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Der Zeit­punkt, zu dem Forstholz geschla­gen wird, hat einen erhe­blichen Ein­fluss auf dessen Qual­ität, Dauer­haftigkeit und spätere Ver­wen­dungsmöglichkeit­en. Diese Tat­sache ist seit Jahrhun­derten bekan­nt und wurde sowohl in der tra­di­tionellen Forstwirtschaft als auch in mod­er­nen holzwis­senschaftlichen Unter­suchun­gen immer wieder bestätigt. Den­noch wird ihre Bedeu­tung außer­halb fach­lich­er Kreise oft unter­schätzt.

Ein zen­traler Fak­tor ist der Wasserge­halt des Holzes. Bäume unter­liegen im Jahresver­lauf natür­lichen Schwankun­gen ihres Saft­flusses. Während der Veg­e­ta­tion­spe­ri­ode im Früh­jahr und Som­mer ist der Wasserge­halt beson­ders hoch, da der Baum aktiv wächst und Nährstoffe trans­portiert. Wird Holz in dieser Phase geschla­gen, enthält es mehr Feuchtigkeit, was die Trock­nung erschw­ert und das Risiko von Riss­bil­dung, Ver­for­mung und Pilzbe­fall erhöht. Im Gegen­satz dazu befind­et sich der Baum im Win­ter in ein­er Ruhep­hase, in der der Saft­fluss stark reduziert ist. Holz, das in dieser Zeit geern­tet wird, weist einen gerin­geren Wasserge­halt auf und ist daher form­sta­bil­er und weniger anfäl­lig für biol­o­gis­che Schä­den.

Ein weit­er­er wichtiger Aspekt ist die Wider­stands­fähigkeit gegenüber Schädlin­gen und Mikroor­gan­is­men. Frisch geschla­genes Holz mit hohem Nährstoff- und Feuchtigkeits­ge­halt bietet ide­ale Bedin­gun­gen für Insek­ten und holzzer­störende Pilze. Win­tergeschla­genes Holz hinge­gen enthält weniger leicht ver­füg­bare Nährstoffe und trock­net schneller ab, wodurch sich das Risiko eines Befalls deut­lich ver­ringert. Dies ist beson­ders rel­e­vant für Bauholz oder Holz im Außen­bere­ich, bei dem Lan­glebigkeit eine zen­trale Rolle spielt.

Auch die mech­a­nis­chen Eigen­schaften des Holzes wer­den durch den Ein­schlagszeit­punkt bee­in­flusst. Unter­suchun­gen zeigen, dass Holz aus win­ter­lich­er Fäl­lung oft eine höhere Dichte und bessere Fes­tigkeit­seigen­schaften aufweist. Diese Eigen­schaften sind entschei­dend für tra­gende Kon­struk­tio­nen, Möbel­bau oder hochw­er­tige Holzpro­duk­te. Zudem wirkt sich der Zeit­punkt indi­rekt auf die Bear­beit­barkeit aus: Holz mit gerin­gerem Feuchtigkeits­ge­halt lässt sich präzis­er sägen, hobeln und ver­leimen.

His­torisch gese­hen existieren sog­ar spez­i­fis­che Mond- und Kalen­der­regeln, nach denen Holz zu bes­timmten Zeit­en geschla­gen wer­den sollte, um opti­male Eigen­schaften zu erzie­len. Während einige dieser Über­liefer­un­gen wis­senschaftlich umstrit­ten sind, bestätigt die mod­erne Forschung zumin­d­est den grundle­gen­den Zusam­men­hang zwis­chen Jahreszeit, phys­i­ol­o­gis­chem Zus­tand des Baumes und Holzqual­ität.

Nicht zulet­zt spielt auch die Nach­haltigkeit eine Rolle. Ein opti­mal gewählter Ein­schlagszeit­punkt kann den Ein­satz von chemis­chen Holzschutzmit­teln reduzieren, da das Holz von Natur aus wider­stands­fähiger ist. Dies ist sowohl ökol­o­gisch als auch ökonomisch von Vorteil.

Zusam­men­fassend lässt sich sagen, dass der Zeit­punkt des Holzein­schlags weit mehr ist als eine organ­isatorische Entschei­dung in der Forstwirtschaft. Er bee­in­flusst maßge­blich die physikalis­chen, biol­o­gis­chen und mech­a­nis­chen Eigen­schaften des Holzes und damit dessen Qual­ität und Halt­barkeit. Eine bewusste Wahl des richti­gen Zeit­punk­ts – ins­beson­dere die Fäl­lung in der win­ter­lichen Ruhep­hase – stellt somit einen entschei­den­den Fak­tor für die nach­haltige und hochw­er­tige Nutzung von Holz dar.

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Autor: Andreas Zing­sheim