Monat: August 2025

Die wichtige Rolle des Totholzes

Copy­right © 2025 Andreas Zing­sheim

In den Wäldern der Eifel hat die Borkenkäfer-Kalamität in den ver­gan­genen Jahren großflächig Ficht­enbestände zum Abster­ben gebracht. Viele Waldbe­sitzende ste­hen nun vor der Frage, ob das auf diesen Flächen anfal­l­ende Totholz kom­plett ent­fer­nt oder bess­er im Wald belassen wer­den sollte. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, da die Entschei­dung immer von Stan­dort, Zielset­zung und angren­zen­den Bestän­den abhängt.

Aus forstschutz­fach­lich­er Sicht ist entschei­dend, dass frisch befal­l­ene Ficht­en mit noch anhaf­ten­der Rinde eine akute Gefahr darstellen. Solange die Käfer­en­twick­lung im Holz möglich ist, beste­ht ein erhe­blich­es Aus­bre­itungsrisiko auf benach­barte Ficht­enbestände. Deshalb ist es im Wirtschaftswald nach wie vor notwendig, solch­es Käfer­holz kon­se­quent aufzuar­beit­en oder abz­u­fahren. Beson­ders in der Eifel, wo vielerorts noch Ficht­en­reste ste­hen, sollte man hier keine Kom­pro­misse einge­hen.

Sobald die Bäume jedoch län­gere Zeit abgestor­ben sind, die Rinde abfällt und das Holz aus­trock­net, ver­liert es seine Funk­tion als Bru­traum. In diesem Sta­di­um ist es forstschutztech­nisch unbe­den­klich und kann wertvolle ökol­o­gis­che und wald­bauliche Funk­tio­nen übernehmen. Ger­ade auf den typ­is­chen Hanglagen der Eifel, die anfäl­lig für Ero­sion sind, leis­ten liegende Stämme einen wichti­gen Beitrag zum Boden­schutz. Sie brem­sen den Abtrag bei Starkre­gen, spe­ich­ern Wass­er und verbessern das Mikrokli­ma. Auf diese Weise erle­ichtern sie die Naturver­jün­gung, die für den Wal­dum­bau von zen­traler Bedeu­tung ist.

Auch aus wald­baulich­er Sicht hat das Belassen von Totholz klare Vorteile. Es schafft ein Schutzgerüst für junge Bäume, reduziert die Aus­trock­nung und min­dert den Ver­biss­druck durch Schalen­wild. Beson­ders bei Pflanzun­gen kön­nen dadurch langfristig Kosten einges­part wer­den, da weniger Ver­bisss­chutz­maß­nah­men notwendig sind. Für die Bio­di­ver­sität ist Totholz ohne­hin unverzicht­bar. Zahlre­iche Insek­ten, Pilze, Fle­d­er­mäuse und Vögel sind auf diese Struk­turen angewiesen. In ein­er Region wie der Eifel, in der Naturschutz und Touris­mus eine große Rolle spie­len, hat dieser Aspekt zusät­zlich­es Gewicht.

Der Wal­dum­bau in der Eifel zielt darauf ab, sta­bile Mis­chbestände mit kli­mare­silien­ten Bau­marten zu etablieren. Dabei prof­i­tieren ger­ade Buche, Eiche, Ahorn, Tanne oder auch Dou­glasie vom Vorhan­den­sein von Totholz, weil es für sie Schutz vor Sonnene­in­strahlung und Konkur­ren­zveg­e­ta­tion bietet und zudem den Boden feucht hält. Pio­nier­arten wie Birke und Wei­de nutzen die offe­nen Flächen schnell und schaf­fen durch Beschat­tung Über­gangs­be­din­gun­gen, unter denen sich die eigentlichen Ziel­bau­marten bess­er entwick­eln kön­nen. Auf guten Stan­dorten set­zt man vor allem auf Buche und Ahorn, während auf ärmeren oder trock­eneren Flächen Eichenarten von Vorteil sind. In höheren, feuchteren Lagen kann auch die Weiß­tanne eine Rolle spie­len. Sog­ar Dou­glasie kann in geeigneten Lagen sin­nvoll beigemis­cht wer­den, wenn man auf sta­bile Mis­chun­gen achtet. All diese Bau­marten prof­i­tieren indi­rekt davon, wenn Totholz belassen wird, da es den Auf­bau ein­er geschützten Kleinkulisse ermöglicht, in der sich junge Bäume bess­er etablieren.

Gle­ichzeit­ig ist klar, dass es Bere­iche gibt, in denen das Belassen von Totholz nicht möglich ist. An Wegen, in der Nähe von Sied­lun­gen oder an touris­tisch stark genutzten Orten muss aus Grün­den der Verkehrssicher­heit einge­grif­f­en wer­den. Auch wirtschaftliche Über­legun­gen spie­len eine Rolle: Frisches Holz mit Mark­twert wird häu­fig ent­nom­men, während die Aufar­beitung min­der­w­er­ti­gen Mate­ri­als kaum kos­ten­deck­end ist. Ger­ade hier kann es für viele Waldbe­sitzende sin­nvoller sein, das Holz gezielt im Bestand zu belassen, anstatt Ver­luste durch aufwendi­ge Holz­ernte weit­er zu ver­größern.

Für die forstliche Prax­is in der Eifel bedeutet dies, dass sich eine abgestufte Vorge­hensweise anbi­etet. Frisches Befalls- und Brutholz wird ent­nom­men, um die weit­ere Käfer­ver­mehrung einzudäm­men. Älteres, entrindetes Totholz hinge­gen bleibt im Bestand und übern­immt dort wertvolle Funk­tio­nen für Boden­schutz, Walden­twick­lung und Arten­vielfalt. Gle­ichzeit­ig dient es als Hil­f­sstruk­tur für die Naturver­jün­gung und unter­stützt Pflanzun­gen, die den Wal­dum­bau beschle­u­ni­gen sollen. Auf diese Weise kann das Totholz von einem ver­meintlichen Prob­lem zu einem wichti­gen Werkzeug im Wieder­auf­bau der Eifel­wälder wer­den.

Langfristig wird sich so ein neues Wald­bild entwick­eln, das deut­lich vielfältiger und sta­bil­er ist als die alten Ficht­en­reinbestände. Totholz ist dabei nicht Stör­fak­tor, son­dern ein zen­traler Bestandteil der Strate­gie, mit der die Wälder der Eifel in eine kli­maangepasste und natur­na­he Zukun­ft geführt wer­den kön­nen.

„Sommer 2025 in der Eifel: Zwischen leeren Talsperren und ausbleibendem Landregen“

Der Som­mer 2025 ver­lief in der Eifel deut­lich trock­en­er als im Vor­jahr und set­zte damit den außergewöhn­lich nieder­schlagsar­men Trend fort, der bere­its im Früh­jahr einge­set­zt hat­te. Schon im Juni fie­len in Nor­drhein-West­falen im Mit­tel nur rund 57 Liter Regen pro Quadrat­meter, was etwa ein Vier­tel weniger war als üblich. Der Juli brachte zwar mehr Schauer, blieb mit durch­schnit­tlich etwa 83 Litern aber immer noch leicht unter dem langjähri­gen Mit­tel. Im Bun­desver­gle­ich gehörte NRW damit zu den trock­eneren Regio­nen. Für die Eifel bedeutete dies, dass von den nor­maler­weise höheren Nieder­schlä­gen in den Mit­tel­ge­birgsla­gen nur wenig zu spüren war – ergiebige Lan­dregen blieben aus, und die weni­gen Schauer kon­nten die Defizite nicht aus­gle­ichen.

Beson­ders sicht­bar wurde diese Trock­en­heit an den Talsper­ren. Die Spe­ich­er­stände der großen Anla­gen wie Olef­t­alsperre und Urft­talsperre lagen bere­its Anfang Juli deut­lich unter den in früheren Jahren gewohn­ten Werten. Statt um die 85 Prozent Füll­stand wie in einem nor­malen Som­mer waren es nur gut 70 Prozent, im Ver­lauf des Julis sanken die Werte sog­ar weit­er. Auch die Rur­talsperre musste ihre Wasser­ab­gaben mehrfach anpassen, um die Unter­läufe zu sta­bil­isieren, da die Zuflüsse schwach blieben. Das zeigt, dass die Wasser­re­ser­ven des Som­mers 2025 deut­lich stärk­er beansprucht wur­den als im Vor­jahr.

Im Ver­gle­ich dazu hat­te der Som­mer 2024 in Nor­drhein-West­falen mit etwa 257 Litern pro Quadrat­meter sog­ar leicht über­durch­schnit­tliche Nieder­schläge gebracht. Damals kam es auch in der Eifel vere­inzelt zu kräfti­gen Gewit­tern und Starkre­genereignis­sen, die die Spe­ich­er auf­füll­ten. Von solchen Lagen blieb der Som­mer 2025 weit­ge­hend ver­schont.

Ins­ge­samt war der Som­mer 2025 in der Eifel also erhe­blich trock­en­er als 2024: mete­o­rol­o­gisch sicht­bar in den deut­lich gerin­geren Nieder­schlagssum­men, hydrol­o­gisch belegt durch sink­ende Talsper­ren­stände und schwächere Abflüsse. In Verbindung mit dem bere­its trock­e­nen Früh­jahr ver­schärfte sich die Sit­u­a­tion zusät­zlich, sodass die Eifel im Som­mer 2025 spür­bar stärk­er unter Trock­en­heit litt als im Jahr zuvor.

„Zwischen Wind und Flügeln — die Rolle der Bienen bei der Bestäubung von Forstpflanzen in der Eifel“

Copy­right © 2025 Andreas Zing­sheim

Die Rolle der Bienen bei der Bestäubung von Forstpflanzen in der Eifel ist vor allem vor dem Hin­ter­grund der dor­ti­gen Bau­marten­zusam­menset­zung zu betra­cht­en. Die Haupt­bau­marten, die in der forstlichen Nutzung dominieren, sind fast auss­chließlich windbestäubt. Dies bet­rifft ins­beson­dere die Fichte (Picea abies), die in großen Teilen der Norde­ifel im Rah­men his­torisch­er Auf­forstun­gen ver­bre­it­et wurde, sowie die Kiefer (Pinus sylvestris) und die Tanne (Abies alba). Diese Nadel­bau­marten bilden unschein­bare, nek­tar­freie Blüten, die keine Insek­ten anziehen, und sich­ern ihre Fortpflanzung durch eine enorme Pol­len­pro­duk­tion, die vom Wind ver­bre­it­et wird. Auch die natur­na­hen Haupt­bau­marten der Eifel­wälder – Rot­buche (Fagus syl­vat­i­ca) und die Eichenarten Stiele­iche (Quer­cus robur) und Traubene­iche (Quer­cus petraea) – sind wie Hain­buche (Carpi­nus betu­lus), Birke (Betu­la pen­du­la), Schwarz­er­le (Alnus gluti­nosa) und Hasel (Cory­lus avel­lana) voll­ständig anemophil. Aus forstlich­er Sicht bedeutet dies, dass Bienen für die Naturver­jün­gung und Samen­bil­dung dieser Bau­marten keine funk­tionale Bedeu­tung haben.

Gle­ich­wohl gibt es in der Eifel forstlich rel­e­vante Bau­marten, die von Insek­tenbestäubung abhängig sind und bei denen Bienen einen wichti­gen Beitrag leis­ten. Hier sind vor allem die Lin­denarten, Som­mer­linde (Tilia platy­phyl­los) und Win­ter­linde (Tilia cor­da­ta), zu nen­nen. Lin­den wer­den in der Forstwirtschaft der Eifel gezielt als Mis­chbau­marten einge­bracht, da sie boden­verbessernd wirken, kli­mare­silient sind und wertvolles Nutzholz liefern. Ihre Blüten sind reich an Nek­tar und Pollen und wer­den massen­haft von Honig­bi­enen, Hum­meln und Wild­bi­enen besucht, was für eine erfol­gre­iche Samen­bil­dung entschei­dend ist. Ähn­lich­es gilt für die Ahornarten, ins­beson­dere Spitza­horn (Acer pla­tanoides) und Berga­horn (Acer pseudo­pla­tanus), die eben­falls in natur­na­hen Mis­chwäldern und bei Auf­forstun­gen zunehmend eine Rolle spie­len. Auch sie sind auf die Bestäubungsleis­tung von Insek­ten angewiesen. Die Rosskas­tanie (Aes­cu­lus hip­pocas­tanum), die vor allem in sied­lungsna­hen Bere­ichen vorkommt, ist in forstlichen Auf­forstun­gen zwar weniger bedeu­tend, doch ökol­o­gisch und für die Imk­erei von Rel­e­vanz.

Darüber hin­aus tra­gen Bienen in der Eifel indi­rekt zur forstlichen Zielset­zung bei, indem sie Sträuch­er und krautige Pflanzen des Unter­standes und Wal­dran­des bestäuben. Dazu zählen Arten wie Him­beere (Rubus idaeus), Brombeere (Rubus fru­ti­co­sus) und Hol­un­der (Sam­bu­cus nigra), die auf Ver­jün­gungs­flächen und Schlagfluren ver­bre­it­et sind. Ihre Bestäubung fördert die Frucht- und Samen­bil­dung, was wiederum Nahrungs­grund­la­gen für Vögel und Säugetiere schafft und so die natür­liche Sukzes­sion und Bio­di­ver­sität in Auf­forstungs­flächen unter­stützt.

Zusam­men­fassend lässt sich für die Eifel fest­stellen, dass die über­wiegende Zahl der klas­sis­chen Auf­forstungs- und Haupt­bau­marten windbestäubt ist und somit nicht von Bienen abhängt. Den­noch spie­len Bienen eine zen­trale Rolle für die erfol­gre­iche Fortpflanzung von ergänzen­den Forstpflanzenarten wie Linde und Ahorn und tra­gen indi­rekt über die Bestäubung von Begleit­ge­hölzen zur Sta­bil­ität, Bio­di­ver­sität und langfristi­gen Resilienz der Wälder bei. Aus forstwirtschaftlich­er Sicht sind sie daher zwar nicht für die Ver­jün­gung der dom­i­nan­ten Bau­marten rel­e­vant, wohl aber für die Entwick­lung ökol­o­gisch sta­bil­er, kli­maan­pas­sungs­fähiger Mis­chwälder, die in der Eifel zunehmend an Bedeu­tung gewin­nen.

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