Auf Fichten-Kalamitätsflächen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich andere Baumarten als die Fichte etablieren, insbesondere in einer Region wie der Eifel. Je nach Standort, Höhenlage, Bodenbeschaffenheit und Bewirtschaftung liegt sie insgesamt bei etwa 60 bis über 90 Prozent. Die großflächigen Ausfälle der Fichte durch Borkenkäfer, Trockenheit und Sturm haben hier weniger eine waldlose Situation geschaffen als vielmehr neue Entwicklungsräume eröffnet, in denen sich standortgerechte und oft stabilere Baumarten ansiedeln können.

Die Eifel zeichnet sich durch eine große ökologische Vielfalt aus. Vulkanische und schiefrige Böden, wechselnde Expositionen sowie ein breites Spektrum an Niederschlägen und Temperaturen führen dazu, dass viele frühere Fichtenstandorte für diese Baumart ohnehin nur eingeschränkt geeignet waren. Nach dem Absterben der Fichten profitieren vor allem lichtliebende Pionierbaumarten von den offenen Verhältnissen. Birke, Weide und Aspe besiedeln solche Flächen häufig innerhalb weniger Jahre ganz von selbst, ebenso die Vogelbeere, die in der Eifel besonders verbreitet ist. Diese natürliche Verjüngung tritt auf einem Großteil der Kalamitätsflächen auf und erreicht ohne forstliches Eingreifen bereits eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit.
Mit fortschreitender Entwicklung wandern – sofern Samenbäume in der Umgebung vorhanden sind oder gezielt gepflanzt wird – auch langlebigere Baumarten ein. Auf frischen und nährstoffreicheren Standorten der Eifel hat vor allem die Buche gute Chancen, während auf wärmeren und trockeneren Lagen die Eiche an Bedeutung gewinnt. Ahornarten, Esche oder Erle ergänzen das Artenspektrum je nach Wasserhaushalt des Bodens. Durch Pflanzung und Schutzmaßnahmen, etwa gegen Wildverbiss, lässt sich die Etablierung dieser Baumarten gezielt steuern und ihre Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich erhöhen.
Der Klimawandel wirkt dabei als zentraler Verstärker dieses Prozesses. Die wiederholten Fichtenkalamitäten der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Fichte in großen Teilen der Eifel keine zukunftsfähige Hauptbaumart mehr ist. Entsprechend werden Kalamitätsflächen heute zunehmend bewusst für den Waldumbau genutzt. Insgesamt lässt sich festhalten, dass auf Fichten-Kalamitätsflächen in der Eifel mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Baumarten wachsen und sich langfristig vielfältige, strukturreiche und klimastabilere Mischwälder entwickeln.
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