Derzeit existieren noch keine Forstmaschi­nen, die das Ausze­ich­nen zu ent­nehmender Bäume voll­ständig automa­tisiert durch­führen. Zwar ver­fü­gen mod­erne Har­vester über zunehmend fortschrit­tliche dig­i­tale Sys­teme, doch diese dienen vor­rangig der Unter­stützung des Maschi­nen­führers und erset­zen die fach­liche Entschei­dung über die Baumwahl des Försters bis­lang nicht.

Aktuell basieren die meis­ten Sys­teme auf der Inte­gra­tion dig­i­taler Forstkarten und GPS-gestützter Nav­i­ga­tion. Zuvor im Bestand markierte Bäume – sei es durch physis­che Farb­sig­nale oder dig­i­tale Ein­träge in GIS-Anwen­dun­gen – kön­nen in das Bor­d­com­put­er­sys­tem des Har­vesters über­tra­gen und dort visuell dargestellt wer­den. Dies ermöglicht eine präzise Ori­en­tierung und reduziert Fehlent­nah­men, ändert jedoch nichts daran, dass die eigentliche Auswahlentschei­dung vom Fahrer getrof­fen wird.

In der Forschung wer­den derzeit ver­schiedene Ansätze erprobt, um diesen Prozess zu automa­tisieren oder zumin­d­est algo­rith­misch zu unter­stützen. Unter dem Schlag­wort des „virtuellen Ausze­ich­nens“ wer­den Ver­fahren entwick­elt, die auf der Erfas­sung und Analyse von Bestandes­dat­en durch LiDAR-Sen­sorik, optis­che Kam­eras und kün­stliche Intel­li­genz beruhen. Ziel ist es, einzelne Bäume hin­sichtlich Art, Dimen­sion, Vital­ität und Posi­tion zu iden­ti­fizieren und daraus Empfehlun­gen für eine bestandes­gerechte Ent­nahme abzuleit­en. Beispiele hier­für find­en sich in Pro­jek­ten wie SmartHar­vest in Skan­di­navien oder Forschungsar­beit­en an deutschen Hochschulen und Insti­tuten.

Trotz tech­nis­ch­er Fortschritte befind­en sich diese Sys­teme jedoch noch im exper­i­mentellen Sta­di­um. Die größte Her­aus­forderung liegt nicht in der Date­nauf­nahme, son­dern in der mod­ell­haften Abbil­dung wald­baulich­er Entschei­dung­sprozesse. Die Wahl eines Ent­nah­me­baums hängt in der Prax­is von ein­er Vielzahl qual­i­ta­tiv­er und kon­textab­hängiger Fak­toren ab – etwa den langfristi­gen Zielbestän­den, der Mis­chungsreg­ulierung, der Sta­bil­ität des Rest­be­stands, Habi­tat­struk­turen oder betrieblichen Vor­gaben. Diese Kom­plex­ität lässt sich bis­lang nur eingeschränkt algo­rith­misch abbilden.

Darüber hin­aus beste­hen rechtliche, sicher­heit­stech­nis­che und ethis­che Gren­zen für eine vol­lau­tonome Fäl­lentschei­dung. Eine Mas­chine, die ohne men­schliche Kon­trolle eigen­ständig Bäume auswählt und fällt, wäre aus gegen­wär­tiger Sicht wed­er genehmi­gungs­fähig noch wald­baulich vertret­bar. Auch ökonomisch ist der poten­zielle Effizien­zgewinn begren­zt, da die Entschei­dungs­find­ung im Ver­gle­ich zur physis­chen Holz­ernte nur einen gerin­gen Anteil der Gesam­tar­beit­szeit aus­macht.

Zusam­men­fassend lässt sich fes­thal­ten, dass die voll­ständi­ge Automa­tisierung des Ausze­ich­nens durch Har­vester derzeit nicht mark­treif ist. Ver­füg­bar sind hinge­gen Sys­teme zur dig­i­tal­en Unter­stützung und Visu­al­isierung der Baumwahl, die eine wertvolle Ergänzung, jedoch keinen Ersatz für forstliche Fachkom­pe­tenz darstellen.