Monat: Dezember 2025

Zwischen Duftsignal und Faserstruktur: Schafswolle als multifunktionaler Verbissschutz

Der Ein­satz von Schafs­wolle als Ver­bisss­chutz für Forstpflanzen auf Kle­in­st­flächen stellt eine biol­o­gisch basierte, nicht-tox­is­che Maß­nahme dar, die sowohl auf ver­hal­tensökol­o­gis­chen als auch auf physikalis­chen Wirk­mech­a­nis­men beruht.

Die abschreck­ende Wirkung der Schafs­wolle ist primär auf ihren art­spez­i­fisch unge­wohn­ten Geruch zurück­zuführen. Unge­wasch­ene Rohwolle enthält Lano­lin, Fettsäuren sowie mikro­biell bed­ingte Geruchsstoffe aus der Tier­hal­tung, die von Schalen­wild als poten­ziell störend oder risikobe­haftet wahrgenom­men wer­den. Stu­di­en zur Wildökolo­gie zeigen, dass Reh- und Rotwild bei der Nahrungsauf­nahme sen­si­bel auf olfak­torische Reize reagieren und neuar­tige Gerüche mit erhöhter Vor­sicht mei­den.

Ergänzend wirkt die Schafs­wolle als mech­a­nis­ch­er Reiz. Die faserige Struk­tur erschw­ert das Abbeißen der Ter­mi­nal­knospen und erzeugt eine unan­genehme tak­tile Wahrnehmung im Maulbere­ich. Zudem verän­dert die Anbringung von Woll­büscheln die visuelle Kon­tur der Pflanze, was das art­spez­i­fis­che Äsver­hal­ten weit­er reduziert. Diese Kom­bi­na­tion aus Geruchs‑, Tast- und Sehreizen erk­lärt die beobachtete Reduk­tion des Ver­biss­drucks ins­beson­dere bei Jungpflanzen.

Die Wirk­samkeit der Meth­ode ist jedoch zeitlich begren­zt. Durch Wit­terung­se­in­flüsse wie Nieder­schläge und UV-Strahlung nimmt die Inten­sität der Geruchsstoffe ab, wodurch die Abschreck­ungswirkung nach mehreren Wochen deut­lich reduziert sein kann. Unter Bedin­gun­gen hohen Wild­drucks reicht Schafs­wolle daher in der Regel nicht als alleinige Schutz­maß­nahme aus, son­dern ent­fal­tet ihre größte Wirkung im Rah­men eines inte­gri­erten Wild­schutzkonzepts.

Neben der Schutz­funk­tion weist Schafs­wolle pos­i­tive stan­dortökol­o­gis­che Neben­ef­fek­te auf. Als organ­is­ches Mate­r­i­al wirkt sie boden­nah leicht wasser­hal­tend und trägt langfristig zur Stick­stof­fver­sorgung bei, da sie langsam min­er­al­isiert wird. Neg­a­tive Auswirkun­gen auf Bode­nor­gan­is­men oder Pflanzenen­twick­lung sind bei sachgemäßer Anwen­dung nicht bekan­nt.

Zusam­men­fassend kann Schafs­wolle als ökol­o­gisch nach­haltige, kostengün­stige und prax­is­taugliche Maß­nahme zur Reduk­tion von Wild­ver­biss bew­ertet wer­den, deren Effek­tiv­ität ins­beson­dere bei mod­er­atem Wild­druck und in Kom­bi­na­tion mit mech­a­nis­chen Schutzsys­te­men gegeben ist.

Zwischen tödlicher Gefahr und lebenswichtiger Symbiose

Copy­right © 2025 Andreas Zing­sheim

Pilze an Bäu­men lassen sich grund­sät­zlich in zwei große ökol­o­gis­che Grup­pen ein­teilen: solche, die den Baum schädi­gen und ihn im Extrem­fall töten, und solche, die mit dem Baum in ein­er echt­en Lebens­ge­mein­schaft ste­hen und für bei­de Part­ner Vorteile erzeu­gen. Diese Unter­schei­dung ist zen­tral, weil Pilze im Wald entwed­er als zer­störerische Krankheit­ser­reger oder als uner­set­zliche Helfer auftreten kön­nen. Zunächst sind die schädi­gen­den Pilze zu betra­cht­en. Sie wer­den oft als par­a­sitäre oder holzzer­set­zende Pilze beze­ich­net, da sie das lebende Holz eines Baumes befall­en, in ihm ein­drin­gen und es struk­turell abbauen kön­nen. Zu diesen Pilzen zählt beispiel­sweise der Hal­li­masch, ein­er der gefährlich­sten Forstschädlinge über­haupt. Er befällt die Wurzeln sowie den unteren Stam­mab­schnitt, verur­sacht eine charak­ter­is­tis­che Weißfäule und kann Bäume aller Alter­sklassen befall­en. Beson­ders tück­isch ist seine Fähigkeit, sich über soge­nan­nte Rhi­zomor­phen – schwarze, wurzelähn­liche Stränge – im Boden zu ver­bre­it­en und von Baum zu Baum zu wan­dern. Eben­falls gefürchtet ist der Brand­krusten­pilz Kret­zschmaria deusta, der vor allem den Stamm­fuß befällt, das Holz dort zer­set­zt und die Stand­fes­tigkeit des Baumes mas­siv reduziert. Man erken­nt ihn an den unauf­fäl­li­gen, später schwarz wer­den­den Krusten am Stamm, doch sein eigentlich ver­heeren­der Effekt find­et im Inneren des Baumes statt, wo das Holz weich und brüchig wird, oft ohne dass der Baum äußer­lich geschwächt aussieht – was ihn beson­ders gefährlich macht.

Ein weit­er­er bedeu­ten­der Holzzer­stör­er ist der Lack­por­ling aus der Gat­tung Gan­o­der­ma, dessen glänzende rot­braune Fruchtkör­p­er zwar oft schön ausse­hen, aber in den Wurzeln und im unteren Stamm eine Fäule aus­lösen, die zum Abster­ben führen kann. Der Riesen­por­ling, der häu­fig an Buchen auftritt, verur­sacht eine schwere Wurzelfäule, die dazu führt, dass schein­bar gesunde Bäume bei Sturm unver­mit­telt umstürzen. Der Schwe­fel­por­ling, leicht erkennbar an sein­er leuch­t­end gel­ben Farbe, befällt häu­fig Eichen, Wei­den oder Obst­bäume und löst eine Braun­fäule aus, bei der das Holz wür­fe­lig zer­bricht und seine Tragfähigkeit ver­liert. Auch der Zun­der­schwamm ist zu nen­nen, der beson­ders an vorgeschädigten Laub­bäu­men vorkommt und eine Weißfäule erzeugt. Obwohl er oft eher als „Aufräumer“ in alten Bestän­den gilt, kann er bei vital­en Bäu­men eben­falls erhe­blichen Schaden verur­sachen. Gemein ist all diesen Pilzen, dass sie direkt am Holz wach­sen – am Stamm, an Schnittstellen, an Wurze­lan­läufen oder an Ver­let­zun­gen – und dass ihr Wach­s­tum untrennbar mit der Zer­set­zung der Baum­sub­stanz ver­bun­den ist.

Auf der anderen Seite ste­hen die Pilze, die mit Bäu­men in Sym­biose leben, ins­beson­dere die soge­nan­nten Myk­o­r­rhiza­pilze. Zwis­chen ihnen und dem Baum beste­ht ein gegen­seit­ig vorteil­haftes Ver­hält­nis: Der Pilz umhüllt die feinen Wurzel­spitzen des Baumes oder dringt in deren äußere Zellschicht­en ein und bildet ein weitre­ichen­des Netz aus Hyphen im Boden, das die Reich­weite der Wurzeln enorm ver­größert. Dadurch kann der Baum Nährstoffe wie Phos­phor, Stick­stoff und Spurenele­mente wesentlich effizien­ter aufnehmen, als er es allein kön­nte. Der Pilz wiederum erhält vom Baum Zuck­er und andere organ­is­che Verbindun­gen, die für ihn leben­snotwendig sind. Ein klas­sis­ch­er Vertreter dieser Sym­biose ist der Stein­pilz, der mit ver­schiede­nen Bau­marten wie Ficht­en, Kiefern, Buchen und Eichen zusam­men­lebt. Auch der Fliegen­pilz bildet eine typ­is­che Myk­o­r­rhiza, beson­ders häu­fig mit Birken sowie Ficht­en und Kiefern. Zu den wichti­gen Myk­o­r­rhiza­pilzen zählt zudem der Pfif­fer­ling, der mit Nadel­bäu­men und eini­gen Laub­bäu­men kooperiert. Birken­pilze und Rotkap­pen sind meist an ihre jew­eili­gen Bau­marten gebun­den: Der Birken­pilz bildet seine Myk­o­r­rhiza fast auss­chließlich mit Birken, während Rotkap­pen typ­is­che Part­ner von Pap­peln, Espen oder Birken sein kön­nen. Trüf­fel wiederum sind hoch spezial­isierte Sym­bion­ten, die bevorzugt mit Eichen, Hain­buchen und Hasel­sträuch­ern zusam­me­nar­beit­en. Diese sym­bi­o­tis­chen Pilze wach­sen nicht direkt am Holz, son­dern im Boden rund um den Baum. Ihre Fruchtkör­p­er erscheinen zwar oberirdisch, doch ihr eigentlich­es Pilzge­flecht, das Myzel, lebt als wesentlich­er Bestandteil des unterirdis­chen Wurzel­raums.

Entschei­dend für die Unter­schei­dung, ob ein Pilz für einen Baum schädlich oder nüt­zlich ist, ist daher in erster Lin­ie der Stan­dort und die Wuchs­form. Pilze, die direkt am Stamm, am Stamm­fuß oder an Wurzeln in Form von Por­lin­gen, Kon­solen, Krusten oder Pol­stern erscheinen, sind sehr oft holzzer­störende Par­a­siten oder zumin­d­est Zer­set­zer, die den Baum schwächen. Pilze hinge­gen, die als Röhrlinge, Täublinge, Milch­linge, Pfif­fer­linge oder andere typ­is­che Wald­pilze im Boden rund um den Baum wach­sen, sind in der Regel Myk­o­r­rhiza­pilze und damit für die Vital­ität des Baumes eher förder­lich als gefährlich.

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