Der Ein­satz von Schafs­wolle als Ver­bisss­chutz für Forstpflanzen auf Kle­in­st­flächen stellt eine biol­o­gisch basierte, nicht-tox­is­che Maß­nahme dar, die sowohl auf ver­hal­tensökol­o­gis­chen als auch auf physikalis­chen Wirk­mech­a­nis­men beruht.

Die abschreck­ende Wirkung der Schafs­wolle ist primär auf ihren art­spez­i­fisch unge­wohn­ten Geruch zurück­zuführen. Unge­wasch­ene Rohwolle enthält Lano­lin, Fettsäuren sowie mikro­biell bed­ingte Geruchsstoffe aus der Tier­hal­tung, die von Schalen­wild als poten­ziell störend oder risikobe­haftet wahrgenom­men wer­den. Stu­di­en zur Wildökolo­gie zeigen, dass Reh- und Rotwild bei der Nahrungsauf­nahme sen­si­bel auf olfak­torische Reize reagieren und neuar­tige Gerüche mit erhöhter Vor­sicht mei­den.

Ergänzend wirkt die Schafs­wolle als mech­a­nis­ch­er Reiz. Die faserige Struk­tur erschw­ert das Abbeißen der Ter­mi­nal­knospen und erzeugt eine unan­genehme tak­tile Wahrnehmung im Maulbere­ich. Zudem verän­dert die Anbringung von Woll­büscheln die visuelle Kon­tur der Pflanze, was das art­spez­i­fis­che Äsver­hal­ten weit­er reduziert. Diese Kom­bi­na­tion aus Geruchs‑, Tast- und Sehreizen erk­lärt die beobachtete Reduk­tion des Ver­biss­drucks ins­beson­dere bei Jungpflanzen.

Die Wirk­samkeit der Meth­ode ist jedoch zeitlich begren­zt. Durch Wit­terung­se­in­flüsse wie Nieder­schläge und UV-Strahlung nimmt die Inten­sität der Geruchsstoffe ab, wodurch die Abschreck­ungswirkung nach mehreren Wochen deut­lich reduziert sein kann. Unter Bedin­gun­gen hohen Wild­drucks reicht Schafs­wolle daher in der Regel nicht als alleinige Schutz­maß­nahme aus, son­dern ent­fal­tet ihre größte Wirkung im Rah­men eines inte­gri­erten Wild­schutzkonzepts.

Neben der Schutz­funk­tion weist Schafs­wolle pos­i­tive stan­dortökol­o­gis­che Neben­ef­fek­te auf. Als organ­is­ches Mate­r­i­al wirkt sie boden­nah leicht wasser­hal­tend und trägt langfristig zur Stick­stof­fver­sorgung bei, da sie langsam min­er­al­isiert wird. Neg­a­tive Auswirkun­gen auf Bode­nor­gan­is­men oder Pflanzenen­twick­lung sind bei sachgemäßer Anwen­dung nicht bekan­nt.

Zusam­men­fassend kann Schafs­wolle als ökol­o­gisch nach­haltige, kostengün­stige und prax­is­taugliche Maß­nahme zur Reduk­tion von Wild­ver­biss bew­ertet wer­den, deren Effek­tiv­ität ins­beson­dere bei mod­er­atem Wild­druck und in Kom­bi­na­tion mit mech­a­nis­chen Schutzsys­te­men gegeben ist.