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Kaum eine Bau­mart polar­isiert die forstliche Debat­te in Deutsch­land so stark wie die Dou­glasie. Während sie von naturschutzro­man­tis­ch­er Seite gern als Sym­bol ein­er ent­fremde­ten Forstwirtschaft dargestellt wird, zeigt ger­ade die Eifel, dass diese Sichtweise zu kurz greift – ökol­o­gisch, kli­ma­tisch und his­torisch.

Die Eifel ist kein Urwald, son­dern eine jahrhun­derte­lang vom Men­schen geprägte Kul­tur­land­schaft. Große Teile der heuti­gen Wälder ent­standen nach mas­siv­en Über­nutzun­gen, Erz­ab­bau und Kahlschlä­gen. Die Vorstel­lung, man könne oder müsse hier zu einem ver­meintlich „ursprünglichen“ Zus­tand zurück­kehren, verken­nt diese Real­ität. Wälder der Eifel waren immer im Wan­del – und genau darin liegt ihre Stärke.

In diesem Kon­text ist die Dou­glasie kein Fremd­kör­p­er, son­dern eine Antwort auf konkrete Prob­leme, mit denen die Region heute kon­fron­tiert ist. Die let­zten Dür­re­jahre haben gezeigt, wie ver­let­zlich Fichte und selb­st Buche auf den flach­gründi­gen, oft vulka­nisch geprägten Böden der Eifel sind. Abster­bende Bestände, Borkenkäfer­kalamitäten und großflächige Kahlflächen sind keine the­o­retis­chen Risiken, son­dern sicht­bare Tat­sachen. Die Dou­glasie hat sich hier vielerorts als außeror­dentlich sta­bil erwiesen: tiefwurzel­nd, stand­fest, ver­gle­ich­sweise trock­en­re­sistent und weniger anfäl­lig für heimis­che Schadin­sek­ten.

Der häu­fig vorge­brachte Vor­wurf, die Dou­glasie schade der Bio­di­ver­sität, hält ein­er dif­feren­zierten Betra­ch­tung in der Eifel kaum stand. Zahlre­iche Stu­di­en zeigen, dass arten­re­iche Boden­veg­e­ta­tion, Pilzge­mein­schaften und Voge­larten sehr wohl Dou­glasienbestände nutzen – ins­beson­dere dann, wenn sie in Mis­chwäldern wach­sen. In der Eifel ist genau das vielerorts Prax­is: Dou­glasie als Beimis­chung zu Buche, Eiche, Ahorn oder Weiß­tanne, nicht als Monokul­tur. Sie erset­zt dort keine natur­na­hen Wälder, son­dern sta­bil­isiert sie.

Auch das Argu­ment der „Ver­drän­gung heimis­ch­er Arten“ wirkt kon­stru­iert, wenn man die Prax­is betra­chtet. In der Eifel ver­jüngt sich die Dou­glasie keineswegs flächen­deck­end inva­siv. Sie ist auf Licht angewiesen und lässt sich wald­baulich sehr gut steuern. Die eigentliche Ver­drän­gung heimis­ch­er Arten find­et derzeit eher durch Kli­mas­tress, Wild­ver­biss und Boden­ver­ar­mung statt – Prob­leme, die durch pauschale Ablehnung leis­tungs­fähiger Bau­marten nicht gelöst wer­den.

Nicht zulet­zt spielt die Holznutzung eine zen­trale Rolle. Die Dou­glasie liefert hochw­er­tiges, lan­glebiges Bauholz, das Beton und Stahl erset­zen kann. Ger­ade in ein­er struk­turschwachen Region wie der Eifel ist dies kein Makel, son­dern ein ökol­o­gis­ch­er Vorteil. Region­al erzeugtes Holz mit hoher CO₂-Bindung ist aktiv­er Kli­maschutz – und weit sin­nvoller, als Holz­im­porte aus frag­würdi­gen Quellen oder energiein­ten­sive Ersatz­ma­te­ri­alien.

Die pauschale Ver­teufelung der Dou­glasie verken­nt somit den Kern des Prob­lems: Nicht die Bau­mart entschei­det über ökol­o­gis­che Qual­ität, son­dern die Art der Bewirtschaf­tung. In der Eifel zeigt sich, dass eine klug einge­set­zte Dou­glasie Teil ein­er nach­halti­gen, sta­bilen und arten­re­ichen Waldzukun­ft sein kann. Sie ist kein Sym­bol indus­trieller Aus­beu­tung, son­dern ein Werkzeug – und wie jedes Werkzeug kann sie ver­ant­wor­tungsvoll oder falsch einge­set­zt wer­den.

Wer der Eifel wirk­lich helfen will, sollte weniger über ide­ol­o­gis­che Rein­heit sprechen und mehr über resiliente, vielfältige und nutzbare Wälder, die den kom­menden Jahrzehn­ten stand­hal­ten. Die Dou­glasie ist dabei kein Feind, son­dern ein Ver­bün­de­ter.