Wer durch die Wälder der Eifel streift, erlebt eine Land­schaft, die Ruhe, Natür­lichkeit und Beständigkeit ausstrahlt. Mächtige Buchen, urige Eichen, junge Mis­chwälder und die verbliebe­nen Ficht­enbestände prä­gen das Land­schafts­bild zwis­chen Norde­ifel, Nation­al­park und Hohes Venn. Was viele Waldbe­such­er jedoch nicht wis­sen: Hin­ter jedem gesun­den Wald steckt die tägliche Arbeit von Men­schen, die meist fernab der öffentlichen Wahrnehmung tätig sind. Förster, Forstwirte, Waldbe­sitzer und forstliche Unternehmer sor­gen dafür, dass der Wald auch mor­gen noch seine vielfälti­gen Funk­tio­nen erfüllen kann. Erstaunlich ist dabei, dass sich bun­desweit lediglich rund 40.000 bis 45.000 Men­schen unmit­tel­bar in der Forstwirtschaft um mehr als 11,5 Mil­lio­nen Hek­tar Wald küm­mern. Das entspricht etwa einem Drit­tel der gesamten Lan­des­fläche Deutsch­lands. Betra­chtet man diese Zahlen, wird schnell deut­lich, welch enorme Ver­ant­wor­tung auf den Schul­tern ver­gle­ich­sweise weniger Fachkräfte lastet.

Copyright © 2026 Andreas Zingsheim
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Ger­ade die Eifel zeigt ein­drucksvoll, warum die Arbeit der Forstwirtschaft heute wichtiger ist als jemals zuvor. Die Region gehört zu den wal­dre­ich­sten Land­schaften Deutsch­lands und ist gle­ichzeit­ig beson­ders stark von den Fol­gen des Kli­mawan­dels betrof­fen. Über Jahrzehnte prägten großflächige Ficht­enbestände das Bild viel­er Höhen­la­gen. Sie liefer­ten hochw­er­tiges Bauholz, waren wirtschaftlich inter­es­sant und gal­ten lange Zeit als geeignete Bau­mart für zahlre­iche Stan­dorte. Doch die außergewöhn­lich trock­e­nen Som­mer der ver­gan­genen Jahre, wiederkehrende Stürme und die explo­sion­sar­tige Ver­mehrung des Borkenkäfers führten dazu, dass inner­halb weniger Jahre ganze Waldbestände zusam­men­brachen. Mil­lio­nen abgestor­ben­er Ficht­en mussten gefällt und aufgear­beit­et wer­den. Für viele Men­schen ent­stand der Ein­druck eines Wald­ster­bens. Tat­säch­lich begann gle­ichzeit­ig jedoch eine der größten Wieder­be­wal­dungs­maß­nah­men seit Gen­er­a­tio­nen.

Die mod­erne Forstwirtschaft ste­ht heute vor der Auf­gabe, den Wald auf die kli­ma­tis­chen Bedin­gun­gen der kom­menden Jahrzehnte vorzu­bere­it­en. Dabei geht es längst nicht mehr auss­chließlich um die Pro­duk­tion des Rohstoffes Holz. Vielmehr müssen Wälder entste­hen, die wider­stands­fähig gegenüber Hitze, Trock­en­heit, Stür­men und neuen Schador­gan­is­men sind. Gle­ichzeit­ig sollen sie weit­er­hin Leben­sraum für Tiere und Pflanzen bieten, Kohlen­stoff spe­ich­ern, sauberes Trinkwass­er schützen und Mil­lio­nen Men­schen als Erhol­ungsraum dienen. Diese Vielzahl an Auf­gaben macht deut­lich, wie kom­plex die Arbeit im Wald inzwis­chen gewor­den ist.

Die rund 40.000 bis 45.000 Beschäftigten der deutschen Forstwirtschaft bilden dabei eine äußerst viel­seit­ige Beruf­s­gruppe. Neben den klas­sis­chen Revier­förstern arbeit­en aus­ge­bildete Forstwirtin­nen und Forstwirte täglich im Wald. Sie pflanzen junge Bäume, pfle­gen Kul­turen, führen Jungbe­stand­spflege und Durch­forstun­gen durch, sich­ern Wald­wege, bekämpfen inva­sive Pflanzenarten und küm­mern sich um die Verkehrssicher­heit ent­lang von Straßen und Wan­der­we­gen. Hinzu kom­men Forstin­ge­nieure, Forstwissenschaftler, Holzver­mark­ter, GIS-Spezial­is­ten sowie zahlre­iche selb­st­ständi­ge Forstun­ternehmen, die mit hochmod­er­nen Maschi­nen Holz ern­ten oder Pflanzun­gen durch­führen. Viele Waldbe­sitzer beschäfti­gen heute keine eige­nen Wal­dar­beit­er mehr, son­dern beauf­tra­gen spezial­isierte Dien­stleis­tung­sun­ternehmen. Dadurch ist die eigentliche Zahl der Men­schen, die regelmäßig im Wald arbeit­en, sog­ar etwas höher als die offiziellen Beschäftigten­zahlen ver­muten lassen.

Die Anforderun­gen an diese Berufe haben sich in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten grundle­gend verän­dert. Während früher Motorsäge, Axt und Rück­epferd den Arbeit­sall­t­ag bes­timmten, dominieren heute hochmod­erne Har­vester, For­warder und dig­i­tale Geoin­for­ma­tion­ssys­teme. Ein mod­ern­er Har­vester ver­misst jeden einzel­nen Stamm elek­tro­n­isch, berech­net automa­tisch die opti­male Holzaus­for­mung und kann inner­halb weniger Stun­den Holz­men­gen aufar­beit­en, für die früher mehrere Wal­dar­beit­er tage­lang benötigt wur­den. Satel­li­ten­dat­en, Drohnen und dig­i­tale Wald­karten unter­stützen Förster inzwis­chen bei der Pla­nung von Wieder­be­wal­dungs­maß­nah­men oder der Kon­trolle von Schad­flächen. Trotz dieser tech­nis­chen Entwick­lung bleibt die Arbeit anspruchsvoll und ver­langt umfassendes Fach­wis­sen über Waldökolo­gie, Bodenkunde, Kli­maforschung, Wild­bi­olo­gie und Holz­markt.

Beson­ders deut­lich wird die Bedeu­tung dieses Wis­sens derzeit in der Eifel. Wo einst großflächige Ficht­enbestände standen, entste­hen heute vielfältige Mis­chwälder. Heimis­che Bau­marten wie Rot­buche, Traubene­iche, Berga­horn, Win­ter­linde oder Hain­buche gewin­nen wieder an Bedeu­tung. Ergänzt wer­den sie vielerorts durch kli­ma­tol­er­ante Bau­marten wie Dou­glasie oder Weiß­tanne, die auf geeigneten Stan­dorten sta­bile Mis­chbestände bilden kön­nen. Ziel ist es, Wälder zu schaf­fen, die nicht nur wirtschaftlich leis­tungs­fähig sind, son­dern gle­ichzeit­ig wider­stands­fähiger gegenüber den Her­aus­forderun­gen des Kli­mawan­dels wer­den.

Dabei spielt auch die Jagd eine entschei­dende Rolle. Ger­ade in Regio­nen wie der Eifel entschei­det der Wild­ver­biss häu­fig darüber, ob junge Bäume über­haupt eine Chance haben, sich natür­lich zu entwick­eln. Reh‑, Rot- und Muf­fel­wild bevorzu­gen oft­mals genau jene Bau­marten, die für den Wal­dum­bau beson­ders wichtig sind. Wer­den junge Eichen, Tan­nen oder Ahorne regelmäßig ver­bis­sen, bleiben häu­fig weniger geeignete Bau­marten zurück. Eine nach­haltige und wald­verträgliche Jagd ist deshalb ein unverzicht­bar­er Bestandteil mod­ern­er Forstwirtschaft. Sie ermöglicht die natür­liche Ver­jün­gung des Waldes und reduziert gle­ichzeit­ig den Bedarf an kost­spieli­gen Wild­schutz­zäunen. Wald und Jagd sind deshalb keine Gegen­sätze, son­dern eng miteinan­der ver­bun­den und ver­fol­gen das gemein­same Ziel, sta­bile und vielfältige Wälder für kom­mende Gen­er­a­tio­nen zu entwick­eln.

Obwohl in der eigentlichen Forstwirtschaft ver­gle­ich­sweise wenige Men­schen beschäftigt sind, reicht ihre wirtschaftliche Bedeu­tung weit über den Wald hin­aus. Die nach­haltige Bere­it­stel­lung des Rohstoffes Holz bildet die Grund­lage ein­er gesamten Wertschöp­fungs­kette. Vom Sägew­erk über die Holzw­erk­stoffind­us­trie, die Papier­her­stel­lung und den mod­er­nen Holzbau bis hin zur Möbe­lin­dus­trie hän­gen in Deutsch­land mehr als eine Mil­lion Arbeit­splätze direkt oder indi­rekt vom Wald ab. Ger­ade in ländlichen Regio­nen wie der Eifel sich­ern zahlre­iche mit­tel­ständis­che Sägew­erke, Zim­mereien, Schreinereien und holzver­ar­bei­t­ende Betriebe Einkom­men und Arbeit­splätze. Die Forstwirtschaft ist damit nicht nur ein ökol­o­gis­ch­er, son­dern auch ein bedeu­ten­der wirtschaftlich­er Fak­tor.

Gle­ichzeit­ig ste­ht die Branche vor erhe­blichen Her­aus­forderun­gen. Viele erfahrene Förster und Forstwirte erre­ichen in den kom­menden Jahren das Rentenal­ter, während sich immer weniger junge Men­schen für einen Beruf in der Forstwirtschaft entschei­den. Der Fachkräfte­man­gel macht sich bere­its heute bemerk­bar und kön­nte den drin­gend notwendi­gen Wal­dum­bau erhe­blich erschw­eren. Dabei bietet kaum eine andere Branche derzeit ver­gle­ich­bare Zukun­ftsper­spek­tiv­en. Die Anpas­sung der Wälder an den Kli­mawan­del wird Gen­er­a­tio­nen beschäfti­gen und erfordert gut aus­ge­bildete Fachkräfte mit umfan­gre­ichen Ken­nt­nis­sen in Waldökolo­gie, Naturschutz, Tech­nik und nach­haltiger Land­nutzung.

Dass Deutsch­land trotz sein­er großen Wald­fläche mit lediglich rund 45.000 Beschäftigten in der Forstwirtschaft auskommt, liegt vor allem an der hohen Mech­a­nisierung und der enor­men Pro­duk­tiv­ität mod­ern­er Arbeitsver­fahren. Gle­ichzeit­ig verdeut­licht diese Zahl aber auch, wie effizient und ver­ant­wor­tungsvoll die Forstwirtschaft arbeit­et. Jed­er einzelne Förster und Forstwirt trägt Ver­ant­wor­tung für große Wald­flächen und trifft Entschei­dun­gen, deren Auswirkun­gen häu­fig erst nach Jahrzehn­ten sicht­bar wer­den. Ein heute gepflanzter Baum wird oft­mals erst von der näch­sten oder übernäch­sten Gen­er­a­tion genutzt. Kaum ein ander­er Beruf ver­langt daher ein der­art langfristiges Denken.

Die Eifel zeigt beispiel­haft, welche Bedeu­tung nach­haltige Forstwirtschaft für unsere Gesellschaft besitzt. Ihre Wälder spe­ich­ern große Men­gen Kohlen­stoff, schützen Böden und Trinkwass­er, bieten Leben­sraum für unzäh­lige Tier- und Pflanzenarten und prä­gen das Land­schafts­bild ein­er ganzen Region. Gle­ichzeit­ig liefern sie den nachwach­senden Rohstoff Holz und schaf­fen Raum für Erhol­ung, Touris­mus und Natur­erleb­nis. Dass all diese Leis­tun­gen erbracht wer­den kön­nen, ist keineswegs selb­stver­ständlich. Sie beruhen auf der täglichen Arbeit ein­er ver­gle­ich­sweise kleinen Beruf­s­gruppe, deren Bedeu­tung häu­fig unter­schätzt wird.

Wer heute durch die Wälder der Eifel wan­dert, blickt daher nicht nur auf Natur, son­dern auch auf das Ergeb­nis jahrzehn­te­langer forstlich­er Pla­nung und Pflege. Angesichts der Fol­gen des Kli­mawan­dels wird deut­lich, dass die Zukun­ft unser­er Wälder nicht dem Zufall über­lassen wer­den darf. Sie hängt entschei­dend von den Men­schen ab, die den Wald bewirtschaften, ihn schützen und ihn für kom­mende Gen­er­a­tio­nen weit­er­en­twick­eln. Die rund 45.000 Beschäftigten der deutschen Forstwirtschaft tra­gen damit Ver­ant­wor­tung für einen der wertvoll­sten Leben­sräume unseres Lan­des – und ger­ade in der Eifel wird sicht­bar, wie unverzicht­bar ihre Arbeit für Natur, Kli­ma und Gesellschaft gewor­den ist.

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Autor: Andreas Zing­sheim – Grün­der von Eifelforsten, Fachau­tor für Jagd, Forstwirtschaft und Wildtier­man­age­ment.