Zweck und forstliche Bedeutung
Ein Weisergatter ist eine dauerhaft eingezäunte Waldfläche – häufig in einer Größe von etwa 12 × 12 Metern (144 m²) – die dem Vergleich zwischen unverbissener und verbissener Vegetation dient. Es ist ein zentrales Instrument der forstlichen Praxis zur Beurteilung des Wildeinflusses auf die Waldverjüngung und damit eine wichtige Entscheidungsgrundlage für waldbauliche und jagdliche Maßnahmen.
Weisergatter werden vor allem eingerichtet, um den Einfluss von Schalenwild wie Reh‑, Rot- oder Gamswild auf die natürliche und künstliche Verjüngung objektiv beurteilen zu können. Während sich die Vegetation innerhalb des Gatters ohne Wildverbiss entwickeln kann, bleibt die umliegende Fläche weiterhin dem natürlichen Wildeinfluss ausgesetzt.
Nach mehreren Vegetationsperioden werden Unterschiede deutlich sichtbar. Innerhalb des Gatters wachsen junge Bäume häufig höher, bilden stärkere Leittriebe aus und zeigen eine größere Baumartenvielfalt. Außerhalb sind dagegen typische Verbissmerkmale wie gekappte Terminaltriebe, Verbuschung durch selektiven Fraß oder das Zurückbleiben empfindlicher Baumarten (z. B. Tanne oder Eiche) erkennbar.
Das Weisergatter dient somit als „biologischer Maßstab“ (Weiser) für die natürliche Wuchsleistung des Standortes ohne Wildeinfluss. Es beantwortet die zentrale Frage:
Kann sich der Wald unter dem aktuellen Wildbestand standortgerecht und stabil verjüngen?
Aufbau und Anlage
Ein 12 × 12 m großes Weisergatter wird mit einem stabilen, wilddichten Zaun (meist 1,8–2,0 m hoch) umgeben. Die Fläche wird so gewählt, dass sie repräsentativ für den jeweiligen Bestand ist – etwa hinsichtlich Baumarten, Lichtverhältnissen und Standortbedingungen.
Wichtig ist, dass das Gatter groß genug ist, um:
- mehrere Baumarten abzubilden
- Konkurrenzverhältnisse realistisch darzustellen
- nicht durch Randwirkungen verfälscht zu werden
Die Größe von 144 m² hat sich in der Praxis bewährt, da sie eine ausreichend große Stichprobe darstellt und gleichzeitig noch wirtschaftlich zu errichten ist.
Vergleichsprinzip
Die Beurteilung erfolgt durch den direkten Vergleich:
- Innerhalb des Gatters: Entwicklung ohne Verbiss
- Außerhalb des Gatters: Entwicklung unter realem Wildeinfluss
Zeigen sich starke Unterschiede in Höhe, Dichte oder Baumartenmischung, deutet dies auf einen hohen Verbissdruck hin. Bleiben Unterschiede gering, ist der Wildeinfluss aus waldbaulicher Sicht meist tragbar.
Bedeutung für nachhaltige Forstwirtschaft
Im Kontext des Klimawandels gewinnt das Weisergatter zunehmend an Bedeutung. Ziel moderner Forstwirtschaft ist die Entwicklung stabiler, artenreicher Mischwälder. Wenn Wild selektiv bestimmte klimastabile Baumarten (z. B. Weißtanne oder Eiche) bevorzugt verbisst, kann sich die Waldstruktur langfristig in eine unerwünschte Richtung entwickeln.
Weisergatter ermöglichen daher:
- objektive Einschätzung des Wildeinflusses
- Anpassung jagdlicher Abschusspläne
- Sicherung standortgerechter Baumarten
- Dokumentation langfristiger Waldentwicklung
Prinzipskizze (Draufsicht)
12 m
+------------------------+
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| WEISERGATTER | ← eingezäunt (kein Verbiss)
| 12 m x 12 m |
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+------------------------+
12 m
Außenbereich: Vergleichsfläche mit natürlichem Verbiss
Schematische Wirkung
Innerhalb: Außerhalb:
Tanne ↑↑↑ Tanne ↓ (verbissen)
Eiche ↑↑ Eiche ↓
Ahorn ↑↑↑ Ahorn ↔ / ↓
Sträucher ↑↑↑ Sträucher ↓
Zusammenfassung
Ein 12 × 12 Meter großes Weisergatter ist ein praxisbewährtes Kontrollinstrument zur Beurteilung des Wildeinflusses im Wald. Es macht sichtbar, wie sich die Waldverjüngung ohne Verbiss entwickeln würde, und liefert damit eine objektive Grundlage für waldbauliche und jagdliche Entscheidungen. Ohne solche Vergleichsflächen wäre eine sachliche Bewertung des Wilddrucks kaum möglich.
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