Die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz hat bereits im Jahr 2006 ein praxisorientiertes Verfahren zur Bewertung von Wildschäden im Wald entwickelt. Ziel dieses Ansatzes ist es, Schäden durch Reh‑, Rot- und anderes Schalenwild objektiv, nachvollziehbar und landesweit einheitlich zu erfassen und zu bewerten. Das Verfahren wurde insbesondere für Verbiss‑, Fege- und Schälschäden konzipiert und dient sowohl der forstlichen Praxis als auch der rechtssicheren Schadensregulierung zwischen Waldbesitzenden und Jagdausübungsberechtigten.
Wildschäden besitzen im Wald eine besondere Bedeutung, da ihre Auswirkungen häufig erst nach Jahren sichtbar werden. Während Schäden in der Landwirtschaft meist unmittelbar bezifferbar sind, führen Verbiss und Schäle im Wald oftmals zu langfristigen Wachstumsverlusten, Qualitätsminderungen oder Folgeschäden durch Pilz- und Insektenbefall. Besonders betroffen sind junge Tannen, Eichen oder andere klimaresiliente Baumarten, deren natürliche Verjüngung durch hohen Wilddruck erheblich beeinträchtigt werden kann.
Vor diesem Hintergrund entwickelte die Forschungsanstalt zwei unterschiedliche Bewertungsansätze. Für Verbiss‑, Fege- und Schlagschäden orientiert sich die Schadensbewertung am Grundsatz der sogenannten Naturalrestitution. Dabei wird berechnet, welche Kosten entstehen würden, um den ursprünglichen Zustand der Kultur wiederherzustellen. Grundlage hierfür sind unter anderem aktuelle Baumschulpreise sowie Hilfstabellen, die eine einheitliche Anwendung durch forstliche Wildschadensschätzer ermöglichen.
Für Schälschäden, die vor allem durch Rotwild verursacht werden, greift das Verfahren auf ertragskundliche Modelle zurück. Hierbei werden Zuwachsverluste, Qualitätsminderungen des Holzes sowie langfristige wirtschaftliche Einbußen berücksichtigt. Das ursprünglich von Kroth, Sinner und Bartelheimer entwickelte Verfahren wurde durch die Forschungsanstalt aktualisiert und für die praktische Anwendung vereinfacht. Dadurch entstand ein Instrument, das sowohl wissenschaftlichen Anforderungen als auch den Bedürfnissen der forstlichen Praxis gerecht wird.
Die Ergebnisse der Wildschadensbewertung fließen in Rheinland-Pfalz in sogenannte „Forstbehördliche Stellungnahmen“ ein. Diese Gutachten bewerten die aktuelle Wildschadenssituation innerhalb einzelner Jagdbezirke und dienen unter anderem als Grundlage für die Festsetzung von Abschussplänen. Auf diese Weise verbindet das Verfahren forstwissenschaftliche Erkenntnisse mit dem praktischen Wildtiermanagement und trägt dazu bei, waldbauliche Ziele langfristig zu sichern.
Das Verfahren der Forschungsanstalt gilt heute als wichtiger Baustein eines modernen Wildschadensmanagements. Es schafft Transparenz zwischen Forstwirtschaft und Jagd, erleichtert die objektive Schadensbewertung und unterstützt eine nachhaltige Waldentwicklung. Aufgrund seiner Praxistauglichkeit wurden die entwickelten Hilfstabellen und Bewertungsgrundlagen auch über Rheinland-Pfalz hinaus beachtet und weiterentwickelt.
Weitere Informationen bietet die offizielle Website der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz.
© 2026 Andreas Zingsheim / Eifelforsten · Alle Rechte vorbehalten.
Autor: Andreas Zingsheim
Schreibe einen Kommentar