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Kun­st­stoff-Pflanzhüllen waren jahrzehn­te­lang ein fes­ter Bestandteil der Wieder­auf­forstung: Sie schützten junge Bäume vor Wild­ver­biss, Konkur­ren­zveg­e­ta­tion und Wit­terung, schufen ein gün­stiges Mikrokli­ma und ermöglicht­en höhere Anwuch­srat­en. Doch was lange als prak­tis­che Lösung galt, wird heute zunehmend kri­tisch betra­chtet. Immer mehr Forst­be­triebe und Waldbe­sitzende ver­ab­schieden sich von den Kun­st­stof­fröhren – aus gutem Grund.

Der Haup­tkri­tikpunkt liegt im Umweltaspekt. Die meis­ten herkömm­lichen Hüllen beste­hen aus Poly­ethylen oder Polypropy­len und zer­set­zen sich mit der Zeit zu Mikro­plas­tik, das im Wald verbleibt und kaum mehr ent­fer­nt wer­den kann. Zwar sollen die Hüllen nach fünf bis zehn Jahren einge­sam­melt und entsorgt wer­den, doch in der Prax­is geschieht das nicht immer voll­ständig. Übrig bleiben zer­split­terte Reste, die nicht nur unschön ausse­hen, son­dern auch langfristige Schä­den im Ökosys­tem verur­sachen.

Hinzu kommt der hohe Pflegeaufwand. Das Set­zen, Kon­trol­lieren und Ent­fer­nen der Hüllen ist arbeitsin­ten­siv und koste­naufwendig – ger­ade in unwegsamem Gelände. Vor diesem Hin­ter­grund set­zen viele Forstver­wal­tun­gen und Förder­pro­gramme inzwis­chen auf nach­haltigere Alter­na­tiv­en. Biol­o­gisch abbaubare Hüllen aus Milch­säure (PLA), Zel­lu­lose oder anderen Natur­ma­te­ri­alien gewin­nen an Bedeu­tung, auch wenn sie derzeit noch teur­er und nicht immer wit­terungs­beständig genug sind.

Par­al­lel dazu wer­den mech­a­nis­che Schutz­maß­nah­men wie Zäune oder Draht­git­ter wieder häu­figer einge­set­zt. In natur­na­hen Konzepten verzichtet man teil­weise ganz auf Einzelschutz und nutzt stattdessen dichte Pflanzun­gen oder natür­liche Ver­jün­gung, um den Wild­ver­biss auf viele Pflanzen zu verteilen.

Der Trend ist ein­deutig: Weg vom Plas­tik, hin zu ökol­o­gis­chen Lösun­gen. Zahlre­iche Lan­des­forst­be­triebe – etwa in Bay­ern, Rhein­land-Pfalz und Nor­drhein-West­falen – haben bere­its Vor­gaben erlassen, die den Ein­satz kon­ven­tioneller Kun­st­stoffhüllen ein­schränken oder ganz auss­chließen. Auch Waldz­er­ti­fizierun­gen wie FSC und PEFC fördern diesen Wan­del, indem sie den Verzicht auf erdöl­basierte Mate­ri­alien im Wald aus­drück­lich empfehlen.

Kun­st­stoff-Pflanzhüllen wer­den also noch eine Weile sicht­bar bleiben, vor allem dort, wo Alter­na­tiv­en bis­lang zu teuer oder unprak­tisch sind. Doch der Abschied ist abse­hbar: Der Wald der Zukun­ft soll nicht nur wach­sen, son­dern auch ohne Plas­tik auskom­men.