Wer in der Nordeifel auf die Jagd geht oder regelmäßig Wildbret aus heimischer Jagd genießt, wird früher oder später mit dem Thema Hautdasseln beim Reh in Berührung kommen. Besonders während der Wintermonate entdecken Jäger beim Abschwarten immer wieder kleine, rundliche Beulen unter der Decke des Rehwildes. Der erste Eindruck wirkt auf viele ungewohnt und sorgt nicht selten für Verunsicherung. Schnell stellt sich die Frage, ob das Wild krank ist und ob das Fleisch überhaupt noch verzehrt werden darf.

Die gute Nachricht vorweg: Hautdasseln sind zwar ein Parasitenbefall, stellen jedoch in den meisten Fällen kein Gesundheitsrisiko für den Menschen dar. Entscheidend ist vielmehr, wie stark der Befall ausgeprägt ist und ob bei der Wildversorgung die Grundsätze der Wildbrethygiene konsequent eingehalten werden. Gerade in der Nordeifel gehören Hautdasseln seit Jahrzehnten zum natürlichen Erscheinungsbild des Rehwildes und sind kein außergewöhnlicher Befund.
Ein natürlicher Parasit des Rehwildes
Verursacht werden Hautdasseln durch die Larven der Rehdasselfliege (Hypoderma diana). Diese Fliegenart ist auf Schalenwild spezialisiert und befällt vor allem Rehe, seltener Rot- oder Damwild. Die erwachsenen Dasselfliegen sind nur wenige Wochen im Jahr aktiv. Ihre Flugzeit beginnt meist im späten Frühjahr und reicht bis in den Hochsommer. Während dieser Zeit legen die Weibchen ihre Eier an den Haaren des Rehwildes ab.
Nach wenigen Tagen schlüpfen die winzigen Larven und bohren sich durch die Haut in das darunterliegende Gewebe. Von dort aus beginnt eine mehrere Monate dauernde Wanderung durch den Körper des Tieres. Erst im Spätherbst oder Winter erreichen die Larven den Rücken- und Lendenbereich. Hier entwickeln sie sich in kleinen Hohlräumen direkt unter der Haut weiter. Von außen entstehen die charakteristischen Dasselbeulen, die beim lebenden Tier häufig kaum auffallen, beim Abschwarten jedoch sofort sichtbar werden.
Jede Larve besitzt eine kleine Atemöffnung, die durch die Haut nach außen führt. Über diese Öffnung wird Sauerstoff aufgenommen. Im Frühjahr verlassen die ausgewachsenen Larven schließlich das Reh, fallen auf den Boden, verpuppen sich und entwickeln sich innerhalb weniger Wochen zur nächsten Generation von Dasselfliegen. Anschließend beginnt der natürliche Lebenszyklus erneut.
Warum treten Hautdasseln gerade in der Nordeifel regelmäßig auf?
Die Nordeifel bietet mit ihren ausgedehnten Mischwäldern, den strukturreichen Offenlandbereichen, Heckenlandschaften und einem stabilen Rehwildbestand ideale Voraussetzungen für den Lebenszyklus der Rehdasselfliege. In den Revieren rund um Hellenthal, Schleiden, Kall, Nettersheim, Mechernich oder Bad Münstereifel werden Hautdasseln deshalb regelmäßig festgestellt.
Das Auftreten ist dabei keineswegs ein Zeichen für eine schlechte Wildgesundheit oder eine mangelhafte Hege. Vielmehr handelt es sich um einen natürlichen Parasiten, der seit Jahrhunderten zum Ökosystem gehört. Ähnlich wie Zecken oder Hirschlausfliegen treten Hautdasseln regional unterschiedlich häufig auf. Warme Sommer begünstigen oftmals eine höhere Aktivität der Dasselfliegen, sodass im darauffolgenden Winter mehr befallene Stücke festgestellt werden können.
Wie erkennt man Hautdasseln?
Beim lebenden Reh sind Hautdasseln meist nur schwer zu erkennen. Erst gegen Ende der Entwicklung zeichnen sich gelegentlich kleine Erhebungen entlang des Rückens ab. Deutlich sichtbar werden sie jedoch während des Abschwartens.
Typisch sind mehrere rundliche Beulen unter der Decke, die je nach Entwicklungsstadium zwischen einem und vier Zentimeter groß sein können. Entfernt man die Haut, erscheinen gelbliche bis bräunliche Larven, die in einer kleinen Gewebekammer liegen. Charakteristisch ist außerdem die winzige Atemöffnung in der Haut.
Das umliegende Gewebe zeigt häufig nur eine leichte Entzündungsreaktion. Die Muskulatur selbst bleibt in den meisten Fällen vollständig unversehrt. Genau deshalb hat ein leichter Hautdasselbefall normalerweise keinen Einfluss auf die Qualität des eigentlichen Wildbrets.
Welche Auswirkungen haben Hautdasseln auf das Reh?
Ein geringer Befall verursacht dem Wild meist nur geringe Beeinträchtigungen. Während der Sommermonate reagieren Rehe häufig sehr empfindlich auf die anfliegenden Dasselfliegen. Das hektische Fluchtverhalten, das Jäger gelegentlich beobachten, ist häufig auf den sogenannten Dasselflug zurückzuführen. Die Tiere versuchen den Fliegen durch plötzliches Springen oder schnelles Laufen zu entkommen.
Ein stärkerer Befall kann hingegen zu Juckreiz, Hautreizungen und einem erhöhten Energieverbrauch führen. Insbesondere Jungtiere oder geschwächte Stücke können dadurch zusätzlich belastet werden. Dennoch sterben gesunde Rehe nur äußerst selten allein an einem Hautdasselbefall.

Darf man ein Reh mit Hautdasseln essen?
Diese Frage wird wohl am häufigsten gestellt. Die klare Antwort lautet: Ja – unter bestimmten Voraussetzungen.
Ein leichter oder mäßiger Hautdasselbefall macht das Wildbret nicht automatisch ungenießbar. Die Larven sitzen ausschließlich im Unterhautgewebe und dringen normalerweise nicht in die Muskulatur ein. Deshalb bleibt das eigentliche Fleisch qualitativ meist unbeeinträchtigt.
Bei der Versorgung des Wildes müssen jedoch sämtliche Larven vollständig entfernt werden. Ebenso sollten die betroffenen Gewebebereiche großzügig ausgeschnitten werden, um eventuell entzündetes Gewebe sicher zu beseitigen. Anschließend gelten dieselben hygienischen Anforderungen wie bei jedem anderen Stück Schalenwild: sauberes Arbeiten, schnelle Kühlung und eine sorgfältige Lagerung.
Viele erfahrene Jäger in der Nordeifel berichten, dass sie während der Wintermonate regelmäßig Rehe mit einzelnen Hautdasseln versorgen, ohne dass dadurch die Qualität des Wildbrets beeinträchtigt wird. Entscheidend bleibt immer die sorgfältige Beurteilung jedes einzelnen Wildkörpers.
Wann sollte auf den Verzehr verzichtet werden?
Es gibt jedoch Situationen, in denen das Wildbret nicht mehr verwendet werden sollte. Dazu gehören insbesondere stark befallene Tiere mit zahlreichen Dasselbeulen und großflächigen Entzündungen. Sind die Gewebeschäden deutlich ausgeprägt, treten Vereiterungen auf oder zeigt das Fleisch einen ungewöhnlichen Geruch beziehungsweise auffällige Verfärbungen, ist von einer Verwertung abzusehen.
Auch wenn zusätzlich weitere krankhafte Veränderungen festgestellt werden – etwa Abmagerung, Organveränderungen oder andere Parasiten in ungewöhnlich hoher Zahl – sollte der gesamte Wildkörper kritisch beurteilt werden. Im Zweifel entscheidet die kundige Person oder gegebenenfalls die zuständige Veterinärbehörde über die Genusstauglichkeit.
Gerade bei Wild, das in den Verkauf gelangt oder an Dritte abgegeben wird, sollte die Beurteilung besonders sorgfältig erfolgen. Qualität und Verbraucherschutz stehen stets an erster Stelle.
Sind Hautdasseln für Menschen gefährlich?
Diese Sorge ist verständlich, aber unbegründet. Die Rehdasselfliege ist auf Schalenwild spezialisiert. Die Larven entwickeln sich ausschließlich im Körper ihrer natürlichen Wirte. Eine gesundheitliche Gefährdung durch den Verzehr von fachgerecht versorgtem Wildbret ist nach heutigem Kenntnisstand nicht gegeben.
Wie bei allen Lebensmitteln tierischer Herkunft kommt es vielmehr auf eine einwandfreie Hygiene an. Wildbret sollte sauber verarbeitet, ausreichend gekühlt und fachgerecht zubereitet werden. Werden diese Grundsätze eingehalten, besteht durch Hautdasseln kein zusätzliches Risiko.
Die Bedeutung einer sorgfältigen Wildbrethygiene
Unabhängig vom Hautdasselbefall entscheidet die Qualität der Wildversorgung über die spätere Fleischqualität. Bereits unmittelbar nach dem Erlegen beginnt die Verantwortung des Jägers. Ein zügiges Aufbrechen, sauberes Arbeiten ohne unnötige Verschmutzungen und eine schnelle Kühlung sind wesentliche Voraussetzungen für hochwertiges Wildbret.
Beim Abschwarten sollten vorhandene Dassellarven vorsichtig entfernt werden, ohne sie zu zerdrücken. Anschließend wird das umliegende Gewebe großzügig ausgeschnitten. Arbeitsgeräte und Hände sollten regelmäßig gereinigt werden, damit keine Keime auf das Fleisch übertragen werden.
Diese Maßnahmen dienen nicht speziell der Bekämpfung der Hautdasseln, sondern gehören grundsätzlich zu einer professionellen Wildbrethygiene.
Was geschieht mit der Decke?
Während das Wildbret häufig ohne Einschränkungen genutzt werden kann, verliert die Decke durch einen stärkeren Hautdasselbefall erheblich an Wert. Die zahlreichen Atemlöcher der Larven sowie die entstandenen Gewebeveränderungen machen eine spätere Lederverarbeitung meist unmöglich.
Aus diesem Grund werden stark befallene Decken in der Praxis in der Regel entsorgt. Für die Fleischqualität spielt dies jedoch keine Rolle.
Fazit
Hautdasseln beim Reh gehören in der Nordeifel zum natürlichen Erscheinungsbild des Rehwildes und sind für erfahrene Jäger kein ungewöhnlicher Befund. Auch wenn die unter der Decke sitzenden Larven zunächst unappetitlich wirken, bedeuten sie keineswegs automatisch, dass das Wildbret entsorgt werden muss. In den meisten Fällen bleibt die Muskulatur vollständig unversehrt, sodass das Fleisch nach dem Entfernen der Larven und der betroffenen Gewebebereiche bedenkenlos verwendet werden kann.
Erst wenn ein außergewöhnlich starker Befall mit erheblichen Entzündungen, Vereiterungen oder weiteren krankhaften Veränderungen vorliegt, sollte auf den Verzehr verzichtet werden. Eine sorgfältige Wildkörperbeschau, konsequente Wildbrethygiene und eine fachkundige Beurteilung bleiben daher die wichtigsten Voraussetzungen für hochwertiges und sicheres Wildbret.
Für Jägerinnen und Jäger in der Nordeifel gilt deshalb: Hautdasseln sind kein Grund zur Panik, sondern ein natürlicher Bestandteil des heimischen Wildtierbestandes. Wer sein Wild sorgfältig versorgt und verantwortungsbewusst beurteilt, kann auch bei einem leichten Hautdasselbefall hochwertiges, regionales und nachhaltiges Wildbret gewinnen – ein Lebensmittel, das für Qualität, Natürlichkeit und kurze Transportwege steht.
Dieser Fachartikel wurde von Andreas Zingsheim für die Plattform Eifelforsten.de verfasst. Der Inhalt basiert auf jagdlicher Praxis, wildbiologischen Erkenntnissen sowie den Grundsätzen der Wildbrethygiene und dient der fachlichen Information von Jägern, Wildbretvermarktern und interessierten Leserinnen und Lesern.
Schreibe einen Kommentar