In einem Revier, das über viele Jahre nur gering bejagt wird, steigt die Population von Schalenwildarten wie dem Reh und dem Rotwild in der Regel kontinuierlich an. Die geringe Entnahme führt zu hohen Überlebensraten aller Altersklassen, während die Reproduktionsleistung stabil bleibt oder bei guter Nahrungsverfügbarkeit sogar zunimmt. Die Altersstruktur verschiebt sich: Neben starken Jahrgängen kommen mehr ältere Tiere im Bestand vor. Die Populationskurve zeigt in dieser Phase einen deutlichen Aufwärtstrend, der sich allmählich einer durch Lebensraum und Nahrung begrenzten Obergrenze annähert.

Mit steigender Dichte nehmen innerartliche Konkurrenz, Krankheitsanfälligkeit und Stress zu. Gleichzeitig wächst der Verbissdruck auf die Waldverjüngung. Besonders betroffen sind selektiv bevorzugte Baumarten wie Tanne, Buche oder Eiche. Durch dauerhaften Leittriebverbiss werden diese Baumarten in der Naturverjüngung unterdrückt, während weniger attraktive Arten gefördert werden. Es entsteht eine Entmischung, die langfristig zu strukturellen Defiziten im Wald führt. In dieser Phase kann die Populationsdichte bereits über dem waldbaulich tragbaren Niveau liegen, auch wenn sie biologisch noch nicht zusammenbricht.
Erfolgt nach dieser Phase eine starke Bejagung, sinkt die Population zunächst deutlich. Die Kurve zeigt einen steilen Abfall, da hohe Entnahmeraten unmittelbar auf den Gesamtbestand wirken. Je nach Intensität kann der Bestand innerhalb weniger Jahre stark reduziert werden. Kurzfristig führt dies zu einer spürbaren Entlastung der Vegetation: Die Naturverjüngung kommt besser auf, Mischbaumarten können sich etablieren, und der Verbissdruck geht zurück.
In der anschließenden Phase entscheidet die Art der weiteren Bewirtschaftung über die Populationsdynamik. Wird dauerhaft mit angepasster, strukturierter Jagd gearbeitet, pendelt sich die Population auf einem mittleren, stabileren Niveau ein. Die Kurve flacht ab und zeigt geringere jährliche Schwankungen. Die Altersstruktur normalisiert sich, die individuelle Kondition verbessert sich durch geringere Konkurrenz, und Wald und Wild können in ein tragfähiges Gleichgewicht kommen.
Wird hingegen sehr stark, aber nur kurzfristig eingegriffen, kann es zu ausgeprägten Schwankungen kommen. Nach einem starken Einbruch reagiert die Population häufig mit erhöhter Wachstumsrate. Durch bessere Nahrungsverfügbarkeit pro Individuum steigt die körperliche Kondition der weiblichen Tiere, was zu höherer Fruchtbarkeit und besseren Überlebensraten der Jungtiere führt. Die Populationskurve zeigt dann einen erneuten, teilweise überraschend schnellen Anstieg. Bei anhaltend wechselnder Jagdintensität entsteht ein zyklisches Muster aus Überbestand, starker Reduktion und erneutem Anwachsen. Für den Waldbau bedeutet das wechselnde Phasen hohen und geringen Verbissdrucks – also fehlende Planungssicherheit.
Langfristig ist entscheidend, dass die Populationsentwicklung nicht allein biologisch betrachtet wird, sondern im Kontext der waldbaulichen Ziele. Eine dauerhaft zu hohe Wilddichte verhindert die standortgerechte Baumartenmischung und zwingt zu kostenintensiven Schutzmaßnahmen. Eine dauerhaft zu niedrige Dichte kann hingegen ökologische Funktionen des Wildes beeinträchtigen. Nachhaltig wirksam ist daher eine kontinuierliche, am Verjüngungsziel orientierte Regulierung, bei der die Populationskurve nicht extreme Ausschläge zeigt, sondern sich auf einem Niveau bewegt, das eine natürliche Waldentwicklung ohne flächigen Schutz ermöglicht.