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Die Douglasie in der Eifel — ein Gewinn für Wald und Zukunft statt ideologischer Sündenbock

Copyright © 2026 Andreas Zingsheim
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Kaum eine Bau­mart polar­isiert die forstliche Debat­te in Deutsch­land so stark wie die Dou­glasie. Während sie von naturschutzro­man­tis­ch­er Seite gern als Sym­bol ein­er ent­fremde­ten Forstwirtschaft dargestellt wird, zeigt ger­ade die Eifel, dass diese Sichtweise zu kurz greift – ökol­o­gisch, kli­ma­tisch und his­torisch.

Die Eifel ist kein Urwald, son­dern eine jahrhun­derte­lang vom Men­schen geprägte Kul­tur­land­schaft. Große Teile der heuti­gen Wälder ent­standen nach mas­siv­en Über­nutzun­gen, Erz­ab­bau und Kahlschlä­gen. Die Vorstel­lung, man könne oder müsse hier zu einem ver­meintlich „ursprünglichen“ Zus­tand zurück­kehren, verken­nt diese Real­ität. Wälder der Eifel waren immer im Wan­del – und genau darin liegt ihre Stärke.

In diesem Kon­text ist die Dou­glasie kein Fremd­kör­p­er, son­dern eine Antwort auf konkrete Prob­leme, mit denen die Region heute kon­fron­tiert ist. Die let­zten Dür­re­jahre haben gezeigt, wie ver­let­zlich Fichte und selb­st Buche auf den flach­gründi­gen, oft vulka­nisch geprägten Böden der Eifel sind. Abster­bende Bestände, Borkenkäfer­kalamitäten und großflächige Kahlflächen sind keine the­o­retis­chen Risiken, son­dern sicht­bare Tat­sachen. Die Dou­glasie hat sich hier vielerorts als außeror­dentlich sta­bil erwiesen: tiefwurzel­nd, stand­fest, ver­gle­ich­sweise trock­en­re­sistent und weniger anfäl­lig für heimis­che Schadin­sek­ten.

Der häu­fig vorge­brachte Vor­wurf, die Dou­glasie schade der Bio­di­ver­sität, hält ein­er dif­feren­zierten Betra­ch­tung in der Eifel kaum stand. Zahlre­iche Stu­di­en zeigen, dass arten­re­iche Boden­veg­e­ta­tion, Pilzge­mein­schaften und Voge­larten sehr wohl Dou­glasienbestände nutzen – ins­beson­dere dann, wenn sie in Mis­chwäldern wach­sen. In der Eifel ist genau das vielerorts Prax­is: Dou­glasie als Beimis­chung zu Buche, Eiche, Ahorn oder Weiß­tanne, nicht als Monokul­tur. Sie erset­zt dort keine natur­na­hen Wälder, son­dern sta­bil­isiert sie.

Auch das Argu­ment der „Ver­drän­gung heimis­ch­er Arten“ wirkt kon­stru­iert, wenn man die Prax­is betra­chtet. In der Eifel ver­jüngt sich die Dou­glasie keineswegs flächen­deck­end inva­siv. Sie ist auf Licht angewiesen und lässt sich wald­baulich sehr gut steuern. Die eigentliche Ver­drän­gung heimis­ch­er Arten find­et derzeit eher durch Kli­mas­tress, Wild­ver­biss und Boden­ver­ar­mung statt – Prob­leme, die durch pauschale Ablehnung leis­tungs­fähiger Bau­marten nicht gelöst wer­den.

Nicht zulet­zt spielt die Holznutzung eine zen­trale Rolle. Die Dou­glasie liefert hochw­er­tiges, lan­glebiges Bauholz, das Beton und Stahl erset­zen kann. Ger­ade in ein­er struk­turschwachen Region wie der Eifel ist dies kein Makel, son­dern ein ökol­o­gis­ch­er Vorteil. Region­al erzeugtes Holz mit hoher CO₂-Bindung ist aktiv­er Kli­maschutz – und weit sin­nvoller, als Holz­im­porte aus frag­würdi­gen Quellen oder energiein­ten­sive Ersatz­ma­te­ri­alien.

Die pauschale Ver­teufelung der Dou­glasie verken­nt somit den Kern des Prob­lems: Nicht die Bau­mart entschei­det über ökol­o­gis­che Qual­ität, son­dern die Art der Bewirtschaf­tung. In der Eifel zeigt sich, dass eine klug einge­set­zte Dou­glasie Teil ein­er nach­halti­gen, sta­bilen und arten­re­ichen Waldzukun­ft sein kann. Sie ist kein Sym­bol indus­trieller Aus­beu­tung, son­dern ein Werkzeug – und wie jedes Werkzeug kann sie ver­ant­wor­tungsvoll oder falsch einge­set­zt wer­den.

Wer der Eifel wirk­lich helfen will, sollte weniger über ide­ol­o­gis­che Rein­heit sprechen und mehr über resiliente, vielfältige und nutzbare Wälder, die den kom­menden Jahrzehn­ten stand­hal­ten. Die Dou­glasie ist dabei kein Feind, son­dern ein Ver­bün­de­ter.

Vom Fichtenfriedhof zum Mischwald – Chancen der Wiederbewaldung in der Eifel

Auf Ficht­en-Kalamitäts­flächen ist die Wahrschein­lichkeit hoch, dass sich andere Bau­marten als die Fichte etablieren, ins­beson­dere in ein­er Region wie der Eifel. Je nach Stan­dort, Höhen­lage, Bodenbeschaf­fen­heit und Bewirtschaf­tung liegt sie ins­ge­samt bei etwa 60 bis über 90 Prozent. Die großflächi­gen Aus­fälle der Fichte durch Borkenkäfer, Trock­en­heit und Sturm haben hier weniger eine wald­lose Sit­u­a­tion geschaf­fen als vielmehr neue Entwick­lungsräume eröffnet, in denen sich stan­dort­gerechte und oft sta­bilere Bau­marten ansiedeln kön­nen.

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Die Eifel zeich­net sich durch eine große ökol­o­gis­che Vielfalt aus. Vulka­nis­che und schiefrige Böden, wech­sel­nde Expo­si­tio­nen sowie ein bre­ites Spek­trum an Nieder­schlä­gen und Tem­per­a­turen führen dazu, dass viele frühere Ficht­en­stan­dorte für diese Bau­mart ohne­hin nur eingeschränkt geeignet waren. Nach dem Abster­ben der Ficht­en prof­i­tieren vor allem lichtliebende Pio­nier­bau­marten von den offe­nen Ver­hält­nis­sen. Birke, Wei­de und Aspe besiedeln solche Flächen häu­fig inner­halb weniger Jahre ganz von selb­st, eben­so die Vogel­beere, die in der Eifel beson­ders ver­bre­it­et ist. Diese natür­liche Ver­jün­gung tritt auf einem Großteil der Kalamitäts­flächen auf und erre­icht ohne forstlich­es Ein­greifen bere­its eine sehr hohe Wahrschein­lichkeit.

Mit fortschre­i­t­en­der Entwick­lung wan­dern – sofern Samen­bäume in der Umge­bung vorhan­den sind oder gezielt gepflanzt wird – auch lan­glebigere Bau­marten ein. Auf frischen und nährstof­fre­icheren Stan­dorten der Eifel hat vor allem die Buche gute Chan­cen, während auf wärmeren und trock­eneren Lagen die Eiche an Bedeu­tung gewin­nt. Ahornarten, Esche oder Erle ergänzen das Arten­spek­trum je nach Wasser­haushalt des Bodens. Durch Pflanzung und Schutz­maß­nah­men, etwa gegen Wild­ver­biss, lässt sich die Etablierung dieser Bau­marten gezielt steuern und ihre Erfol­gswahrschein­lichkeit deut­lich erhöhen.

Der Kli­mawan­del wirkt dabei als zen­traler Ver­stärk­er dieses Prozess­es. Die wieder­holten Ficht­enkalamitäten der let­zten Jahre haben gezeigt, dass die Fichte in großen Teilen der Eifel keine zukun­fts­fähige Haupt­bau­mart mehr ist. Entsprechend wer­den Kalamitäts­flächen heute zunehmend bewusst für den Wal­dum­bau genutzt. Ins­ge­samt lässt sich fes­thal­ten, dass auf Ficht­en-Kalamitäts­flächen in der Eifel mit hoher Wahrschein­lichkeit andere Bau­marten wach­sen und sich langfristig vielfältige, struk­tur­re­iche und kli­masta­bilere Mis­chwälder entwick­eln.

Zwischen Duftsignal und Faserstruktur: Schafswolle als multifunktionaler Verbissschutz

Der Ein­satz von Schafs­wolle als Ver­bisss­chutz für Forstpflanzen auf Kle­in­st­flächen stellt eine biol­o­gisch basierte, nicht-tox­is­che Maß­nahme dar, die sowohl auf ver­hal­tensökol­o­gis­chen als auch auf physikalis­chen Wirk­mech­a­nis­men beruht.

Die abschreck­ende Wirkung der Schafs­wolle ist primär auf ihren art­spez­i­fisch unge­wohn­ten Geruch zurück­zuführen. Unge­wasch­ene Rohwolle enthält Lano­lin, Fettsäuren sowie mikro­biell bed­ingte Geruchsstoffe aus der Tier­hal­tung, die von Schalen­wild als poten­ziell störend oder risikobe­haftet wahrgenom­men wer­den. Stu­di­en zur Wildökolo­gie zeigen, dass Reh- und Rotwild bei der Nahrungsauf­nahme sen­si­bel auf olfak­torische Reize reagieren und neuar­tige Gerüche mit erhöhter Vor­sicht mei­den.

Ergänzend wirkt die Schafs­wolle als mech­a­nis­ch­er Reiz. Die faserige Struk­tur erschw­ert das Abbeißen der Ter­mi­nal­knospen und erzeugt eine unan­genehme tak­tile Wahrnehmung im Maulbere­ich. Zudem verän­dert die Anbringung von Woll­büscheln die visuelle Kon­tur der Pflanze, was das art­spez­i­fis­che Äsver­hal­ten weit­er reduziert. Diese Kom­bi­na­tion aus Geruchs‑, Tast- und Sehreizen erk­lärt die beobachtete Reduk­tion des Ver­biss­drucks ins­beson­dere bei Jungpflanzen.

Die Wirk­samkeit der Meth­ode ist jedoch zeitlich begren­zt. Durch Wit­terung­se­in­flüsse wie Nieder­schläge und UV-Strahlung nimmt die Inten­sität der Geruchsstoffe ab, wodurch die Abschreck­ungswirkung nach mehreren Wochen deut­lich reduziert sein kann. Unter Bedin­gun­gen hohen Wild­drucks reicht Schafs­wolle daher in der Regel nicht als alleinige Schutz­maß­nahme aus, son­dern ent­fal­tet ihre größte Wirkung im Rah­men eines inte­gri­erten Wild­schutzkonzepts.

Neben der Schutz­funk­tion weist Schafs­wolle pos­i­tive stan­dortökol­o­gis­che Neben­ef­fek­te auf. Als organ­is­ches Mate­r­i­al wirkt sie boden­nah leicht wasser­hal­tend und trägt langfristig zur Stick­stof­fver­sorgung bei, da sie langsam min­er­al­isiert wird. Neg­a­tive Auswirkun­gen auf Bode­nor­gan­is­men oder Pflanzenen­twick­lung sind bei sachgemäßer Anwen­dung nicht bekan­nt.

Zusam­men­fassend kann Schafs­wolle als ökol­o­gisch nach­haltige, kostengün­stige und prax­is­taugliche Maß­nahme zur Reduk­tion von Wild­ver­biss bew­ertet wer­den, deren Effek­tiv­ität ins­beson­dere bei mod­er­atem Wild­druck und in Kom­bi­na­tion mit mech­a­nis­chen Schutzsys­te­men gegeben ist.

Zwischen tödlicher Gefahr und lebenswichtiger Symbiose

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Pilze an Bäu­men lassen sich grund­sät­zlich in zwei große ökol­o­gis­che Grup­pen ein­teilen: solche, die den Baum schädi­gen und ihn im Extrem­fall töten, und solche, die mit dem Baum in ein­er echt­en Lebens­ge­mein­schaft ste­hen und für bei­de Part­ner Vorteile erzeu­gen. Diese Unter­schei­dung ist zen­tral, weil Pilze im Wald entwed­er als zer­störerische Krankheit­ser­reger oder als uner­set­zliche Helfer auftreten kön­nen. Zunächst sind die schädi­gen­den Pilze zu betra­cht­en. Sie wer­den oft als par­a­sitäre oder holzzer­set­zende Pilze beze­ich­net, da sie das lebende Holz eines Baumes befall­en, in ihm ein­drin­gen und es struk­turell abbauen kön­nen. Zu diesen Pilzen zählt beispiel­sweise der Hal­li­masch, ein­er der gefährlich­sten Forstschädlinge über­haupt. Er befällt die Wurzeln sowie den unteren Stam­mab­schnitt, verur­sacht eine charak­ter­is­tis­che Weißfäule und kann Bäume aller Alter­sklassen befall­en. Beson­ders tück­isch ist seine Fähigkeit, sich über soge­nan­nte Rhi­zomor­phen – schwarze, wurzelähn­liche Stränge – im Boden zu ver­bre­it­en und von Baum zu Baum zu wan­dern. Eben­falls gefürchtet ist der Brand­krusten­pilz Kret­zschmaria deusta, der vor allem den Stamm­fuß befällt, das Holz dort zer­set­zt und die Stand­fes­tigkeit des Baumes mas­siv reduziert. Man erken­nt ihn an den unauf­fäl­li­gen, später schwarz wer­den­den Krusten am Stamm, doch sein eigentlich ver­heeren­der Effekt find­et im Inneren des Baumes statt, wo das Holz weich und brüchig wird, oft ohne dass der Baum äußer­lich geschwächt aussieht – was ihn beson­ders gefährlich macht.

Ein weit­er­er bedeu­ten­der Holzzer­stör­er ist der Lack­por­ling aus der Gat­tung Gan­o­der­ma, dessen glänzende rot­braune Fruchtkör­p­er zwar oft schön ausse­hen, aber in den Wurzeln und im unteren Stamm eine Fäule aus­lösen, die zum Abster­ben führen kann. Der Riesen­por­ling, der häu­fig an Buchen auftritt, verur­sacht eine schwere Wurzelfäule, die dazu führt, dass schein­bar gesunde Bäume bei Sturm unver­mit­telt umstürzen. Der Schwe­fel­por­ling, leicht erkennbar an sein­er leuch­t­end gel­ben Farbe, befällt häu­fig Eichen, Wei­den oder Obst­bäume und löst eine Braun­fäule aus, bei der das Holz wür­fe­lig zer­bricht und seine Tragfähigkeit ver­liert. Auch der Zun­der­schwamm ist zu nen­nen, der beson­ders an vorgeschädigten Laub­bäu­men vorkommt und eine Weißfäule erzeugt. Obwohl er oft eher als „Aufräumer“ in alten Bestän­den gilt, kann er bei vital­en Bäu­men eben­falls erhe­blichen Schaden verur­sachen. Gemein ist all diesen Pilzen, dass sie direkt am Holz wach­sen – am Stamm, an Schnittstellen, an Wurze­lan­läufen oder an Ver­let­zun­gen – und dass ihr Wach­s­tum untrennbar mit der Zer­set­zung der Baum­sub­stanz ver­bun­den ist.

Auf der anderen Seite ste­hen die Pilze, die mit Bäu­men in Sym­biose leben, ins­beson­dere die soge­nan­nten Myk­o­r­rhiza­pilze. Zwis­chen ihnen und dem Baum beste­ht ein gegen­seit­ig vorteil­haftes Ver­hält­nis: Der Pilz umhüllt die feinen Wurzel­spitzen des Baumes oder dringt in deren äußere Zellschicht­en ein und bildet ein weitre­ichen­des Netz aus Hyphen im Boden, das die Reich­weite der Wurzeln enorm ver­größert. Dadurch kann der Baum Nährstoffe wie Phos­phor, Stick­stoff und Spurenele­mente wesentlich effizien­ter aufnehmen, als er es allein kön­nte. Der Pilz wiederum erhält vom Baum Zuck­er und andere organ­is­che Verbindun­gen, die für ihn leben­snotwendig sind. Ein klas­sis­ch­er Vertreter dieser Sym­biose ist der Stein­pilz, der mit ver­schiede­nen Bau­marten wie Ficht­en, Kiefern, Buchen und Eichen zusam­men­lebt. Auch der Fliegen­pilz bildet eine typ­is­che Myk­o­r­rhiza, beson­ders häu­fig mit Birken sowie Ficht­en und Kiefern. Zu den wichti­gen Myk­o­r­rhiza­pilzen zählt zudem der Pfif­fer­ling, der mit Nadel­bäu­men und eini­gen Laub­bäu­men kooperiert. Birken­pilze und Rotkap­pen sind meist an ihre jew­eili­gen Bau­marten gebun­den: Der Birken­pilz bildet seine Myk­o­r­rhiza fast auss­chließlich mit Birken, während Rotkap­pen typ­is­che Part­ner von Pap­peln, Espen oder Birken sein kön­nen. Trüf­fel wiederum sind hoch spezial­isierte Sym­bion­ten, die bevorzugt mit Eichen, Hain­buchen und Hasel­sträuch­ern zusam­me­nar­beit­en. Diese sym­bi­o­tis­chen Pilze wach­sen nicht direkt am Holz, son­dern im Boden rund um den Baum. Ihre Fruchtkör­p­er erscheinen zwar oberirdisch, doch ihr eigentlich­es Pilzge­flecht, das Myzel, lebt als wesentlich­er Bestandteil des unterirdis­chen Wurzel­raums.

Entschei­dend für die Unter­schei­dung, ob ein Pilz für einen Baum schädlich oder nüt­zlich ist, ist daher in erster Lin­ie der Stan­dort und die Wuchs­form. Pilze, die direkt am Stamm, am Stamm­fuß oder an Wurzeln in Form von Por­lin­gen, Kon­solen, Krusten oder Pol­stern erscheinen, sind sehr oft holzzer­störende Par­a­siten oder zumin­d­est Zer­set­zer, die den Baum schwächen. Pilze hinge­gen, die als Röhrlinge, Täublinge, Milch­linge, Pfif­fer­linge oder andere typ­is­che Wald­pilze im Boden rund um den Baum wach­sen, sind in der Regel Myk­o­r­rhiza­pilze und damit für die Vital­ität des Baumes eher förder­lich als gefährlich.

Automatisiertes Auszeichnen durch Harvester – Stand der Technik und kritische Bewertung

Derzeit existieren noch keine Forstmaschi­nen, die das Ausze­ich­nen zu ent­nehmender Bäume voll­ständig automa­tisiert durch­führen. Zwar ver­fü­gen mod­erne Har­vester über zunehmend fortschrit­tliche dig­i­tale Sys­teme, doch diese dienen vor­rangig der Unter­stützung des Maschi­nen­führers und erset­zen die fach­liche Entschei­dung über die Baumwahl des Försters bis­lang nicht.

Aktuell basieren die meis­ten Sys­teme auf der Inte­gra­tion dig­i­taler Forstkarten und GPS-gestützter Nav­i­ga­tion. Zuvor im Bestand markierte Bäume – sei es durch physis­che Farb­sig­nale oder dig­i­tale Ein­träge in GIS-Anwen­dun­gen – kön­nen in das Bor­d­com­put­er­sys­tem des Har­vesters über­tra­gen und dort visuell dargestellt wer­den. Dies ermöglicht eine präzise Ori­en­tierung und reduziert Fehlent­nah­men, ändert jedoch nichts daran, dass die eigentliche Auswahlentschei­dung vom Fahrer getrof­fen wird.

In der Forschung wer­den derzeit ver­schiedene Ansätze erprobt, um diesen Prozess zu automa­tisieren oder zumin­d­est algo­rith­misch zu unter­stützen. Unter dem Schlag­wort des „virtuellen Ausze­ich­nens“ wer­den Ver­fahren entwick­elt, die auf der Erfas­sung und Analyse von Bestandes­dat­en durch LiDAR-Sen­sorik, optis­che Kam­eras und kün­stliche Intel­li­genz beruhen. Ziel ist es, einzelne Bäume hin­sichtlich Art, Dimen­sion, Vital­ität und Posi­tion zu iden­ti­fizieren und daraus Empfehlun­gen für eine bestandes­gerechte Ent­nahme abzuleit­en. Beispiele hier­für find­en sich in Pro­jek­ten wie SmartHar­vest in Skan­di­navien oder Forschungsar­beit­en an deutschen Hochschulen und Insti­tuten.

Trotz tech­nis­ch­er Fortschritte befind­en sich diese Sys­teme jedoch noch im exper­i­mentellen Sta­di­um. Die größte Her­aus­forderung liegt nicht in der Date­nauf­nahme, son­dern in der mod­ell­haften Abbil­dung wald­baulich­er Entschei­dung­sprozesse. Die Wahl eines Ent­nah­me­baums hängt in der Prax­is von ein­er Vielzahl qual­i­ta­tiv­er und kon­textab­hängiger Fak­toren ab – etwa den langfristi­gen Zielbestän­den, der Mis­chungsreg­ulierung, der Sta­bil­ität des Rest­be­stands, Habi­tat­struk­turen oder betrieblichen Vor­gaben. Diese Kom­plex­ität lässt sich bis­lang nur eingeschränkt algo­rith­misch abbilden.

Darüber hin­aus beste­hen rechtliche, sicher­heit­stech­nis­che und ethis­che Gren­zen für eine vol­lau­tonome Fäl­lentschei­dung. Eine Mas­chine, die ohne men­schliche Kon­trolle eigen­ständig Bäume auswählt und fällt, wäre aus gegen­wär­tiger Sicht wed­er genehmi­gungs­fähig noch wald­baulich vertret­bar. Auch ökonomisch ist der poten­zielle Effizien­zgewinn begren­zt, da die Entschei­dungs­find­ung im Ver­gle­ich zur physis­chen Holz­ernte nur einen gerin­gen Anteil der Gesam­tar­beit­szeit aus­macht.

Zusam­men­fassend lässt sich fes­thal­ten, dass die voll­ständi­ge Automa­tisierung des Ausze­ich­nens durch Har­vester derzeit nicht mark­treif ist. Ver­füg­bar sind hinge­gen Sys­teme zur dig­i­tal­en Unter­stützung und Visu­al­isierung der Baumwahl, die eine wertvolle Ergänzung, jedoch keinen Ersatz für forstliche Fachkom­pe­tenz darstellen.

Grün war gestern: Wie Blätter im Herbst ihre Pigmente neu mischen

Im Herb­st verän­dert sich die Fär­bung der Blät­ter viel­er Laub­bäume auf­grund kom­plex­er bio­chemis­ch­er Prozesse, die eng mit dem Abbau und der Neu­bil­dung von Pig­menten zusam­men­hän­gen. Während der aktiv­en Veg­e­ta­tion­spe­ri­ode sind Blät­ter über­wiegend grün, da das Chloro­phyll, der wichtig­ste Pho­to­syn­the­sepig­ment, die grüne Farbe verur­sacht. Chloro­phyll absorbiert vor allem rotes und blaues Licht für die Pho­to­syn­these und reflek­tiert grünes Licht, wodurch die Blät­ter grün erscheinen. Dieses Pig­ment ist für die Pflanze von zen­traler Bedeu­tung, da es die Umwand­lung von Licht­en­ergie in chemis­che Energie ermöglicht. Mit abnehmender Tages­länge und sink­enden Tem­per­a­turen wird die Pho­to­syn­these jedoch inef­fizien­ter. Die Pflanze reduziert daraufhin die Pro­duk­tion von Chloro­phyll und baut beste­hen­des Chloro­phyll sys­tem­a­tisch ab. Die abge­baut­en Bestandteile wer­den oft in Stamm oder Wurzeln zurück­ge­führt, um wertvolle Nährstoffe wie Stick­stoff und Mag­ne­sium zu spe­ich­ern, die im Win­ter knapp wer­den kön­nen.

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Durch den Abbau des dom­i­nan­ten grü­nen Chloro­phylls wer­den andere Pig­mente, die im Blatt vorhan­den, aber bish­er durch das Chloro­phyll überdeckt waren, sicht­bar. Zu diesen Pig­menten gehören vor allem Caroti­noide und Antho­cyane. Caroti­noide sind gelb bis orange gefärbte Pig­mente, die während des gesamten Jahres in den Blät­tern vorhan­den sind. Sie sind unter anderem für die charak­ter­is­tis­chen gel­ben Farbtöne von Bäu­men wie der Birke, der Esche oder dem Gink­go ver­ant­wortlich. Anders als Caroti­noide wer­den Antho­cyane erst im Herb­st neu syn­thetisiert. Sie entste­hen aus Zucker­bausteinen, die sich durch Pho­to­syn­these im Blatt ange­sam­melt haben, und ver­lei­hen den Blät­tern rötliche bis vio­lette Farbtöne, die beson­ders bei Ahornarten oder Eichenarten aus­geprägt sind. Die Bil­dung von Antho­cya­nen wird stark von äußeren Umwelt­fak­toren bee­in­flusst: Kalte Nächte und son­nige Tage fördern ihre Pro­duk­tion und ver­stärken die Rot­töne, während reg­ner­isches oder sehr mildes Wet­ter oft blassere Far­ben zur Folge hat.

Die Vari­a­tion der Herb­st­fär­bung zwis­chen einzel­nen Bau­marten und sog­ar zwis­chen einzel­nen Blät­tern eines Baumes hängt zudem von mehreren weit­eren Fak­toren ab. Dazu zählen die genetis­che Ausstat­tung der Pflanze, die Nährstof­fver­sorgung des Bodens, der Wasser­haushalt sowie der pH-Wert im Zell­saft. Beson­ders der pH-Wert kann die Farbe der Antho­cyane bee­in­flussen: In saur­er Umge­bung erscheinen sie stärk­er rot, während sie unter basis­chen Bedin­gun­gen eher blau oder vio­lett wirken. Die Konzen­tra­tion von Zuck­er und anderen Stof­fwech­sel­pro­duk­ten im Blatt spielt eben­falls eine Rolle, da sie die Inten­sität der Antho­cyan­bil­dung steuert.

Darüber hin­aus ist die Herb­st­fär­bung ein dynamis­ch­er Prozess, der nicht abrupt, son­dern allmäh­lich erfol­gt. Anfangs lassen sich die ersten Far­b­verän­derun­gen bei einzel­nen Blät­tern erken­nen, bevor sich die Ver­fär­bung über den gesamten Baum aus­bre­it­et. Die Far­ben entste­hen also nicht nur durch das pas­sive Sicht­bar­w­er­den der Pig­mente, son­dern auch durch aktive bio­chemis­che Prozesse, die durch Umweltbe­din­gun­gen mod­uliert wer­den.

Zusam­men­fassend lässt sich sagen, dass die Vielfalt der Herb­st­far­ben das Ergeb­nis eines kom­plex­en Zusam­men­spiels aus Chloro­phyl­lab­bau, Caroti­noid­präsenz und Antho­cyan­bil­dung ist, das zusät­zlich durch genetis­che, chemis­che und kli­ma­tis­che Fak­toren bee­in­flusst wird. Diese Prozesse verdeut­lichen die Anpas­sungs­fähigkeit der Pflanzen an saisonale Verän­derun­gen und führen zu den charak­ter­is­tis­chen, oft spek­takulären Farb­spie­len, die den Herb­st prä­gen.

Splintholz und Kernholz bei der Douglasie: Eigenschaften, Verhältnis und Bedeutung für Holzqualität

Die Dou­glasie (Pseudot­suga men­ziesii) ist ein stark kern­bilden­der Nadel­baum, dessen Holz in Mit­teleu­ropa auf­grund sein­er mech­a­nis­chen Eigen­schaften, Dauer­haftigkeit und Viel­seit­igkeit eine hohe wirtschaftliche Bedeu­tung besitzt. Charak­ter­is­tisch für die Dou­glasie ist die aus­geprägte Dif­feren­zierung zwis­chen Splintholz und Kern­holz, die sowohl die optis­che Erschei­n­ung des Holzes als auch dessen tech­nis­che Eigen­schaften maßge­blich bes­timmt.

Das Kern­holz der Dou­glasie zeigt eine rötlich-braune bis rot­braune Fär­bung, die je nach Bau­mal­ter, Stan­dort und Wach­s­tums­be­din­gun­gen vari­ieren kann. Typ­is­cher­weise steigt die Farbin­ten­sität mit zunehmen­dem Alter des Baumes. Das Kern­holz ist reich an Harzen und extrak­tiv­en Stof­fen, die maßge­blich zu sein­er natür­lichen Dauer­haftigkeit beitra­gen. Es ist resistent gegen holzzer­störende Pilze, Insek­ten­be­fall und Wit­terung­se­in­flüsse, wodurch es sich her­vor­ra­gend für den Außen­bere­ich und tra­gende Kon­struk­tio­nen eignet. Die Dichte des Dou­glasienkern­holzes liegt je nach Stan­dort und Wach­s­tums­be­din­gun­gen typ­is­cher­weise zwis­chen 480 und 550 kg/m³ (frisch) bzw. 430 bis 500 kg/m³ (luft­trock­en), was ihm eine rel­a­tiv hohe Biege- und Druck­fes­tigkeit ver­lei­ht. Die mech­a­nis­che Belast­barkeit macht es beson­ders geeignet für den Brück­en­bau, Fach­w­erk, Pfäh­le, Ter­rassen­bret­ter und andere Kon­struk­tio­nen, bei denen Beständigkeit und Tragfähigkeit entschei­dend sind.

Im Gegen­satz dazu ist das Splintholz der Dou­glasie deut­lich heller (gel­blich bis weißlich) und nur schwach harzhaltig. Es ist weniger dicht (luft­trock­en typ­is­cher­weise 350–400 kg/m³) und zeigt eine gerin­gere Fes­tigkeit gegenüber Druck‑, Zug- und Biege­beanspruchung. Auf­grund sein­er hohen Hygroskopiz­ität nimmt das Splintholz leicht Feuchtigkeit auf, neigt zu Quel­lun­gen, Schrump­fun­gen und Riss­bil­dun­gen und ist sehr anfäl­lig für Fäul­nis, holzzer­störende Pilze und Insek­ten. In der Holznutzung wird das Splintholz daher meist für kurzfristige Anwen­dun­gen, indus­trielle Weit­er­ver­ar­beitung (Span­plat­ten, Holzw­erk­stoffe) oder als Faser­rohstoff genutzt, während das Kern­holz bevorzugt für lan­glebige, hochbe­lastete Anwen­dun­gen einge­set­zt wird.

Das Ver­hält­nis von Splint- zu Kern­holz bei der Dou­glasie ist deut­lich asym­metrisch zugun­sten des Kern­holzes. In aus­gewach­se­nen Bäu­men kann das Kern­holz mehr als 80–90 % des Stam­m­quer­schnitts aus­machen, während der Splint in der Regel nur 2–5 cm bre­it ist. Dieses Ver­hält­nis ist abhängig von Alter, Durchmess­er, Stan­dortbe­din­gun­gen und Wuchs­form des Baumes. Schnell­wüch­sige Dou­glasien auf nährstof­fre­ichen, feucht­en Stan­dorten neigen zu etwas bre­it­erem Splintholz, während ältere, langsam gewach­sene Bäume einen noch höheren Kern­holzan­teil aufweisen. Die deut­liche Abgren­zung zwis­chen Kern- und Splintholz lässt sich im Quer­schnitt des Stammes oft schon mit bloßem Auge erken­nen und ist gle­ichzeit­ig funk­tion­al rel­e­vant: Die unter­schiedlichen Holzeigen­schaften erfordern bei der Ver­ar­beitung und Trock­nung dif­feren­zierte Maß­nah­men, da das Splintholz zu stärk­eren Schwind- und Ver­w­er­fungser­schei­n­un­gen neigt, während das Kern­holz rel­a­tiv dimen­sion­ssta­bil bleibt.

Zusät­zlich unter­schei­den sich Splint- und Kern­holz in ihrer chemis­chen Zusam­menset­zung. Das Kern­holz enthält höhere Konzen­tra­tio­nen von Phe­nolen, Harzen und Lign­in­mod­i­fika­tio­nen, die seine Resistenz gegenüber biol­o­gis­chem Abbau erhöhen. Das Splintholz hat eine gerin­gere Konzen­tra­tion dieser Extrak­t­stoffe, wodurch es schneller von holz­ab­bauen­den Organ­is­men ange­grif­f­en wer­den kann. Diese chemis­chen Unter­schiede bee­in­flussen auch die Bear­beitung: Kern­holz lässt sich auf­grund seines höheren Harzge­halts schw­er­er hobeln, schleifen oder leimen, während das Splintholz leichter bear­beit­bar, aber weniger dauer­haft ist.

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Die Dou­glasie gilt auf­grund des hohen Kern­holzan­teils und der aus­geprägten Eigen­schaften des Kern­holzes als hochw­er­tige Bau- und Kon­struk­tion­sholzart. Für die Holzwirtschaft ist das genaue Wis­sen über das Ver­hält­nis von Splint- zu Kern­holz von zen­traler Bedeu­tung, da es nicht nur die mech­a­nis­che Belast­barkeit und Dauer­haftigkeit bes­timmt, son­dern auch die Trock­nungsstrate­gie, Lagerung, Weit­er­ver­ar­beitung und den wirtschaftlichen Wert des Holzes.

Plastik ade? – Warum Forstpflanzhüllen aus Kunststoff bald Geschichte sind

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Kun­st­stoff-Pflanzhüllen waren jahrzehn­te­lang ein fes­ter Bestandteil der Wieder­auf­forstung: Sie schützten junge Bäume vor Wild­ver­biss, Konkur­ren­zveg­e­ta­tion und Wit­terung, schufen ein gün­stiges Mikrokli­ma und ermöglicht­en höhere Anwuch­srat­en. Doch was lange als prak­tis­che Lösung galt, wird heute zunehmend kri­tisch betra­chtet. Immer mehr Forst­be­triebe und Waldbe­sitzende ver­ab­schieden sich von den Kun­st­stof­fröhren – aus gutem Grund.

Der Haup­tkri­tikpunkt liegt im Umweltaspekt. Die meis­ten herkömm­lichen Hüllen beste­hen aus Poly­ethylen oder Polypropy­len und zer­set­zen sich mit der Zeit zu Mikro­plas­tik, das im Wald verbleibt und kaum mehr ent­fer­nt wer­den kann. Zwar sollen die Hüllen nach fünf bis zehn Jahren einge­sam­melt und entsorgt wer­den, doch in der Prax­is geschieht das nicht immer voll­ständig. Übrig bleiben zer­split­terte Reste, die nicht nur unschön ausse­hen, son­dern auch langfristige Schä­den im Ökosys­tem verur­sachen.

Hinzu kommt der hohe Pflegeaufwand. Das Set­zen, Kon­trol­lieren und Ent­fer­nen der Hüllen ist arbeitsin­ten­siv und koste­naufwendig – ger­ade in unwegsamem Gelände. Vor diesem Hin­ter­grund set­zen viele Forstver­wal­tun­gen und Förder­pro­gramme inzwis­chen auf nach­haltigere Alter­na­tiv­en. Biol­o­gisch abbaubare Hüllen aus Milch­säure (PLA), Zel­lu­lose oder anderen Natur­ma­te­ri­alien gewin­nen an Bedeu­tung, auch wenn sie derzeit noch teur­er und nicht immer wit­terungs­beständig genug sind.

Par­al­lel dazu wer­den mech­a­nis­che Schutz­maß­nah­men wie Zäune oder Draht­git­ter wieder häu­figer einge­set­zt. In natur­na­hen Konzepten verzichtet man teil­weise ganz auf Einzelschutz und nutzt stattdessen dichte Pflanzun­gen oder natür­liche Ver­jün­gung, um den Wild­ver­biss auf viele Pflanzen zu verteilen.

Der Trend ist ein­deutig: Weg vom Plas­tik, hin zu ökol­o­gis­chen Lösun­gen. Zahlre­iche Lan­des­forst­be­triebe – etwa in Bay­ern, Rhein­land-Pfalz und Nor­drhein-West­falen – haben bere­its Vor­gaben erlassen, die den Ein­satz kon­ven­tioneller Kun­st­stoffhüllen ein­schränken oder ganz auss­chließen. Auch Waldz­er­ti­fizierun­gen wie FSC und PEFC fördern diesen Wan­del, indem sie den Verzicht auf erdöl­basierte Mate­ri­alien im Wald aus­drück­lich empfehlen.

Kun­st­stoff-Pflanzhüllen wer­den also noch eine Weile sicht­bar bleiben, vor allem dort, wo Alter­na­tiv­en bis­lang zu teuer oder unprak­tisch sind. Doch der Abschied ist abse­hbar: Der Wald der Zukun­ft soll nicht nur wach­sen, son­dern auch ohne Plas­tik auskom­men.

Von der Pflanzung bis zum alten Wald

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Die Wälder der Eifel zeich­nen sich durch ihre vielfälti­gen Stan­dorte aus – von windi­gen Höhen­rück­en und schat­ti­gen Tälern bis zu kalkre­ichen Hän­gen und feucht­en Mooren. Diese unter­schiedlichen Bedin­gun­gen bee­in­flussen stark, wie ein Wald gepflegt wer­den muss, um gesund, sta­bil und ökol­o­gisch wertvoll zu bleiben. Die Bestand­spflege von Forst­bäu­men in der Eifel ist ein langfristiger Prozess, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt und die natür­lichen Gegeben­heit­en mit wirtschaftlichen und ökol­o­gis­chen Zie­len verbindet.


1. Jungbestandspflege: Sicherung des Aufwuchses (0–10 Jahre)

In den ersten Jahren nach Pflanzung oder natür­lich­er Ver­jün­gung ste­ht die Sicherung des jun­gen Bestands im Vorder­grund. Beson­ders in der Eifel ist dies eine kri­tis­che Phase, da junge Bäume auf steilen Hän­gen oder in wind­ex­ponierten Lagen leicht Schaden nehmen kön­nen. Schwache, kranke oder deformierte Set­zlinge wer­den frühzeit­ig ent­fer­nt, um den verbleiben­den Bäu­men genü­gend Licht, Wass­er und Nährstoffe zu sich­ern.

Der Schutz vor Wild­ver­biss ist in der Eifel beson­ders wichtig. Rehe und Wild­schweine nutzen die Wälder inten­siv, sodass junge Bäume häu­fig beschädigt oder kom­plett abge­fressen wer­den. Hier kom­men Schutz­zäune, Ver­bis­shüllen oder in manchen Fällen auch tem­poräre Wild­schutz­zo­nen zum Ein­satz. Par­al­lel wird die Konkur­renz durch Unkraut oder schnell wach­sende Pio­nierpflanzen reduziert, da diese Set­zlinge oft über­wuch­ern oder ihnen Nährstoffe entziehen.

In dieser Phase wird auch die Förderung von Ziel­bau­marten begonnen: Eichen, Buchen, Ficht­en oder Dou­glasien wer­den gezielt gestärkt, während weniger wertvolle oder nicht stan­dort­gerechte Arten reduziert wer­den. Ziel ist es, einen sta­bilen Grund­stock für den späteren Waldbe­stand zu schaf­fen.


2. Aufwuchspflege: Stabilisierung des Bestands (10–30 Jahre)

Sobald die Bäume eine gewisse Größe erre­icht haben, begin­nt die Aufwuch­spflege. In diesem Zeitraum ste­hen Durch­forstun­gen im Mit­telpunkt, bei denen einzelne Bäume ent­nom­men wer­den, um den verbleiben­den Bäu­men mehr Platz für Kro­ne­nen­twick­lung, Lich­tauf­nahme und Wurzelwach­s­tum zu geben. Beson­ders in der Eifel, wo Wind­wurf an exponierten Höhen­la­gen ein Risiko darstellt, wird auf die Stand­fes­tigkeit der Bäume geachtet. Krumme, schwache oder krankheit­san­fäl­lige Bäume wer­den ent­fer­nt, um die Sta­bil­ität des Bestands zu erhöhen.

Die Auswahl der zu fördern­den Bäume richtet sich nach wirtschaftlichen und ökol­o­gis­chen Kri­te­rien. Wertvolle Holzarten wie Buche, Eiche oder Dou­glasie wer­den gezielt unter­stützt, während Bäume, die dem langfristi­gen Ziel­bild des Waldes nicht entsprechen, ent­nom­men wer­den. Gle­ichzeit­ig wer­den natür­liche Prozesse beobachtet: Ero­sion an Hanglagen wird durch geeignete Baumplatzierung reduziert, Lich­tun­gen geschaf­fen und der natür­liche Arten­mix der Eifel­wälder gefördert.

In dieser Phase wer­den auch Mis­chbestände gezielt aufge­baut. Ein Mis­chwald ist in der Eifel beson­ders wider­stands­fähig gegenüber Krankheit­en, Schädlin­gen und Extremwet­ter­la­gen. Durch gezielte Durch­forstung kann das Ver­hält­nis zwis­chen Laub- und Nadel­holzarten sowie zwis­chen schnell wach­senden und lan­glebi­gen Arten opti­miert wer­den.


3. Endbestandspflege und Zielstärkennutzung (30–80 Jahre)

Ab einem Alter von etwa dreißig Jahren begin­nen die Maß­nah­men der Endbe­stand­spflege. Bäume, die die gewün­schte Ziel­größe und ‑qual­ität erre­icht haben, wer­den geern­tet – dies nen­nt man Ziel­stärken­nutzung. Diese Maß­nahme schafft Licht und Raum für die verbleiben­den Bäume und reg­uliert die Bestandes­dichte.

In dieser Phase spielt die Gesund­heit­skon­trolle eine zen­trale Rolle. Bäume wer­den regelmäßig auf Krankheit­en, Schädlings­be­fall oder Anze­ichen von Schwäche unter­sucht. In der Eifel, wo Ficht­en­monokul­turen in der Ver­gan­gen­heit beson­ders anfäl­lig für Borkenkäfer waren, ist eine präven­tive Kon­trolle entschei­dend, um größere Schä­den zu ver­hin­dern.

Darüber hin­aus wer­den naturschutzrel­e­vante Struk­turen gefördert. Alte Bäume, Totholz, Höhlen und Biotop­bäume wer­den bewusst erhal­ten, um Leben­sräume für Vögel, Fle­d­er­mäuse, Insek­ten und andere Tiere zu sich­ern. In der Eifel tra­gen diese Maß­nah­men auch dazu bei, die Vielfalt der Flo­ra und Fau­na aufrechtzuer­hal­ten, ins­beson­dere in kalkre­ichen Bachtälern oder Moor­land­schaften.


4. Langfristige Pflege und Nachhaltigkeit

Auch nach der Ziel­stärken­nutzung bleibt die Pflege ein kon­tinuier­lich­er Prozess. Regelmäßige Inven­turen erfassen Wach­s­tum, Vital­ität und Struk­tur des Bestandes. Alle fünf bis fün­fzehn Jahre erfol­gen kleinere Durch­forstun­gen, um den Wald an neue Bedin­gun­gen anzu­passen. Gle­ichzeit­ig wird die Pla­nung für zukün­ftige Nutzun­gen vorgenom­men, sodass immer aus­re­ichend gesunde und sta­bile Bäume für die näch­sten Jahrzehnte vorhan­den sind.

Die Grund­prinzip­i­en der Eifel­waldpflege sind Nach­haltigkeit, Sta­bil­ität und Bio­di­ver­sität. Nie wird mehr Holz ent­nom­men, als nachwach­sen kann. Wertvolle Bau­marten wer­den bevorzugt, die ökol­o­gis­che Vielfalt wird geschützt und die Sta­bil­ität des Waldes gegenüber Wind­wurf, Hang­be­we­gun­gen oder Schädlin­gen gezielt gefördert.


Ins­ge­samt zeigt sich, dass die Pflege eines Eifel­waldes ein langfristiger, dynamis­ch­er Prozess ist, der ökol­o­gis­che, ökonomis­che und naturschutzrel­e­vante Ziele miteinan­der verbindet. Vom zarten Set­zling in ein­er windi­gen Talsenke bis zum sta­bilen Alt­baum in einem Mis­chwald ver­läuft die Entwick­lung Schritt für Schritt, wobei jede Pflege­maß­nahme genau auf die Stan­dortbe­din­gun­gen und die langfristige Vision eines gesun­den Waldes abges­timmt ist. So entste­hen Wälder, die nicht nur Holz liefern, son­dern auch Leben­sraum, Schutz­funk­tion und Erhol­ungswert für Men­sch und Natur in der Eifel sich­ern.

Förster im Federkleid – die Hähersaat in der Waldentwicklung

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Die soge­nan­nte Häher­saat beschreibt das Ver­hal­ten des Eichel­hähers (Gar­ru­lus glan­dar­ius), Eicheln und andere größere Samen als Vor­räte im Boden zu ver­steck­en. Dieses Ver­hal­ten ist nicht nur für das Über­leben des Vogels selb­st wichtig, son­dern besitzt auch eine enorme forstökol­o­gis­che Bedeu­tung. In ein­er Zeit, in der Wälder zunehmend unter dem Druck von Kli­mawan­del, Schädlin­gen und Nutzungsansprüchen ste­hen, rückt die Häher­saat als ein natür­lich­er Mech­a­nis­mus in den Fokus, der für die Wald­ver­jün­gung und den Auf­bau sta­bil­er Mis­chwälder von entschei­den­der Rolle ist.

Ökologischer Mechanismus der Hähersaat

Der Eichel­häher legt im Herb­st bis zu mehrere Tausend Eicheln an. Er trans­portiert die Samen oft über Ent­fer­nun­gen von mehreren hun­dert Metern und ver­gräbt sie einzeln im Boden. Da der Vogel nicht alle Depots wiederfind­et, keimen viele dieser Eicheln und bilden die Grund­lage für junge Eichenbestände. Dieses Ver­hal­ten ist in Mit­teleu­ropa von zen­traler Bedeu­tung, da Eicheln zu schw­er sind, um sich allein durch Wind oder Wass­er in größerem Maßstab auszubre­it­en. Während andere Bau­marten wie Birken oder Wei­den soge­nan­nte Wind­streuer sind, ist die Eiche auf tierische Helfer angewiesen – und hier übern­immt der Eichel­häher die Rolle eines „Pflanzhelfers“.

Bedeutung für die Waldverjüngung

In der Forstwirtschaft wird die Häher­saat inzwis­chen bewusst genutzt. Statt große Auf­forstungs­maß­nah­men mit Set­zlin­gen durchzuführen, schaf­fen Förster geeignete Rah­menbe­din­gun­gen: Alte Eichenbestände wer­den als Saat­bäume belassen, angren­zende Frei­flächen nach Sturm, Borkenkäfer­be­fall oder Holzein­schlag bleiben offen und licht. Der Eichel­häher trägt die Eicheln von den Altbestän­den in diese Flächen und sorgt so für eine natür­liche, kostengün­stige und genetisch vielfältige Ver­jün­gung.

Das Ver­fahren ist nicht nur ökonomisch attrak­tiv, weil Pflanzkosten ent­fall­en, son­dern auch ökol­o­gisch vorteil­haft: Die aus Häher­saat ent­stande­nen Jungpflanzen stam­men von lokal angepassten Mut­ter­bäu­men und weisen eine hohe genetis­che Diver­sität auf. Damit erhöhen sie die Anpas­sungs­fähigkeit des Waldes an zukün­ftige Stress­fak­toren wie Trock­en­pe­ri­o­den oder Schädlinge.

Zusammenspiel mit anderen Baumarten

Die Häher­saat wird in der Prax­is häu­fig mit anderen wald­baulichen Ver­fahren kom­biniert. So wer­den beispiel­sweise Buchen oder Tan­nen gezielt gepflanzt oder durch Naturver­jün­gung einge­bracht, während die Eiche dem Eichel­häher über­lassen wird. Dieses Zusam­men­spiel führt zu Mis­chwäldern, die ökol­o­gisch sta­bil­er sind als Monokul­turen. Ger­ade im Kli­mawan­del gel­ten Eichen­mis­chwälder als beson­ders wider­stands­fähig, da sie unter­schiedliche Wurzel­sys­teme, Nährstof­fansprüche und Reak­tio­nen auf Wit­terung­sex­treme vere­inen.

Förderung der Hähersaat durch forstliche Maßnahmen

Damit die Häher­saat wirk­sam greifen kann, sind bes­timmte wald­bauliche Rah­menbe­din­gun­gen notwendig:

  • Erhalt von Eichenbestän­den: Ohne Saat­bäume keine Eicheln.
  • Struk­tur­re­iche Leben­sräume: Wal­drän­der, Heck­en und Totholz bieten dem Eichel­häher Nist­möglichkeit­en und Schutz.
  • Belassen von Mast­bäu­men: In Jahren mit hoher Frucht­pro­duk­tion (Mas­t­jahren) ist die Aktiv­ität der Häher­saat beson­ders inten­siv.
  • Verzicht auf über­mäßige Störung: Inten­sive forstliche Nutzung, Pes­tizidein­satz oder Beja­gung kön­nen den Bestand des Eichel­hähers beein­trächti­gen.

Praktisches Beispiel

In den Revieren der Hatzfeldt-Wildenburg’schen Forstver­wal­tung wird die Häher­saat aktiv gefördert. Dabei wer­den soge­nan­nte Häherteller aufgestellt, die mit Eicheln und anderen Samen bestückt sind. Der Eichel­häher sam­melt diese Samen und verteilt sie über größere Ent­fer­nun­gen im Wald. So wird die Eiche auch in Bestände von nichtheimis­chen Nadel­hölz­ern wie Kiefer oder Fichte einge­bracht, was die Grund­lage für die Umwand­lung dieser Bestände in natur­na­he Eichen­wälder schafft.


Unser Fazit

Die Häher­saat ist weit mehr als ein Neben­ef­fekt tierischen Vor­ratsver­hal­tens. Sie ist ein essen­zieller Prozess der Waldökolo­gie und eine Chance für die nach­haltige Forstwirtschaft. Indem der Men­sch gün­stige Bedin­gun­gen schafft – alte Eichen erhält, Struk­turen fördert und den Vogel schützt – lässt er den „Förster im Fed­erkleid“ seine Arbeit tun. Der Eichel­häher pflanzt Wälder, die nicht nur ökol­o­gisch wertvoll und arten­re­ich sind, son­dern auch die nötige Wider­stand­skraft besitzen, um den Her­aus­forderun­gen des 21. Jahrhun­derts standzuhal­ten.

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