Die geplante Reform des Bun­deswaldge­set­zes wird von der Bun­desregierung als notwendi­ge Antwort auf Kli­mawan­del, Dür­re­som­mer und Wald­ster­ben verkauft. In der deutschen Forstwirtschaft wächst jedoch die Sorge, dass aus­gerech­net jene Men­schen, die den Wald seit Gen­er­a­tio­nen pfle­gen, bewirtschaften und erhal­ten, kün­ftig durch ein Über­maß an Reg­ulierung aus­ge­bremst wer­den. Viele Förster, kom­mu­nale Wald­be­triebe und pri­vate Waldbe­sitzer sehen in der Nov­el­le keinen prax­is­na­hen Mod­ernisierungss­chub, son­dern ein ide­ol­o­gisch geprägtes Regel­w­erk voller Mis­strauen, Ver­bote und Bürokratie.

Dabei ste­ht außer Frage, dass Deutsch­lands Wälder unter mas­sivem Druck ste­hen. Dür­re­jahre, Stürme und Borkenkäfer haben Mil­lio­nen Fest­meter Holz ver­nichtet und ganze Land­schaften verän­dert. Ger­ade jet­zt wären flex­i­ble Entschei­dun­gen, schnelles Han­deln und fach­liche Kom­pe­tenz gefragt. Doch genau diese Hand­lungs­fähigkeit dro­ht durch die Reform eingeschränkt zu wer­den. Zusät­zliche Doku­men­ta­tion­spflicht­en, stren­gere Vor­gaben zur Nutzung und neue Ein­schränkun­gen bei forstlichen Maß­nah­men bedeuten vor allem eines: mehr Ver­wal­tung und weniger aktive Waldpflege. Beson­ders kleinere Pri­vat­waldbe­sitzer kön­nten an den steigen­den Anforderun­gen scheit­ern. Schon heute kämpfen viele Betriebe mit Per­sonal­man­gel, hohen Kosten und wirtschaftlichem Druck.

Hinzu kommt ein Grund­prob­lem, das in der Branche zunehmend offen ange­sprochen wird: Viele Waldbe­sitzer empfind­en die poli­tis­che Grund­hal­tung hin­ter der Reform als Aus­druck tiefen Mis­strauens gegenüber der Forstwirtschaft. Der Ein­druck entste­ht, nach­haltige Nutzung werde pauschal unter Ver­dacht gestellt. Dabei gilt ger­ade die deutsche Forstwirtschaft seit Jahrzehn­ten inter­na­tion­al als Vor­bild nach­haltiger Bewirtschaf­tung. Das Prinzip, nur so viel Holz zu nutzen, wie nach­wächst, stammt nicht aus poli­tis­chen Son­ntagsre­den, son­dern aus jahrhun­derte­langer forstlich­er Prax­is. Nun dro­ht der Förster zunehmend vom ver­ant­wortlichen Gestal­ter des Waldes zum Ver­wal­ter staatlich­er Aufla­gen degradiert zu wer­den.

Beson­ders prob­lema­tisch erscheint vie­len Prak­tik­ern die Vorstel­lung, weniger Nutzung bedeute automa­tisch mehr Naturschutz. Denn der kli­mare­sistente Umbau der Wälder kostet enorme Sum­men. Mis­chwälder entste­hen nicht von allein, Wieder­auf­forstung ist teuer, und junge Bestände müssen über Jahre gepflegt wer­den. Finanziert wird all das bis­lang über­wiegend durch die nach­haltige Nutzung des Rohstoffs Holz. Wird die wirtschaftliche Grund­lage der Forst­be­triebe geschwächt, fehlt am Ende das Geld für Wal­dum­bau, Pflege, Infra­struk­tur und Brand­schutz. Wer die Nutzung ver­teufelt, gefährdet para­dox­er­weise die aktive Entwick­lung sta­bil­er Wälder.

Hinzu kommt, dass Holz selb­st ein wichtiger Bestandteil mod­er­nen Kli­maschutzes ist. Es erset­zt energiein­ten­sive Baustoffe wie Beton, Stahl oder Kun­st­stoff und bindet langfristig CO₂. Wenn die heimis­che Holzwirtschaft durch zusät­zliche Aufla­gen geschwächt wird, steigt zwangsläu­fig der Import­druck aus Län­dern mit deut­lich niedrigeren Umwelt- und Sozial­stan­dards. Die ökol­o­gis­che Bilanz verbessert sich dadurch keineswegs – sie ver­schlechtert sich möglicher­weise sog­ar.

Ger­ade im ländlichen Raum wächst deshalb der Unmut über eine Poli­tik, die aus Sicht viel­er Betrof­fen­er zunehmend an der Real­ität vor­beige­ht. Entschei­dun­gen über den Wald wür­den immer häu­figer von Men­schen getrof­fen, die Wälder vor allem als Erhol­ungsraum oder Pro­jek­tions­fläche klimapoli­tis­ch­er Ziele betra­cht­en, nicht aber als kom­plex­en Wirtschafts‑, Natur- und Arbeit­sraum. Viele Fam­i­lien­forst­be­triebe fra­gen sich inzwis­chen ern­sthaft, wie sie zusät­zliche Aufla­gen kün­ftig noch stem­men sollen. Manche kön­nten die aktive Bewirtschaf­tung ganz aufgeben. Das Ergeb­nis wäre allerd­ings kein roman­tis­ch­er Urwald, son­dern häu­fig ein ungepflegter Prob­lemwald mit höherem Risiko für Wald­brände, Schädlings­be­fall und insta­bile Bestände.

Natür­lich braucht Deutsch­land einen starken Schutz sein­er Wälder. Nie­mand in der ser­iösen Forstwirtschaft bestre­it­et die drama­tis­chen Fol­gen des Kli­mawan­dels oder die Notwendigkeit ökol­o­gis­ch­er Ver­ant­wor­tung. Doch nach­haltiger Wald­schutz funk­tion­iert nur gemein­sam mit den Men­schen, die Ver­ant­wor­tung vor Ort tra­gen. Eine Reform, die stärk­er auf Kon­trolle als auf Koop­er­a­tion set­zt, gefährdet genau diese Zusam­me­nar­beit.

Die Wälder der Zukun­ft entste­hen nicht durch poli­tis­che Sym­bo­l­ik und pauschale Ver­bote. Sie entste­hen durch fach­liche Kom­pe­tenz, langfristige Ver­ant­wor­tung und wirtschaftlich tragfähige Bewirtschaf­tung. Wer die Forstwirtschaft sys­tem­a­tisch schwächt, schwächt am Ende auch den Wald selb­st. Die Reform des Bun­deswaldge­set­zes dro­ht deshalb zu einem poli­tis­chen Pres­tige­pro­jekt zu wer­den, das den Wald rhetorisch schützt, prak­tisch aber die Hand­lungs­fähigkeit sein­er Bewirtschafter ein­schränkt. Deutsch­lands Wälder brauchen keinen ide­ol­o­gis­chen Kul­turkampf zwis­chen Nutzung und Schutz, son­dern prag­ma­tis­che Lösun­gen, Ver­trauen in forstliche Exper­tise und Rah­menbe­din­gun­gen, die nach­haltige Bewirtschaf­tung ermöglichen statt erschw­eren. Denn eines bleibt auch kün­ftig richtig: Ein Wald ohne Forstwirtschaft ist nicht automa­tisch ein besser­er Wald.

© 2026 Andreas Zing­sheim / Eifelforsten · Alle Rechte vor­be­hal­ten.
Autor: Andreas Zing­sheim