Monat: September 2025

Differenzierung forstlicher und gesellschaftlicher Akteure: BUND, ANW und SDW im Spannungsfeld von Schutz, Nutzung und Bildung

In diesem Artikel geht es um das “Who is Who” der­er, die sich dem The­ma Wald- und Forst gesellschaftlich wid­men. Um den Rah­men nicht zu spren­gen, wollen wir uns auf die bekan­ntesten Miet­spiel­er konzen­tri­eren.

Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutsch­land e.V.) ist ein klas­sis­ch­er Umwelt- und Naturschutzver­band mit starkem poli­tis­chem und gesellschaftlichem Pro­fil. Wälder betra­chtet er primär als ökol­o­gis­che Ressource und als Teil über­ge­ord­neter Bio­di­ver­sitäts- und Kli­maschutzs­trate­gien. Seine Posi­tion­ierun­gen sind oft­mals schutzge­bi­et­sori­en­tiert, fordern eine stärkere Prozesss­chut­zori­en­tierung (d. h. die Ausweisung von Natur­wäldern ohne forstliche Nutzung) und zie­len auf eine ökosys­temare Gesamt­per­spek­tive ab. Der BUND agiert stark advoka­torisch gegenüber Poli­tik und Gesellschaft, weniger jedoch inner­halb der prak­tis­chen forstlichen Bewirtschaf­tung.

Die ANW (Arbeits­ge­mein­schaft Naturgemäße Wald­wirtschaft e.V.) hinge­gen ist eine fach­lich-pro­fes­sionelle Vere­ini­gung von Forstleuten, Wis­senschaftlern und Waldbe­sitzern, die sich dezi­diert der wald­baulichen Prax­is wid­met. Ihr Leit­bild ist das Konzept des Dauer­waldes nach Alfred Möller, das auf kon­tinuier­liche Bestock­ung, Plen­terung­sprinzip­i­en, stan­dort­gerechte Mis­chbau­marten­wahl und die Selb­streg­u­la­tions­fähigkeit des Ökosys­tems set­zt. Ziel ist eine ökol­o­gisch nach­haltige, aber zugle­ich ökonomisch tragfähige Form der Wald­be­wirtschaf­tung. Damit posi­tion­iert sich die ANW als forsttech­nisch ori­en­tierte Reform­be­we­gung inner­halb der Forstwirtschaft, die den Gegen­satz zwis­chen rein ertrag­sori­en­tiert­er Forstwirtschaft und strengem Naturschutz aufzulösen ver­sucht.

Die SDW (Schutzge­mein­schaft Deutsch­er Wald e.V.) schließlich fungiert primär als gesellschaftlich-ver­mit­tel­nde Organ­i­sa­tion im Bere­ich Wald­päd­a­gogik, Öffentlichkeit­sar­beit und Umwelt­bil­dung. Während sie eben­falls den Schutz des Waldes als Ziel for­muliert, liegt ihr Schw­er­punkt weniger auf forsttech­nis­chen Diskursen oder poli­tis­ch­er Lob­b­yarbeit, son­dern auf der Sen­si­bil­isierung der Bevölkerung. Instru­mente sind z. B. Baumpflan­za­k­tio­nen, die Ein­rich­tung von Schul­wäldern, didak­tis­che Pro­gramme und die sym­bol­is­che Repräsen­ta­tion des Waldes als Kul­turgut. Sie agiert somit eher sozio-päd­a­gogisch und ver­ste­ht sich als Brücke zwis­chen Wald, Gesellschaft und nachwach­senden Gen­er­a­tio­nen.

Dimen­sionBUNDANWSDW
Ziel­gruppePoli­tik, Gesellschaft, Öffentlichkeit, Umwelt­be­we­gungForstprak­tik­er, Waldbe­sitzer, ForstwissenschaftlerAll­ge­mein­bevölkerung, Kinder & Jugendliche, Schulen
Hand­lungs­feldUmwelt- und Naturschutz, poli­tis­che Lob­b­yarbeit, Klimapoli­tikWald­bauliche Prax­is, nach­haltige Bewirtschaf­tung, Dauer­wald­konzepteUmwelt­bil­dung, Öffentlichkeit­sar­beit, Pflan­za­k­tio­nen
Leit­bildUmwelt- und Naturschutz, poli­tis­che Lob­b­yarbeit, Klimapoli­tikDauer­wald, natur­na­he Wald­wirtschaft, stan­dort­gerechte Mis­chwälderErhalt des Waldes als Kul­turgut, Bewusst­seins­bil­dung
MethodikKam­pag­nen, Rechtsgutacht­en, poli­tis­che Stel­lung­nah­men, medi­ale PräsenzForstliche Leitlin­ien, prax­is­na­he Empfehlun­gen, Fach­ta­gun­gen, Net­zw­erkeBaumpflan­za­k­tio­nen, Schul­wälder, päd­a­gogis­che Pro­jek­te
Aus­rich­tungAdvoka­torisch, ökol­o­gisch-strate­gischForstlich-tech­nisch, prax­isori­en­tiertPäd­a­gogisch, gesellschaftlich-ver­mit­tel­nd
Zei­tho­r­i­zontLangfristiger Schutz durch poli­tis­che und gesellschaftliche Rah­menbe­din­gun­genDauer­hafte Walden­twick­lung durch kon­tinuier­liche Pflege und NutzungBewusst­sein und Bindung an den Wald in der näch­sten Gen­er­a­tion

Der Zitrusbaum der Eifel ?

Die Dou­glasie (Pseudot­suga men­ziesii) ist ein aus Nor­dameri­ka stam­mender Nadel­baum, der seit dem 19. Jahrhun­dert auch in Mit­teleu­ropa und damit in der Eifel angepflanzt wird. Ihre Nadeln sind ein wichtiges Bes­tim­mungsmerk­mal und zugle­ich ein Anpas­sungse­le­ment, das erk­lärt, warum die Dou­glasie in der Eifel so gut gedei­ht.

Die Nadeln sind zwis­chen zwei und vier Zen­time­ter lang, flach, weich und nicht stechend – ein deut­lich­er Unter­schied zur oft scharf wirk­enden Fichte. Sie sitzen spi­ralig am Zweig, wer­den aber durch eine kleine Drehung an der Basis so aus­gerichtet, dass sie seitlich abste­hen und den Zweig fast kamm­för­mig beblät­tern. Charak­ter­is­tisch sind die zwei weißlichen Spaltöff­nungsstreifen auf der Unter­seite, die aus zahlre­ichen Stom­a­ta beste­hen. Sie reg­ulieren den Gasaus­tausch und schützen die Nadel vor über­mäßiger Ver­dun­stung. Zer­reibt man die Nadeln zwis­chen den Fin­gern, ent­fal­ten sie einen frisch-zitron­i­gen Duft – ein Merk­mal, das ger­ade bei Waldspaziergän­gen in der Eifel auf­fällt.

Die Nadeln sind mit einem kleinen, „saug­napfähn­lichen“ Ansatz am Zweig befes­tigt. Wenn sie abfall­en, bleibt im Unter­schied zur Fichte keine spitze, raue Stelle zurück, son­dern eine glat­te Narbe. Dieser Unter­schied ist nicht nur für die Bes­tim­mung rel­e­vant, son­dern erk­lärt auch, warum Spaziergänger die Dou­glasie in der Eifel leicht von Ficht­en unter­schei­den kön­nen.

Im Zusam­men­hang mit der Eifel spielt der Auf­bau der Nadeln eine wichtige Rolle für die ökol­o­gis­che Anpas­sung: Das Mit­tel­ge­birge ist geprägt von eher kühlen Tem­per­a­turen, höheren Nieder­schlä­gen und sauren Böden. Die Nadeln der Dou­glasie sind so gebaut, dass sie auch bei Frost oder Trock­en­pe­ri­o­den Pho­to­syn­these betreiben kön­nen, ohne viel Wass­er zu ver­lieren. Die wach­sar­tige Cutic­u­la, die weißen Spaltöff­nungsstreifen und die lange Lebens­dauer der Nadeln (oft mehrere Jahre) machen den Baum beson­ders wider­stands­fähig. Diese Eigen­schaften haben dazu beige­tra­gen, dass die Dou­glasie heute als Ersatzbau­mart für die stark geschädigten Ficht­en­wälder der Eifel gilt. Während die Fichte zunehmend unter Borkenkäfer­be­fall und Kli­mas­tress lei­det, zeigen Dou­glasienbestände eine höhere Sta­bil­ität – und ihre Nadeln sind ein sicht­bares Zeichen dieser Anpas­sungs­fähigkeit.

Zusam­men­fassend sind die Nadeln der Dou­glasie weich, flach, mit weißen Spaltöff­nungsstreifen, charak­ter­is­tis­chem Zitrus­duft und ein­er speziellen Ansatz­form am Zweig. In der Eifel tra­gen diese Merk­male dazu bei, dass die Dou­glasie gut erkennbar ist, ökol­o­gisch sta­bil bleibt und inzwis­chen eine wichtige Rolle beim Umbau der Wälder spielt.

Copy­right © 2025 Andreas Zing­sheim

Anatomischer Querschnitt der Douglasiennadel

  1. Cutic­u­la & Epi­der­mis
    Die äußer­ste Schicht der Nadel ist von ein­er wach­sar­ti­gen Cutic­u­la über­zo­gen. Diese Schicht ist wasser­ab­weisend und schützt vor Aus­trock­nung sowie vor Schad­stof­fen. In der Eifel, wo sowohl trock­ene Som­mer­pe­ri­o­den als auch saure Böden vorkom­men, ist diese Anpas­sung beson­ders nüt­zlich. Unter der Cutic­u­la liegt die Epi­der­mis, eine ein­schichtige Zel­l­lage, die die Nadel umschließt.
  2. Hypo­der­mis
    Direkt unter der Epi­der­mis liegt die Hypo­der­mis, beste­hend aus dick­wandi­gen Zellen. Sie ver­lei­ht der Nadel Fes­tigkeit und zusät­zlichen Ver­dun­stungss­chutz. Diese Schicht macht die Nadeln wider­stands­fähig gegenüber Wind und Wit­terung – in der Eifel wichtig, da auf den Höhen­la­gen (z. B. Hocheifel oder Hun­srück­rand) oft starke Winde herrschen.
  3. Spaltöff­nun­gen (Stom­a­ta)
    Vor allem auf der Nadelun­ter­seite befind­en sich in zwei charak­ter­is­tis­chen weißen Streifen die Spaltöff­nun­gen. Sie reg­ulieren den Gasaus­tausch für Pho­to­syn­these und Atmung. Die ver­tiefte Lage der Stom­a­ta und die Wach­sausklei­dung reduzieren den Wasserver­lust – ein Grund, warum Dou­glasien auch in den zunehmend trock­eneren Som­mern der Eifel sta­bil­er bleiben als Ficht­en.
  4. Harzkanäle
    In der Dou­glasi­en­nadel ver­laufen mehrere Harzkanäle, die mit Harz gefüllt sind. Dieses Harz wirkt antibak­teriell und anti­fun­gal und schützt die Pflanze vor Fraßfein­den. Der typ­is­che zitrusar­tige Geruch beim Zer­reiben der Nadeln hängt mit diesen Harzkanälen zusam­men. Ger­ade in der Eifel, wo Pilzkrankheit­en in feucht­en Lagen häu­figer auftreten kön­nen, ist das ein Vorteil.
  5. Assim­i­la­tion­s­parenchym (Mes­o­phyll)
    Das Mes­o­phyll ist das Gewebe, in dem Pho­to­syn­these betrieben wird. Es beste­ht aus pal­isadenar­tig ange­ord­neten Zellen, die viele Chloro­plas­ten enthal­ten. Durch die dichte Anord­nung wird auch bei geringer Licht­in­ten­sität – wie sie im schat­ti­gen Eifel­wald oft vorkommt – eine effiziente Pho­to­syn­these ermöglicht.
  6. Leit­bün­del
    Im Zen­trum der Nadel liegen ein bis zwei Leit­bün­del, die von einem Bün­delschei­degewebe umgeben sind. Diese trans­portieren Wass­er, Min­er­al­stoffe und die bei der Pho­to­syn­these gebilde­ten Zuck­er. Die Leit­bün­del sind durch die dick­wandi­gen umgeben­den Zellen mech­a­nisch geschützt – wichtig für die lange Lebens­dauer der Nadeln, die oft mehrere Jahre am Baum verbleiben.

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