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In der Eifel kommt der Beach­tung des Geschlechter­ver­hält­niss­es beim jagdlichen Abschuss eine beson­dere Bedeu­tung zu, da hier Wildökolo­gie und Wal­dum­bau eng miteinan­der verknüpft sind. Die Region ist geprägt von großflächi­gen Waldge­bi­eten, ehe­mals stark fich­t­en­do­minierten Bestän­den sowie umfan­gre­ichen Wieder­be­wal­dungs­flächen infolge von Dürre- und Borkenkäfer­schä­den. In dieser sen­si­blen Phase entschei­det die Entwick­lung der Schalen­wildbestände maßge­blich darüber, ob sich stan­dort­gerechte, kli­masta­bile Mis­chwälder etablieren kön­nen.

Biol­o­gisch betra­chtet wird die Pop­u­la­tion­sen­twick­lung bei Arten wie dem Reh und dem Rotwild in erster Lin­ie durch den Anteil repro­duk­tions­fähiger weib­lich­er Tiere bes­timmt. Weib­lich­es Wild – also Rick­en bzw. Alt­tiere – set­zt den Nach­wuchs und bee­in­flusst damit direkt die jährliche Zuwach­srate. Selb­st bei hohen Abschusszahlen kann ein Bestand weit­er wach­sen, wenn über­wiegend männliche Tiere erlegt wer­den und die weib­liche Repro­duk­tions­ba­sis weit­ge­hend unange­tastet bleibt. Ein zahlen­mäßig hoher, aber struk­turell ein­seit­iger Abschuss erfüllt daher oft nicht das Ziel ein­er nach­halti­gen Bestand­sreg­ulierung.

Ger­ade in der Eifel ist dieser Zusam­men­hang wald­baulich von großer Rel­e­vanz. Nach großflächi­gen Kalamitäten entste­hen lichtre­iche Ver­jün­gungs­flächen mit zeitweise sehr guter Äsung. Diese verbesserten Nahrungs­be­din­gun­gen kön­nen die kör­per­liche Kon­di­tion der weib­lichen Tiere steigern, was wiederum höhere Repro­duk­tion­sleis­tun­gen und bessere Über­leben­srat­en des Nach­wuch­ses begün­stigt. Bleibt der Anteil weib­lich­er Tiere hoch, kann der Bestand trotz Jagd schnell wieder anwach­sen. Die Folge ist steigen­der Ver­biss­druck auf junge Laub­bau­marten wie Buche, Eiche oder Tanne, die für den kli­maangepassten Wal­dum­bau entschei­dend sind.

Neben der reinen Bestand­szahl bee­in­flusst das Geschlechter­ver­hält­nis auch die Sozial- und Altersstruk­tur der Pop­u­la­tion. Beim Rotwild beste­hen kom­plexe Sozialver­bände, in denen erfahrene Alt­tiere eine wichtige Rolle spie­len. Ein stark unaus­ge­wo­genes Ver­hält­nis – etwa durch über­mäßige Ent­nahme männlich­er Tiere – kann das Brun­ft­geschehen verän­dern. Ver­längerte Brun­ftzeit­en führen unter Umstän­den zu später geset­ztem Nach­wuchs, der mit gerin­ger­er kör­per­lich­er Entwick­lung in den Win­ter geht. Solche Effek­te wirken sich langfristig auf Kon­di­tion, Über­leben­srate und Altersstruk­tur aus. Ziel ein­er ver­ant­wor­tungsvollen Jagd ist daher nicht eine Max­imierung einzel­ner Trophäen oder Abschusszahlen, son­dern die Erhal­tung ein­er biol­o­gisch sta­bilen und altersmäßig aus­ge­wo­ge­nen Pop­u­la­tion.

Für die wald­bauliche Prax­is in der Eifel bedeutet dies, dass die Abschuss­pla­nung dif­feren­ziert erfol­gen muss. Soll der Ver­biss­druck nach­haltig gesenkt wer­den, muss die Ent­nahme so ges­teuert wer­den, dass die Repro­duk­tion­srate an das wald­baulich trag­bare Niveau angepasst wird. Gle­ichzeit­ig darf die Struk­tur nicht so stark verz­er­rt wer­den, dass natür­liche Sozial­ge­füge oder genetis­che Vielfalt lei­den. Ein aus­ge­wo­genes Geschlechter­ver­hält­nis trägt dazu bei, extreme Bestandss­chwankun­gen zu ver­mei­den und eine gle­ich­mäßige Pop­u­la­tion­sen­twick­lung zu fördern.

Langfristig ermöglicht nur eine an Geschlechter- und Altersstruk­tur ori­en­tierte Beja­gung ein sta­biles Gle­ichgewicht zwis­chen Wald und Wild. In ein­er Region wie der Eifel, in der der Wal­dum­bau hin zu kli­mare­silien­ten Mis­chbestän­den eine zen­trale Zukun­ft­sauf­gabe darstellt, ist dies nicht nur eine jagdliche, son­dern auch eine forstökol­o­gis­che Notwendigkeit.