eine erhe­bliche Bedeu­tung für die lokale Forstwirtschaft besitzen. Gemein­den und Städte sind dabei nicht nur Waldeigen­tümer, son­dern tra­gen häu­fig auch Ver­ant­wor­tung für die Erhol­ungsin­fra­struk­tur, Wald­wege und weit­ere öffentliche Inter­essen.

In der Norde­ifel besitzen zahlre­iche Kom­munen größere Wald­flächen. Diese kom­mu­nalen Forst­be­triebe ste­hen vor beson­deren Her­aus­forderun­gen. Ein­er­seits müssen sie die Wälder nach­haltig bewirtschaften und die geset­zlichen Anforderun­gen erfüllen. Ander­er­seits sind kom­mu­nale Wälder für die Bevölkerung wichtige Erhol­ungsräume und erfüllen bedeu­tende Funk­tio­nen für den Natur- und Land­schaftss­chutz.

Der Kom­mu­nal­wald zeigt beson­ders deut­lich, dass Waldbe­sitz weit mehr ist als eine reine Eigen­tums­frage. Ein kom­mu­naler Forst­be­trieb muss wirtschaftliche, ökol­o­gis­che und gesellschaftliche Ziele miteinan­der verbinden. Ger­ade in touris­tisch stark genutzten Gebi­eten der Norde­ifel kann die Erhol­ungs­funk­tion des Waldes eine ähn­lich große Bedeu­tung besitzen wie die Holzpro­duk­tion.

Die Nordeifel: Eine besonders vielfältige Waldbesitzstruktur

Die Norde­ifel gehört zu den forstlich inter­es­san­testen Regio­nen Nor­drhein-West­falens. Die Land­schaft ist durch Höhen­züge, Täler, unter­schiedliche Böden und ein wech­sel­ndes Kli­ma geprägt. Diese natur­räum­liche Vielfalt spiegelt sich auch in der Wald­be­wirtschaf­tung wider.

In der Region tre­f­fen Pri­vat­wald, kom­mu­naler Kör­per­schaftswald und Staatswald aufeinan­der. Hinzu kom­men Schutzge­bi­ete und beson­dere Wald­flächen mit unter­schiedlichen rechtlichen und naturschutz­fach­lichen Zielset­zun­gen.

Für Waldbe­sitzer in der Norde­ifel haben sich die Rah­menbe­din­gun­gen in den ver­gan­genen Jahren deut­lich verän­dert. Sturmereignisse, Trock­en­heit, Borkenkäfer­be­fall und großflächige Schadereignisse haben ins­beson­dere nadel­holzre­iche Bestände stark belastet. Die Wieder­be­wal­dung der Schad­flächen ist deshalb zu ein­er der zen­tralen Auf­gaben der regionalen Forstwirtschaft gewor­den.

Dabei spielt die Eigen­tumsstruk­tur eine wichtige Rolle. Während große Forst­be­triebe umfan­gre­iche Maß­nah­men häu­fig eigen­ständig pla­nen und umset­zen kön­nen, sind kleinere pri­vate Waldbe­sitzer vielfach auf Beratung, forstliche Zusam­men­schlüsse und gemein­schaftliche Lösun­gen angewiesen. Forst­be­trieb­s­ge­mein­schaften und andere For­men der Zusam­me­nar­beit kön­nen dabei helfen, die Bewirtschaf­tung klein­er und ver­streut liegen­der Wald­flächen wirtschaftlich und fach­lich zu organ­isieren.

Wer sind die größten einzelnen Waldeigentümer?

Die Frage nach dem „größten Waldeigen­tümer“ ist in Nor­drhein-West­falen nicht ganz ein­fach zu beant­worten. Bei öffentlichen Eigen­tümern lassen sich größere Besitzkat­e­gorien und insti­tu­tionelle Eigen­tümer rel­a­tiv klar benen­nen. Beim Pri­vat­wald ist die Sit­u­a­tion jedoch deut­lich kom­plex­er.

Die größte Eigen­tümer­gruppe ist der pri­vate Waldbe­sitz ins­ge­samt. Dieser verteilt sich auf eine sehr große Zahl von Eigen­tümerin­nen und Eigen­tümern. Eine einzelne pri­vate Per­son oder Fam­i­lie kann daher zwar große Wald­flächen besitzen, stellt aber nicht automa­tisch den größten Waldeigen­tümer Nor­drhein-West­falens dar.

Für eine ser­iöse forstliche Betra­ch­tung ist deshalb zwis­chen Eigen­tümer­grup­pen und einzel­nen Eigen­tümern zu unter­schei­den. Öffentlich bekan­nte insti­tu­tionelle Eigen­tümer kön­nen grund­sät­zlich namentlich genan­nt wer­den. Bei pri­vat­en Per­so­n­en gel­ten dage­gen daten­schutzrechtliche und per­sön­lichkeit­srechtliche Gren­zen. Eigen­tum­sangaben soll­ten daher nur veröf­fentlicht wer­den, wenn sie aus ein­er belast­baren, recht­mäßig zugänglichen und für die Veröf­fentlichung geeigneten Quelle stam­men.

Aus diesem Grund verzichtet dieser Beitrag bewusst auf die Veröf­fentlichung von Namenslis­ten pri­vater Waldeigen­tümer. Die für die forstliche Einord­nung entschei­dende Infor­ma­tion ist vielmehr die Struk­tur: In Nor­drhein-West­falen dominiert der Pri­vat­wald, während das Land Nor­drhein-West­falen und die Kom­munen weit­ere bedeu­tende Wald­flächen bewirtschaften.

Eigentum und Bewirtschaftung sind nicht dasselbe

Ein wichtiger Punkt wird bei Diskus­sio­nen über Waldeigen­tümer häu­fig überse­hen: Eigen­tum und Bewirtschaf­tung kön­nen auseinan­der­fall­en.

Ein Wald kann beispiel­sweise ein­er Pri­vat­per­son, ein­er Erbenge­mein­schaft oder ein­er Kör­per­schaft gehören, während die prak­tis­che forstliche Betreu­ung durch einen Forst­be­trieb, eine Forst­be­trieb­s­ge­mein­schaft oder einen beauf­tragten Dien­stleis­ter erfol­gt. Auch staatliche und kom­mu­nale Wald­flächen wer­den in der Regel durch pro­fes­sionelle Forstor­gan­i­sa­tio­nen bewirtschaftet.

Für die Öffentlichkeit ist daher nicht immer unmit­tel­bar erkennbar, wem eine bes­timmte Wald­fläche gehört. Ein Wald­weg, ein Bestand oder eine größere zusam­men­hän­gende Wald­land­schaft muss nicht zwin­gend einem einzi­gen Eigen­tümer gehören.

Ger­ade in der Norde­ifel ist die Eigen­tumsstruk­tur vielerorts klein­teilig und his­torisch gewach­sen. Eine fach­lich kor­rek­te Zuord­nung einzel­ner Flächen erfordert daher belast­bare Kataster- und Grund­buch­in­for­ma­tio­nen. Solche Dat­en sind nicht mit ein­er all­ge­meinen öffentlichen Namenssuche gle­ichzuset­zen und dür­fen nicht ohne Weit­eres per­so­n­en­be­zo­gen veröf­fentlicht oder zusam­menge­führt wer­den.

Datenschutz bei Informationen über Waldbesitzer

Bei der Veröf­fentlichung forstlich­er Infor­ma­tio­nen ist der Daten­schutz beson­ders zu beacht­en. Angaben zu natür­lichen Per­so­n­en, die Rückschlüsse auf Eigen­tum, Ver­mö­gen oder konkrete Grund­stücke zulassen, kön­nen per­so­n­en­be­zo­gene Dat­en darstellen.

Daher sollte eine öffentlich zugängliche forstliche Darstel­lung grund­sät­zlich auf aggregierte und sach­be­zo­gene Infor­ma­tio­nen set­zen. Dazu gehören beispiel­sweise Wald­flächen nach Eigen­tümerkat­e­gorien, Angaben zu öffentlichen Insti­tu­tio­nen oder all­ge­meine Infor­ma­tio­nen über kom­mu­nale und staatliche Forst­be­triebe.

Nicht erforder­lich ist dage­gen die Veröf­fentlichung pri­vater Namen, genauer Besitz­größen oder konkreter Grund­stück­szuord­nun­gen, wenn diese Infor­ma­tio­nen für die fach­liche Aus­sage keine Rolle spie­len. Der vor­liegende Beitrag konzen­tri­ert sich deshalb auf die Eigen­tümer­struk­tur des Waldes in Nor­drhein-West­falen und der Norde­ifel und nicht auf eine per­so­n­en­be­zo­gene Auflis­tung pri­vater Waldeigen­tümer.

Fazit: NRW ist vor allem ein Land des Privatwaldes

Die größten Waldeigen­tümer Nor­drhein-West­falens lassen sich vor allem nach Eigen­tümerkat­e­gorien einord­nen. Mit rund 63 Prozent der Wald­fläche stellt der Pri­vat­wald die mit Abstand größte Eigen­tümer­gruppe dar. Das Land Nor­drhein-West­falen besitzt rund 13 Prozent der Wald­fläche und bewirtschaftet damit einen bedeu­ten­den Staatswaldbe­stand. Rund 21 Prozent ent­fall­en auf Kör­per­schaften, ins­beson­dere Kom­munen.

In der Norde­ifel zeigt sich diese Mis­chung beson­ders deut­lich. Pri­vate Waldbe­sitzer, kom­mu­nale Forst­be­triebe und staatliche Wald­flächen prä­gen gemein­sam das Land­schafts­bild und die forstliche Prax­is. Die Zukun­ft des Waldes hängt deshalb nicht von einem einzel­nen Eigen­tümer ab, son­dern von der Zusam­me­nar­beit viel­er Akteure.

Für die Norde­ifel bedeutet dies: Kli­masta­bile Wälder, nach­haltige Holzpro­duk­tion, Naturschutz und Erhol­ung müssen gemein­sam gedacht wer­den. Ger­ade die unter­schiedlichen Eigen­tumsstruk­turen machen die regionale Forstwirtschaft anspruchsvoll, bieten aber auch Chan­cen für vielfältige und an die jew­eili­gen Stan­dorte angepasste Wald­konzepte.

Dieser Beitrag wurde von Andreas Zing­sheim für Eifelforsten.de erstellt und ord­net die Eigen­tumsstruk­turen des Waldes in Nor­drhein-West­falen mit beson­derem Blick auf die Norde­ifel fach­lich und daten­schutzbe­wusst ein.